Die politische Teilhabe ist nicht die einzige Möglichkeit für junge Menschen, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Ein Beitrag zur Gesellschaft kann zudem durch soziales und politisches Engagement geleistet und gesellschaftliche Teilhabe auf diese Weise verwirklicht. Dieses Engagement kann sowohl informell im Alltag als auch formell in Vereinen und Organisationen stattfinden. Für die folgende Analyse wurde entschieden, sich auf das formale Engagement in Vereinen und Organisationen zu konzentrieren.
Das soziale und politische Engagement in Vereinen und Organisationen wurde anhand einer eigens für den YSL entwickelten Frage analysiert (Residori et al., 2025). Hierbei wurden die 16- bis 29-Jährigen gefragt, ob sie in ihrer Freizeit einem politischen oder sozialen Engagement, also einer Aktivität, bei der sie Menschen helfen oder für eine Sache eintreten, nachgehen. Es wurde hierbei nach Aktivitäten in Organisationen gefragt (Residori et al., 2025).
Abbildung 4.10 zeigt, in welchen Vereinen oder Organisationen sich junge Menschen für eine Sache oder andere Menschen engagieren. Ganz oben stehen hier die Sportvereine: Jeder Fünfte gibt an, sich in Sportvereinen zu engagieren. Jugendvereine, Musik- oder Kulturvereine, die Schule sowie Gesundheits- und soziale Hilfsorganisationen bilden das Mittelfeld im Ranking der Vereine und Organisationen, in denen sich Jugendliche betätigen. In Organisationen wie Parteien, Gewerkschaften, Jugendhäusern, Kirchen und Umwelt- oder Menschenrechtsbewegungen engagieren sich jeweils nur 2 bis 3 % der Jugendlichen. Zwischen 2019 und 2024 gab es keine signifikanten Unterschiede in den Vereinen oder Organisationen, in denen sich junge Menschen für eine Sache oder andere Menschen engagieren (siehe Tabellenband).
Das Engagement junger Menschen in Vereinen und Organisationen findet vorrangig in ihrem sozialen Nahraum statt. Zukünftig gilt es, Wege zu entwickeln, wie das daraus erwachsende Potenzial zur gesellschaftlichen Teilhabe – das sich aus dem zuvor beschriebenen Bewusstsein für gesellschaftliche Entwicklungen ableitet – auch in politischem Engagement und aktiver politischer Mitgestaltung Ausdruck finden kann.
Abbildung 4.11 veranschaulicht das Ausmaß des sozialen und politischen Engagements junger Menschen in Vereinen und Organisationen. Um die Verteilung zu analysieren, wurden die Antworten zusammengeführt und ausgewertet. Demnach engagieren sich rund 12 % der jungen Erwachsenen in zwei oder mehr Vereinen bzw. Organisationen und 29 % sind in einem Verein bzw. einer Organisation aktiv, während 59 % kein formales Engagement angeben. Zwischen 2019 und 2024 gab es nur geringe Unterschiede bei dem sozialen und politischen Engagement der jungen Menschen in Luxemburg. Für die weiblichen Befragten zeichnet sich ein leichter Rückgang des sozialen und politischen Engagements ab, während es für die männlichen Befragten keine Veränderung gab (siehe Tabellenband).
Für das soziale und politische Engagement zeigen sich Unterschiede nach Geschlecht, Alter und subjektivem sozioökonomischen Status (SES). Junge Erwachsene mit einem niedrigen SES und jüngere Altersgruppen engagieren sich tendenziell weniger oft formal in Vereinen und Organisationen. Im Gegensatz dazu engagieren sich junge Erwachsene mit einem hohen subjektiven SES und ältere Altersgruppen häufiger in zwei oder mehr Vereinen oder Organisationen. Zudem zeigt sich, dass männliche Befragte etwas häufiger einem formalen Engagement nachgehen als weibliche Befragte. Junge Menschen mit Migrationshintergrund engagieren sich tendenziell weniger oft formal in Vereinen und Organisationen (siehe Tabellenband).
Die in diesem Kapitel dargestellten Ergebnisse zum gesellschaftlichen Blick junger Menschen bilden ihr Engagement im sozialen Nahraum und ihr ausgeprägtes Bewusstsein für gesellschaftliche Entwicklungen ab. Gleichzeitig wird jedoch eine spürbare Distanz zur formellen Politik deutlich.
Die wachsenden Sorgen junger Menschen hinsichtlich gesellschaftlicher Veränderungen zeigen, dass sie diese aufmerksam verfolgen und ernst nehmen. Dennoch zeigt sich: Rund die Hälfte der Jugendlichen interessiert sich kaum für Politik und begegnen Politikern mit Skepsis. Im Vergleich zu 2019 ist das politische Interesse im Jahr 2024 gesunken. Zudem weiß etwa die Hälfte der jungen Menschen nicht, wie sie politisch Einfluss nehmen könnte, und zwei Drittel wünscht sich mehr Gehör in politischen Prozessen. Infolgedessen verlagert sich das Engagement junger Menschen häufig in den vertrauten sozialen Nahraum, während politische (und zivilgesellschaftliche) Beteiligung eher im Hintergrund bleibt. Insbesondere beim politischen und gesellschaftlichen Engagement werden Unterschiede zwischen jungen Menschen mit verschiedenem SES sichtbar.