Autorinnen und Autoren von Kapitel 9

Christiane MeyersHannes Käckmeister und Robin Samuel

Zentrale Aussagen

Familien nutzen die digitalen Technologien auf vielfältige Art und Weise beim Prozess des Doing Family. Digitale Medien unterstützen die Familien sowohl beim alltäglichen Familienmanagement als auch bei der Schaffung einer Familienidentität, zum Beispiel durch gemeinsame Kommunikation in WhatsApp-Gruppen.

Eltern greifen zur Regelung der Nutzung von digitalen Technologien auf diverse implizite und explizite Regeln zurück. Neben technischen Möglichkeiten, die Bildschirmzeit und Inhalte beschränken, gelten in den meisten Familien auch Regeln, wie digitale Technologien in bestimmten Alltagssituationen genutzt werden dürfen, zum Beispiel kein Smartphone bei gemeinsamen Mahlzeiten.

Die Aufstellung der Regeln erfolgt in den meisten Familien unilateral durch die Eltern – Kinder und Jugendliche werden zumindest nicht explizit am Festlegen der Regeln beteiligt. Die Eltern passen die Regeln jedoch dem Alter und der Persönlichkeit des Kindes an.

Eltern bemühen sich, eine Balance zu finden zwischen der wachsenden Autonomie und Privatsphäre ihrer Kinder und dem Bedürfnis, sie zu schützen. Zwischen Jugendlichen und ihren Eltern können unterschiedliche Vorstellungen darüber, welche Handlungsweise im Umgang mit digitalen Technologien richtig ist, zu Konflikten führen.

Mit welcher Haltung die Eltern ihre Kinder in Online- und Offline-Welten begleiten, wird vor allem durch ihren Erziehungsstil und das Familienklima beeinflusst. Die meisten befragten Eltern haben einen demokratisch-liebevollen Erziehungsstil, durch den Eltern auch die Digitalität der Kinder mit einer auf Vertrauen basierten Einstellung positiv begleiten.

In der Étude qualitative sur les jeunes et leurs parents (EQJP) wird aufgezeigt, wie sich geringere materielle und soziale Ressourcen auf die Ausstattung, die Kompetenzen und die digitalen Bildungsstrategien der Familien auswirken und somit die Ungleichheiten der Offline-Welt auch online reproduzieren.

Die Interviews in den Familien zeigen die vielfältigen Spannungen auf, die Eltern im Umgang mit den digitalen Technologien bewältigen müssen: zwischen einem gesellschaftlichen Bild, was „gute Eltern“ sein sollen, und dem Alltag in der Familie; zwischen Jugendlichen, die oft über höhere digitale Kompetenzen verfügen als die Eltern, und einer sich immer schneller entwickelnden digitalen Welt; zwischen der eigenen Vorstellung, wie eine sinnvolle Nutzung der digitalen Technologien aussieht, und den gesellschaftlichen Normen und Vorstellungen.