Mittels des Äquivalenzeinkommens4 kann die Einkommenssituation von Haushalten, die sich in Bezug auf Größe und Zusammensetzung unterscheiden, miteinander verglichen werden. Das mediane Äquivalenzeinkommen bezeichnet das Einkommen, das jedem Familienmitglied eines Haushalts – wäre es eine alleinlebende erwachsene Person – ein mit dem Lebensstandard des gesamten Haushalts vergleichbares Niveau ermöglichen würde. Das Äquivalenzeinkommen ergibt sich aus der Summe der Einkommen aller Haushaltsmitglieder und wird mit einem Äquivalenzgewicht versehen, das die Anzahl und das Alter der Haushaltsmitglieder berücksichtigt (Statistisches Bundesamt, 2025).
Das Nettoäquivalenzeinkommen findet Anwendung bei der Definition des relativen Armutsbegriffs. Personen mit einem verfügbaren Einkommen von 60 % oder weniger gelten in Relation zur Gesamtbevölkerung als armutsgefährdet. Eine Analyse der Daten zeigt, dass das mediane Äquivalenzeinkommen in Luxemburg höher ist als in den Nachbarstaaten (vgl. Abbildung 3.13). Eine Analyse des Einkommens nach verschiedenen Altersgruppen offenbart grundlegende Unterschiede zwischen Luxemburg und den anderen Ländern. Für die Alterskohorte der 16- bis 24-Jährigen ergibt sich in Luxemburg ein doppelt so hohes Äquivalenzeinkommen (38 017 €) wie in den EU-27-Staaten (19 998 €). Das Einkommen steigt mit zunehmendem Alter und erreicht den höchsten Wert bei den über 65-Jährigen (57 511 €). In dieser Alterskategorie ist das Einkommen fast drei Mal so hoch wie in den EU-27-Staaten.
Dieser Sachverhalt manifestiert sich insbesondere in der Armutsgefährdungsquote. Die Europäische Union definiert die Armutsgefährdungsquote als den Anteil der Personen, die mit weniger als 60 % des medianen Äquivalenzeinkommens der Bevölkerung auskommen müssen (vgl. Krentz, 2011, S. 16). Die Armutsgefährdungsgrenze in Euro belief sich im Jahr 2024 in Luxemburg auf ein monatliches Einkommen 2540 Euro und es ist insbesondere die junge Generation, die laut dieser Definition als armutsgefährdet einzustufen ist. Dies gilt auch für Deutschland und Frankreich. In Luxemburg liegt der Anteil der 15- bis 29-Jährigen, die von Armut bedroht sind, bei 25,3 %, in Frankreich bei 19,3 %, in Deutschland bei 20,4 %, in Belgien bei 12,8 %, und im Durchschnitt in den EU-27-Staaten bei 19,2 % (vgl. Abbildung 3.14).
Dieser Vergleich verdeutlicht, dass der Anteil junger Menschen in Luxemburg, der nahe der Armutsgefährdungsquote liegt, vergleichsweise hoch ist. Dies erschwert für einen Teil dieser jungen Menschen die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben, wie zum Beispiel den Auszug aus dem elterlichen Haushalt oder die Gründung einer eigenen Familie. Die Armutsgefährdungsquote muss jedoch in ihrem soziopolitischen Kontext betrachtet werden: Einerseits stellt der Staat in Luxemburg eine Vielzahl von Unterstützungen zur Verfügung, sowohl im Bereich der unentgeltlichen Dienstleistungen (z. B. öffentliche Verkehrsmittel, Kinderbetreuung) als auch der finanziellen und sozialen Hilfen (z. B. Revis; Allocation de vie chère; Mietzuschuss; Tiers payant social); andererseits erschweren die hohen Lebenshaltungskosten in Luxemburg das finanzielle Auskommen mit dem in absoluten Zahlen hoch erscheinenden Grenzbetrag der Armutsgefährdung.
Gemäß Abbildung 3.14 sind ältere Menschen in Luxemburg weniger häufig von Armut bedroht als die Gesamtbevölkerung: Der Wert für die über 65-Jährigen liegt bei 9,4 %, während er sich bei der Gesamtbevölkerung auf 18,1 % beläuft (Eurostat, 2025i). In Deutschland und Belgien sind ältere Menschen dagegen häufiger als die Gesamtbevölkerung von Armut bedroht.
Die Verteilung der Armutsgefährdung unterscheidet sich jedoch nicht nur nach Alter, sondern auch nach Familienkonstellation: Haushalte mit Kindern weisen das höchste Armutsrisiko auf. Vor allem Alleinerziehende sind von einem hohen Armutsrisiko betroffen (25 % bei einem Kind und 52 % bei mehreren Kindern im Jahr 2019). Darüber hinaus ist festzustellen, dass Alleinstehende mit mehreren Kindern ein doppelt so hohes Armutsrisiko aufweisen wie Personen in Haushalten mit zwei Erwachsenen und mehreren Kindern. Die Armutsgefährdungsquote für Single-Haushalte ohne Kinder lag dagegen bei 20 %.
Ebenso zeigen sich in Bezug auf die Nationalität Unterschiede in der Armutsgefährdung (STATEC, 2020). Im Jahr 2020 waren Personen mit portugiesischer Nationalität (32,9 %) drei Mal häufiger armutsgefährdet als Personen mit luxemburgischer Nationalität (10,6 %). Der Wert für die Armutsgefährdungsquote zeigt für Menschen mit verschiedenen nicht luxemburgischen Nationalitäten unterschiedlich hohe Zahlen. Zusammengenommen lag der Wert im Jahr 2020 für Gebietsansässige ohne luxemburgische Nationalität bei 23 % (STATEC, 2024a). In den Analysen von STATEC (2024d) wird ebenfalls darauf hingewiesen, dass bestimmte Gruppen der Bevölkerung dem Risiko der Armutsgefährdung in besonderem Maße ausgesetzt sind. Hierzu gehören alleinstehende Jugendliche, Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, Menschen mit niedrigem Bildungsniveau, nicht erwerbstätige Personen sowie Alleinerziehende.
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„Das Äquivalenzeinkommen ist ein Wert, der sich aus dem Gesamteinkommen eines Haushalts und der Anzahl und dem Alter der von diesem Einkommen lebenden Personen ergibt. Das Äquivalenzeinkommen wird vor allem für die Berechnung von Einkommensverteilung, Einkommensungleichheit und Armut verwendet. Mithilfe einer Äquivalenzskala werden die Einkommen nach Haushaltsgröße und-zusammensetzung gewichtet. Dadurch werden die Einkommen von Personen, die in unterschiedlich großen Haushalten leben, vergleichbar, da in größeren Haushalten Einspareffekte (Economies of Scale) auftreten (z. B. durch gemeinsame Nutzung von Wohnraum oder Haushaltsgeräten)“ (Statistisches Bundesamt, 2025).