9.4 Digitale Ausstattung und Kompetenzen in den Familien: zwischen Teilhabe und Ausgrenzung

Die digitale Sozialisation von Kindern und Jugendlichen ist eine komplexe Aufgabe, die nicht von einer einzelnen Institution allein bewältigt werden kann. Vielmehr sollte sie von der gesamten Gesellschaft getragen werden. Familien spielen dabei als erste Sozialisationsinstanz eine besonders wichtige Rolle, wie in vielen Ratgebern und aktuellen Diskussionen in Luxemburg betont wird. Sie sind entscheidend dafür, dass Kinder und Jugendliche den Umgang mit digitalen Medien erlernen.

Viele Ratgeber (BEE SECURE & Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse, 2021; Eltereforum et al., 2024; MENJE, 2024; SNJ & MENJE, 2020; Tisseron, 2018) gehen davon aus, dass Eltern über gewisse digitale Kompetenzen verfügen oder diese erwerben müssen, um ihre Kinder angemessen begleiten zu können. Allerdings verfügen nicht alle Familien über die gleichen Ressourcen, was die Umsetzung dieser Vorgaben erschwert. Materielle Ungleichheiten sind dabei besonders hervorzuheben. In vielen Familien sind Kinder und Jugendliche die eigentlichen digitalen Experten, wodurch die Rollen von Eltern und Kindern im Umgang mit digitalen Technologien oft vertauscht sind. Dies stellt insbesondere für Eltern, denen digitale Kompetenzen weitestgehend fehlen, eine Herausforderung dar. Es stellt sich die Frage, welche digitale Bildung Familien ihren Kindern vermitteln können und welche Rolle die Schule in Familien übernimmt, in denen die Eltern diese Aufgabe nicht erfüllen können.