Die digitale Ausstattung der Familien, die an der qualitativen Studie teilgenommen haben, variiert erheblich. Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass drei Faktoren bei der Beschaffung von digitalen Geräten eine besonders wichtige Rolle spielen: subjektive Motive, materielle Ressourcen und externe Faktoren.
Der 17-jährige Luc verfügt über eine Vielzahl eigener digitaler Geräte, darunter ein Smartphone, ein Tablet, Laptop, ein Desktop-Rechner und eine Smartwatch. Die Spielkonsole teilt er sich mit den anderen Familienmitgliedern. Auch die beiden jüngeren Geschwister und die Eltern besitzen ihre eigenen Geräte, die sie für unterschiedliche Zwecke nutzen. Im Interview erklärt der Vater, wie wichtig diese für die Mitglieder der Familie sind, sowohl für die Kommunikation und das Lernen als auch für viele Freizeitaktivitäten, bei denen die digitalen Medien zusätzliche Unterstützung bieten. Das legt nahe, dass Medienbildung und digitale Teilhabe in der Familie eine hohe Priorität genießen. Diese gute Ausstattung mit digitalen Geräten ist trotz der durchschnittlichen finanziellen Ressourcen der Familie möglich, weil die digitalen Geräte nicht die neuesten oder teuersten auf dem Markt sind.
Im Gegensatz dazu ist Jack (18 Jahre) einer der wenigen Jugendlichen in der Familienstichprobe, der einen vergleichsweise geringen Zugang zu digitalen Geräten hat. Er besitzt lediglich ein Smartphone und eine Spielkonsole. Seine Eltern verfügen jeweils über ein Smartphone, die Mutter zusätzlich über ein geschenktes Tablet und eine Smartwatch. Jack nutzt jedoch das Tablet der Mutter nicht für seine digitalen schulischen Hausaufgaben. Er findet das iPad nicht geeignet für diese Art von Aufgaben und greift stattdessen auf sein Smartphone oder, wenn notwendig, auf einen Schulcomputer zurück. Im Interview äußert der Jugendliche seinen bereits längeren Wunsch nach einem Mac-Computer, den sich seine Familie jedoch nicht leisten kann, da die Eltern nur über geringe finanzielle Ressourcen verfügen. An diesem Beispiel zeigt sich, wie materielle Ungleichheiten den Zugang zu und die Nutzung von digitalen Medien beeinflussen – sowohl hinsichtlich der Ausstattung (es stehen vergleichsweise wenige Geräte zur Verfügung) als auch der Nutzungsqualität (bestehende Geräte werden als ungeeignet für schulische Aufgaben betrachtet).
So wie Jack besitzt auch Lena (17 Jahre) nur wenige digitale Geräte. Ihr selbst gehört lediglich ein Smartphone, das sie von ihrer Mutter geerbt hat, sowie das Schul-iPad. Anders als bei Jack ist die Anschaffung von digitalen Geräten in Lenas Familie jedoch nicht durch finanzielle Ressourcen beschränkt, sondern durch die Überlegung, ob diese notwendig sind. Die Familie nutzt Tablet, Laptop, Desktop und E-Book-Reader gemeinsam. Die Jugendliche braucht keine weiteren Geräte. Mutter und Tochter schätzen die Tatsache, dass sie sich die gewünschten digitalen Apparate leisten können, als Glück:
Lena: […] Und Handy habe ich, iPad habe ich auch alles. Mutter: Ja, ich würd mal sagen unsere Kinder haben … Lena: Glück. Mutter: … Glück. Ja. Das sind sie sich auch bewusst, glaub ich. Dankbar. Familie von Lena, 17 Jahre
Die Geräteausstattung ist in dieser Familie weniger auf materielle Beschränkungen zurückzuführen als vielmehr auf eine bewusste Konsumentscheidung, die in einer nachhaltigen und reflektierten Werte- und Haltungsorientierung gründet.
In den Interviews werden neben persönlichen Ansichten und Ressourcen für den Kauf digitaler Geräte auch externe Vorgaben und Normen genannt. Mias (13 Jahre) Eltern hatten sich vorgenommen, ihrer Tochter so lange wie möglich keine digitalen Geräte zu kaufen. Mia bekam ihr iPad schließlich im Alter von neun Jahren, früher als den Eltern lieb war, da für viele Schulaufgaben und für die schulische Kommunikation ein digitales Gerät notwendig wurde.
