In diesem Unterkapitel wurde darauf eingegangen, wie die digitale Medienerziehung den analogen Erziehungsstil der Eltern zum Teil weiterverfolgt. Grundlegende Haltungen und Werte der Eltern spiegeln sich in beiden Erziehungsbereichen auf ähnliche Art und Weise wider. Bei der Entscheidung, welche Strategien sie anwenden sollen, müssen die Eltern Spannungen zwischen externen gesellschaftlichen Vorgaben und Diskursen, ihren individuellen Einstellungen und dem Kontext der Familie gegeneinander abwägen. Eltern werden verstärkt anhand gesellschaftlicher Erwartungen und Diskurse, was gute Elternschaft bedeutet, und neuerdings auch aufgrund ihrer Fähigkeit, Kinder und Jugendliche vor den Gefahren und Abhängigkeiten durch das Internet zu schützen, bewertet. Hieraus ergeben sich zusätzliche Anforderungen an das „Elternsein“.
Die Étude qualitative sur les jeunes et leurs parents zeigt, dass Erziehungsstile der Eltern nicht statisch oder festgelegt sind; sie werden dynamisch und kontextabhängig angepasst: Eltern müssen ihre Herangehensweise kontinuierlich an die Entwicklung ihrer Kinder anpassen, besonders im digitalen Bereich. Obwohl Konsistenz zwischen Elternteilen wichtig ist, findet sie eher selten statt: Wenn Eltern unterschiedliche Erziehungsansätze verfolgen oder ihr Erziehungsverhalten inkonsistent ist, kann dies zu Konflikten oder Verhaltensproblemen innerhalb der Familie führen sowie zum Verlust wichtiger Orientierungsmarken für Jugendliche. Die Erziehungsstile variieren auch innerhalb derselben Familie: Eltern passen ihren Stil je nach Kind an, was zu unterschiedlichen Regeln für Geschwister führen kann. Gerade in Familien mit mehreren Kindern zeigt sich, dass Eltern aus den Erziehungserfahrungen lernen und ihr Erziehungsstil mit der Zeit tendenziell permissiver wird.
Der Erziehungsstil beeinflusst den digitalen Medienkonsum der Jugendlichen direkt: Autoritäre Eltern setzen strenge Grenzen und nutzen Medienverbote als Strafe, während permissive Eltern weniger Kontrolle ausüben. Dagegen zeichnet sich der demokratisch-liebevolle Erziehungsstil durch hohes Vertrauen der Eltern gegenüber den Jugendlichen aus und deren Fähigkeit, Gefahren selbst zu erkennen und zu bewältigen. Heutzutage ist der Elternerziehungsstil immer häufiger liebevoll-demokratisch orientiert (Livingstone, 2002), was durch die Veränderung von kulturellen und gesellschaftlichen Normen und Erwartungen an die Familie gefördert wurde.
Das Familienklima, vor allem Kommunikation, Affektivität und gemeinsame Werte, können die digitale und analoge Erziehung in den Familien unterstützen. Umgekehrt können häufige und starke Konflikte zu digitalem Verhalten das Familienklima auch negativ beeinflussen.