Das vorherige Kapitel hat gezeigt, dass junge Menschen die gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen wahr- und ernst nehmen. Hierbei stellt sich jedoch die Frage, ob sich aus diesen Sorgen auch ein Interesse für Politik ergibt. Das Interesse für Politik ist sowohl eine Voraussetzung als auch eine Motivation für Jugendliche, politische Kompetenzen und Wissen zu erwerben und politisch aktiv zu werden.
Auf die Frage, wie stark sie sich für Politik interessieren, gibt über die Hälfte der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 12 bis 29 Jahren an, „wenig“ oder „überhaupt nicht“ politisch interessiert zu sein (vgl. Abbildung 4.5). Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede nach Geschlecht, Alter und subjektivem sozioökonomischen Status (SES).
Weibliche Befragte, Jugendliche (12- bis 15-Jährige) sowie Personen mit niedrigem oder mittlerem SES berichten häufiger, sich wenig bis überhaupt nicht für Politik zu interessieren. Die stärksten Unterschiede lassen sich hinsichtlich des Alters beobachten: So geben rund 72 % der 12- bis 15-Jährigen an, sich kaum oder gar nicht für Politik zu interessieren. Bei den 16- bis 20-Jährigen liegt dieser Anteil bei etwa 54 %, bei den 21- bis 25-Jährigen bei 46 % und bei den 26- bis 29-Jährigen schließlich bei 44 %.
Auch der sozioökonomische Status beeinflusst das politische Interesse erheblich. Insbesondere junge Menschen mit hohem SES äußern mit 23,5 % deutlich häufiger ein (sehr) hohes Interesse an Politik. Junge Menschen mit niedrigem oder mittlerem SES hingegen zeigen mit rund 17 % ein geringeres politisches Interesse. Zusätzlich zu diesen Unterschieden nach SES, berichten insbesondere junge Menschen mit Migrationshintergrund in der 2ten Generation ein geringeres politisches Interesse (siehe Tabellenband).
Zwischen 2019 und 2024 zeigt sich eine Abnahme des Interesses an Politik junger Menschen in Luxemburg (vgl. Abbildung 4.6). Der Anteil der 16- bis 29-Jährigen, die sich wenig bis überhaupt nicht für Politik interessieren, ist 2024 mit rund 47 % höher als 2019 mit rund 43 %. Diese Veränderungen deuten auf eine nachhaltige Abnahme des Interesses an Politik hin und zeigen keinen Zusammenhang mit den verschiedenen zeitlichen Abständen zwischen den Youth-Survey-Luxembourg-Erhebungen und den Gemeindewahlen in Luxemburg.4