Auch das erste Handy der Jugendlichen ist in den befragten Familien eine bewusste Entscheidung, bei der die Vor- und Nachteile für die Jugendlichen abgewogen werden. Einige Jugendliche besaßen bereits vor dem ersten Handy digitale (Kinder-)Tablets oder konnten die Tablets oder das Handy der Eltern zu Hause nutzen. Für viele der befragten Familien ist der Übergang in die Sekundarschule jedoch eine Transition, bei der das Mobiltelefon den Weg in die zunehmende Autonomie begleitet. Das Handy soll den Eltern und Jugendlichen erlauben, trotz der zeitlichen und räumlichen Distanz weiterhin miteinander zu kommunizieren (siehe Kapitel 6).
Damit die Kinder sich bereits vor dem Übergang in die Sekundarschule im Umgang mit dem Handy vertraut machen können, erhalten viele dieses ein oder sogar zwei Jahre vorher, also während ihrer Grundschulzeit. Dabei zeigt sich in den Familieninterviews ein wiederkehrendes Muster: Während die Anschaffung des Handys prinzipiell befürwortet und unterstützt wird, teilen viele Eltern die Meinung, dass vor allem das erste Handy nicht das allerneueste Modell sein muss. Einige Jugendliche berichten von dem ersten robusten Klapphandy, das nur die wichtigsten Funktionen zur Kommunikation besaß, oder dem alten Handy der Eltern, bei dem ein möglicher Schaden weniger ins Gewicht fiel.
Emma (18 Jahre) hat ihr erstes richtiges Smartphone erst im Alter von 14 Jahren erhalten, was im Vergleich zu den anderen Jugendlichen der Stichprobe relativ spät ist. Ihre Eltern hatten ihr für die erste Klasse in der Sekundarschule ein altes „Klapphandy“ gekauft, das jedoch in der Schule bei den anderen Schülern nicht gut ankam. Auch die Erwartungen in der Jugendgruppe, welches Smartphone ein Jugendlicher besitzen sollte, üben Druck auf die Jugendlichen aus, sich ein entsprechendes Gerät anzuschaffen, um dazuzugehören; und Druck auf die Eltern, entsprechende finanzielle Ressourcen für die Anschaffung bereitzustellen.
Mein Ersthandy hatte ich, glaub ich, mit 14 bekommen. Da war ich in der, in der … 8., also, da bin ich in die 8. gekommen. Also, ich war halt auch in der siebten und da hatte ich dann so ein Klapphandy bekommen. Das wurde leider auch nicht so gut in der Schule angesehen, von meinen Freunden aber, also innerhalb von den Klassen und dann hab ich, war ich auf einer Kolonie und dann hab ich dann mein Handy bekommen, damit ich eben dann trotzdem sie [die Eltern] noch erreichen konnte. Emma, 18 Jahre
Über alle interviewten Familien hinweg scheinen sich einige Erkenntnisse in jeder Familie zu bestätigen, wenn es um digitale Geräteausstattung geht. So ist das Smartphone ein fester Bestandteil in den Familien: Alle Jugendlichen und ihre Eltern besitzen ein Smartphone, auch wenn sie es manchmal nicht so intensiv nutzen (siehe Kapitel 5 und 6). Zudem zeigt sich, dass alle befragten Familien einen Fernseher besitzen – jedoch nur einen einzigen, der darüber hinaus in den gemeinschaftlich genutzten Zimmern steht. Keiner der Jugendlichen gab an, einen eigenen Fernseher in seinem Zimmer zu haben. Jede Familie hat auch mindestens einen Tablet- oder Desktop-Computer, den die Jugendlichen nutzen können, wenn sie kein eigenes Schul-iPad, Tablet oder keinen PC haben.
In diesem Unterkapitel zeigt sich, dass die Auswahl an Geräten von den Familien abgewogen wird, wobei Ressourcen, subjektive Motive und implizite soziale Normen eine wichtige Rolle bei der Entscheidung spielen, welche Geräte zu welchem Zeitpunkt angeschafft werden.