9.2 Doing Family und digitale Medien: ein Balanceakt zwischen allgemeinen Orientierungsmodellen und individuellen Bedürfnissen der Jugendlichen

In diesem Unterkapitel stehen die alltäglichen familiären Praktiken im Umgang mit digitalen Technologien im Fokus. „Familiäre Praktiken“ sind alle Handlungen, die sich an Personen richten, die als Familienmitglieder bezeichnet werden (vgl. Morgan, 2011, S. 32). In der luxemburgischen Diskussion wird seit einigen Jahren auf die „3-6-9-12-Regel“ (BEE SECURE, 2018; MENJE, 2024; Ministère de la Santé – Direction de la Santé & Service Audiophonologique, 2018; Tisseron, 2018) zurückgegriffen, um Eltern und Erziehungsinstitutionen eine Richtlinie zu geben, in welchem Alter Kinder und Jugendliche unterschiedliche digitale Medien nutzen sollten. Während Ratgeber sich auf wissenschaftliche Studien beziehen, in denen etwa die geistige und körperliche Entwicklung der Heranwachsenden als Referenzgrößen gelten, sehen Familien sich im Alltag einer komplexen Realität gegenüber, die das Umsetzen strikter Richtlinien zur Herausforderung macht (Cruz López de Ayala López, María et al., 2020; Kammerl et al., 2022). Dieses Unterkapitel behandelt neben dem gemeinsamen Nutzen von digitalen Medien auch, ob und wie Familien Regeln zur Nutzung digitaler Medien erstellen. In manchen Familien führt das Festlegen von Regeln zu Konflikten oder Strategien zum Umgehen der Regeln, insbesondere wenn Jugendliche diese als ungerecht empfinden.