3.6 Familienstrukturen in Luxemburg immer vielfältiger

Die Vielfalt von Familienstrukturen ist Ausdruck gesellschaftlicher Veränderungen und individueller Lebensentwürfe. Während die Kernfamilie lange Zeit die Norm war, haben sich zunehmend alternative Familienformen etabliert. Sie spiegeln die zunehmende Akzeptanz unterschiedlicher Lebensmodelle wider (bmfsfj, 2024). Familienstrukturen können aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden: als institutionalisierte Struktur, soziale Praxis oder dynamischer Prozess, der durch die Beteiligten gestaltet wird (Singly, 2017). Während sich Familienformen ausdifferenzieren, verändert sich auch die Bedeutung von Ehe und Partnerschaft in der modernen Gesellschaft (Stacey, 1990). Insgesamt zeigt sich jedoch, dass die Herkunftsfamilie in ihren vielfältigen Ausprägungen eine bedeutende Rolle im Leben vieler junger Menschen und auch weitreichende Auswirkungen auf ihre persönliche und soziale Entwicklung hat. Neben dem Einfluss der Herkunftsfamilie ist die Gründung einer eigenen Familie ein wichtiger Schritt in Richtung Selbstverwirklichung, da sie die Möglichkeit bietet, emotionale Bindungen aufzubauen und ein unterstützendes Umfeld zu schaffen. Studien zeigen, dass Jugendliche und junge Erwachsene, die früh eine Familie gründen, oftmals ein stärkeres Gefühl von Zugehörigkeit und Identität entwickeln (Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2019). In einer Zeit, in der viele junge Menschen mit Unsicherheiten und Herausforderungen konfrontiert sind, kann die Gründung einer Familie eine stabilisierende und bereichernde Erfahrung darstellen, die nicht nur das individuelle Leben, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes beeinflusst.

Die formale Gründung einer Familie in Luxemburg in Form einer Eheschließung erfolgte im Jahr 2024 im Durchschnitt für Frauen im Alter von 32,4 Jahren und für Männer im Alter von 34,3 Jahren, und damit später als in den vorangehenden Jahren: So hat sich seit 2017 das Alter, in dem die Ehe in Luxemburg registriert wird, für beide Geschlechter um rund ein Jahr nach hinten verschoben. In Luxemburg gibt es zudem seit 2004 die Möglichkeit, eine zivile Partnerschaft (PACS) einzugehen – einen Solidaritätspakt zwischen zwei Personen gleichen oder unterschiedlichen Geschlechts. Diese Form der Zivilunion bietet rechtliche Anerkennung sowie Sicherheit in zivil-, steuer- und sozialrechtlichen Angelegenheiten.

Die Daten der Volkszählung 2021 zeigen, dass die Mehrheit (63,1 %) der Haushalte aus Paaren mit oder ohne Kinder besteht (verheiratet, in einer eingetragenen Partnerschaft oder zusammenlebend). Zwischen 2011 und 2021 hat jedoch der Anteil der kinderlosen Paare um 2,1 % zugenommen. Ebenso ist der Anteil der Einelternfamilien – also alleinerziehender Mütter und Väter – um 1,9 % gestiegen, wobei der Anteil alleinerziehender Männer in dieser Zeit zwar angewachsen ist, aber es weiterhin mehr alleinerziehende Frauen als Männer gibt.

In der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen ist der Anteil der Personen, die als Paar leben, sowohl bei Männern als auch bei Frauen um fast fünf Prozentpunkte zurückgegangen, was eine Verzögerung der Paarbildung um fast ein Jahr widerspiegelt. Bezüglich der rechtlichen Formen der Partnerschaft zeigen die Daten eine deutliche Diversifizierung der von den Paaren gewählten Modelle, insbesondere bei den jüngeren Generationen. Im Jahr 2021 waren bei den 30- bis 34-Jährigen 56,1 % der Paare in dieser Altersgruppe verheiratet. Im Vergleich zu 75,1 % im Jahr 2011 bedeutet dies einen starken Rückgang der Eheschließungen zugunsten von eingetragenen Partnerschaften und Lebensgemeinschaften (Statistiques.lu, 2025).

Bezüglich des Alters bei der Geburt des ersten Kindes ist derzeit ein genereller länderübergreifender Trend zur Alterszunahme zu beobachten, der möglicherweise in den verlängerten Aus­bildungszeiten, der erhöhten Berufstätigkeit von Frauen und dem späteren Zeitpunkt der Familiengründung begründet liegt. Das Alter der Mutter bei der ersten Geburt lag 2023 laut Eurostat (2024b) in Luxemburg bei 31,4 Jahren, geringfügig höher als in den Nachbarstaaten (vgl. Abbildung 3.15). Die Gesamtfruchtbarkeitsrate war in Luxemburg im Jahr 2023 mit 1,25 jedoch vergleichsweise niedrig. Im Vergleichszeitraum lag sie in Belgien bei 1,47, in Deutschland bei 1,39 und in Frankreich bei 1,66 (Eurostat, 2024d).

Ein Teil der ehelichen Verbindungen wird nicht aufrechterhalten und endet in einer Scheidung. Dies kann für Jugendliche mit negativen Langzeitfolgen verbunden sein (Frimmel et al., 2024). Die Ehescheidungsziffer betrug im Jahr 2023 in Luxemburg 2,0 und lag damit über dem EU-27-Durchschnitt von 1,6 (Eurostat, 2025h). Die Ehescheidungsziffer beschreibt das Verhältnis der Zahl der Scheidungen in einem Jahr zur durchschnittlichen Bevölkerungszahl im betreffenden Jahr. Der Wert wird pro 1000 Einwohner angegeben.