4.2.4 Politische Teilhabe

Nachdem die Ansichten junger Menschen in Luxemburg zu politischer Betätigung beschrieben wurden, werden im Folgenden die tatsächlichen Aktivitäten dargestellt, die junge Menschen in Luxemburg nutzen, um politischen Einfluss zu nehmen oder ihren Standpunkt zur Geltung zu bringen. Dies ermöglicht es, ein umfassendes Bild der politischen Teilhabe und der Präferenzen junger Menschen zu zeichnen und die Formen der Teilhabe zu identifizieren, die für diese Altersgruppe besonders relevant sind.

Der YSL erfasst verschiedene Formen der politischen Teilhabe, die junge Menschen in Betracht ziehen oder bereits durchgeführt haben. Die 16- bis 29-Jährigen werden gebeten, anzugeben, ob sie sich schon einmal an neun politischen Aktivitäten6 beteiligt haben, sich vielleicht einmal oder unter keinen Umständen beteiligen würden oder ob sie nicht wissen, wie sie zu dieser Form der politischen Teilhabe stehen.

Abbildung 4.9 gibt eine Übersicht über die verschiedenen Möglichkeiten der politischen Teilhabe, die junge Erwachsene in Luxemburg (nicht) nutzen. Sie zeigt, dass Unterschriftensammlungen, Warenboykott oder -kauf und genehmigte Demonstration die beliebtesten Formen der politischen Teilhabe unter jungen Erwachsenen in Luxemburg sind. Zwischen einem Drittel und einem Viertel der jungen Erwachsenen geben an, diese Möglichkeiten der politischen Teilhabe bereits einmal genutzt zu haben.

Etwa ein Fünftel der jungen Erwachsenen hat bereits die digitalen Möglichkeiten von Online-Protestaktionen oder Posts und Shares über Politik im Internet genutzt, um politisch teilzuhaben. Jedoch geben jeweils mehr als 50 % der jungen Erwachsenen an, dass sie dies unter keinen Umständen tun würden oder nicht wissen, ob sie dies tun würden (siehe Kapitel 5). Am wenigsten werden nicht genehmigte Demonstrationen oder die Mitarbeit in einer Partei genutzt, um politisch teilzuhaben. Lediglich jeder zwanzigste junge Erwachsene hat dies bereits einmal getan und mehr als zwei Drittel würden dies nicht tun oder wissen nicht, ob sie es tun würden.

Zwischen den Geschlechtern zeigen sich deutliche Unterschiede in den Vorlieben für die verschieden Formen der politischen Teilhabe: Weibliche Befragte sind eher bereit, sich an Unterschriftensammlungen, Warenboykotts, genehmigten Demonstrationen zu beteiligen und sich zu Politik in Internet zu äußern. Männliche Befragte sind dagegen etwas häufiger bereit, sich an öffentlichen Diskussionen zu beteiligen und in Parteien mitzuarbeiten (siehe Tabellenband).

Auch hinsichtlich des Alters und des SES bestehen Unterschiede in der politischen Teilhabe der jungen Erwachsenen. Mit zunehmendem Alter und SES steigt die Breitschaft, sich politisch zu betätigen für fünf der neun Formen der politischen Teilhabe, zu denen die jungen Erwachsenen befragt wurden. Für junge Menschen mit Migrationshintergrund zeigt sich für vier der neun Formen der politischen Teilhabe eine geringere Wahrscheinlichkeit diese zu nutzen (siehe Tabellenband).

Betrachtet man die Entwicklung der Präferenzen für verschiedene Formen politischer Teilhabe zwischen 2019 und 2024, zeigt sich bei fast allen Formen ein Rückgang der Beteiligungsbereitschaft. Besonders deutlich fällt der Rückgang bei der Teilnahme an nicht genehmigten Demonstrationen sowie bei der Mitarbeit in einer Partei aus. Einzige Ausnahme sind Unterschriftensammlungen: Hier sind junge Erwachsene 2024 eher bereit zur Beteiligung als noch 2019 (siehe Tabellenband).

Der internationale Vergleich im EU-Eurobarometer Youth Survey 2024 zeigt, dass die rund 500 16- bis 30-Jährigen, die in Luxemburg befragt wurden, häufiger bereits politisch aktiv waren als der EU-Durchschnitt (Ipsos European Public Affairs, 2025, S. 48). Der Anteil junger Menschen in Luxemburg, die die jeweilige Aktivität bereits einmal getätigt haben, liegt insbesondere bei den drei Aktivitäten, die ebenfalls im YSL am häufigsten genannt wurden, deutlich über dem EU-Durchschnitt:

  • Das Initiieren oder Unterschreiben von Petitionen (35 % LU, 26 % EU),
  • das Boykottieren und Kaufen von Waren aus politischen, ethischen oder ökologischen Gründen (32 % LU, 19 % EU),
  • das Teilnehmen an öffentlichen Online- oder Offline-Konsultationen (28 % LU, 10 % EU),
  • das Teilnehmen an Protesten oder Demonstrationen (23 % LU, 16 % EU) (Ipsos European Public Affairs, 2025).

Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass junge Erwachsene eher alternative Wege finden, um politisch teilzuhaben. Sie beteiligen sich politisch eher durch das Kundtun ihrer Meinung als durch die Mitarbeit in einer politischen Partei. Daher könnte es hilfreich sein, gezielte Bildungs- und Informationskampagnen durchzuführen, um das Bewusstsein für die Bedeutung des traditionellen politischen Engagements zu schärfen und die Jugendlichen zu ermutigen, sich zu beteiligen. Andererseits gilt es, alternative Möglichkeiten der politischen Teilhabe aufzuzeigen, die für junge Menschen attraktiv und zugänglich sind.


  • 6

    Die neun abgefragten politischen Aktivitäten sind: sich in Versammlungen an öffentlichen Diskussionen beteiligen; Mitarbeit in einer Bürgerinitiative; in einer Partei aktiv mitarbeiten; Teilnahme an einer nicht genehmigten Demonstration; Teilnahme an einer genehmigten Demonstration; Beteiligung an einer Unterschriftensammlung; aus politischen, ethischen oder Umweltgründen Waren boykottieren oder kaufen; sich an einer Online-Protestaktion beteiligen; etwas über Politik im Internet posten oder teilen (Deutsches Jugendinstitut, 2010; ESS, 2016; GESIS, 2008; Institute for Social Research and Analysis, 2004).