4.2.3 Politische Einstellungen

Um die Einstellung und Meinung junger Menschen zu Politikern, politischer Aktivität und politischem Einfluss zu erfassen, wurden den 12- bis 29-Jährigen zehn Aussagen vorgelegt. Für jede Aussage wurden sie gebeten, anzugeben, inwieweit sie dieser zustimmen (Deutsches Jugendinstitut, 2010; ESS, 2016; GESIS, 2008; Institute for Social Research and Analysis, 2004). Die Abbildungen 4.7 und 4.8 zeigen, in welchem Maße die Jugendlichen diesen Aussagen zugestimmt haben.5 Zur Einordnung der Antworten der jungen Menschen wurden im Folgenden die Aussagen in zwei Kategorien unterteilt: Erstens Aussagen zu Politik, Politikern und politischem Einfluss und zweitens Aussagen zu politischer Aktivität.

Ansichten zu Politik, Politikern und politischem Einfluss

Die jungen Menschen wurden gebeten, anzugeben, inwieweit sie Aussagen zu Politik, Politikern und politischem Einfluss zustimmen. Abbildung 4.7 verdeutlicht, dass etwa ein Drittel der jungen Menschen an den Einflussmöglichkeiten der Politik zweifelt und die Aussage „Nur bei gewissen Themen kann die Politik noch Einfluss nehmen“ zutreffend findet. Diese Zweifel hegen alle soziodemografischen Gruppen gleichermaßen.

Der Zweifel an der Gleichverteilung der Macht ist noch ausgeprägter. Etwa zwei Fünftel der Jugendlichen stimmen der Aussage zur Ungleichverteilung der Macht – „Bei uns gibt es nur wenige Mächtige, alle anderen haben keinen Einfluss darauf, was die Regierung macht“ – zu und drücken damit ein geringes Vertrauen in die Gleichverteilung der Macht in Luxemburg aus. Diese Zustimmung steigt mit dem Alter an und fällt mit steigendem SES ab (siehe Tabellenband).

Die Jugendlichen sehen sich selbst und den Wählerwillen nicht im Fokus der Politiker. Etwa die Hälfte der Jugendlichen stimmt den Aussagen „Ich glaube nicht, dass sich Politiker darum kümmern, was Leute wie ich denken“ und „Die Politiker sind nur daran interessiert, gewählt zu werden, und nicht daran, was die Wähler wirklich wollen“ zu. Mit steigendem subjektivem SES nimmt der Anteil der Jugendlichen, die diese Aussage zutreffend finden ab, während die Zustimmung mit steigendem Alter zunimmt. Insbesondere junge Menschen, die selber eingewandert sind, finden diese Aussage (sehr) zutreffend (siehe Tabellenband).

Die meisten Jugendlichen wünschen sich, dass junge Menschen mehr Einfluss in der Politik haben. Zwei Drittel der Jugendlichen stimmen der Aussage „In der Politik sollten mehr junge Leute was zu sagen haben“ zu. Diese Aussage findet die meiste Zustimmung unter allen Aussagen zu Politik, Politikern, politischem Einfluss und politischer Betätigung. Die Zustimmung für diese Aussage ist unter allen soziodemografischen Gruppen ähnlich. Es zeigt sich jedoch, dass weibliche Befragte diese Aussage häufiger zutreffend finden als männliche Befragte (siehe Tabellenband).

Im Vergleich zu 2019 haben sich die Meinungen zu Politik, Politikern und politischem Einfluss nicht relevant verändert (siehe Tabellenband).

Ansichten zu politischer Betätigung

Die Ergebnisse des Youth Survey Luxembourg (YSL) 2024 zeigen, dass eine Mehrheit der Jugendlichen an die Wirksamkeit politischer Betätigung glaubt (vgl. Abbildung 4.8). So stimmen mehr als die Hälfte der 12- bis 29-Jährigen der Aussage zu, dass man „durch politische Betätigung Einfluss nehmen und Dinge verändern“ könne. Rund 28 % stehen dieser Aussage neutral gegenüber, während sie etwa 15 % ablehnen.

Dieser Glaube an politische Selbstwirksamkeit ist insofern bedeutsam, als er eng mit der Bereitschaft zur politischen Beteiligung verknüpft ist. Politisches Engagement erfolgt unter Jugendlichen oftmals unter der Bedingung, dass es mit einer Aussicht auf konkrete Wirkung verbunden ist. So stimmen jeweils mehr als zwei Fünftel der Befragten den Aussagen zu: „Ich werde nur dann politisch aktiv, wenn ich weiß, dass dabei auch etwas rauskommt“ sowie „Meine politischen Einflussmöglichkeiten sind so klein, dass es sich für mich nicht lohnt, mich politisch zu engagieren“. Die Zustimmung zu diesen Aussagen variiert deutlich in Abhängigkeit von Geschlecht, Migrationshintergrund und subjektivem sozioökonomischem Status (siehe Tabellenband).

Gleichzeitig zeigen sich Anzeichen für eine Veränderung dieser Haltung. Im Vergleich zu 2019 ist der Anteil der 16- bis 29-Jährigen, die der Aussage „Ich werde nur dann politisch aktiv, wenn ich weiß, dass dabei auch etwas rauskommt“ nicht zustimmen, im Jahr 2024 angestiegen. Besonders deutlich ist dieser Wandel bei jungen Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status: Während 2019 lediglich ein Fünftel dieser Gruppe der Aussage nicht zustimmten, liegt dieser Anteil 2024 bei über 30 %. Gleichzeitig sank der Anteil der Zustimmenden von rund 49 % auf 38 % (siehe Tabellenband).

Die fehlende Orientierung darüber, wie und wo politisches Engagement möglich ist, bleibt ein zentrales Hindernis. Etwa die Hälfte der Jugendlichen gibt an, nicht zu wissen, „wie ich politisch Einfluss nehmen kann“. Nur ein Fünftel stimmen der Aussage zu, dass sie wissen, wie sie sich politisch einbringen können. Besonders betroffen sind hier weibliche Jugendliche, 12- bis 15-Jährige, Personen mit Migratonshintergrund sowie junge Menschen mit niedrigem subjektivem SES (siehe Tabellenband).

Der konkrete Wunsch nach politischer Beteiligung scheitert bei manchen an fehlendem Wissen über geeignete Zugänge: Rund 19 % der Jugendlichen stimmen der Aussage zu, dass sie „schon einmal politisch aktiv werden wollten, aber nicht wussten, wo und wie“. Auffällig ist, dass insbesondere die jüngsten Befragten (12–15 Jahre) dieser Aussage seltener zustimmen als ältere Jugendliche, was möglicherweise auf ein altersbedingtes geringeres politisches Bedürfnis oder auf geringere Eigeninitiative zurückzuführen ist. Junge Menschen, die selber eingewandert sind, finden diese Aussage hingegen häufiger (sehr) zutreffend (siehe Tabellenband).


  • 5

    In den grafischen Darstellungen wurden die zehn Aussagen zu politischer Aktivität, Politik, Politikern und politischem Einfluss abgekürzt. Die genauen Wortlaute der Aussagen sind im Tabellenband zu finden.