4.3.2 Freizeitgestaltung

Ob Sport, Musik, Kunst oder digitale Medien – die Vielfalt der Freizeitgestaltung spiegelt die unterschiedlichen Lebensbereiche und Prioritäten der jungen Menschen wider. In ihrer Freizeit haben sie die Möglichkeit, eigenen Interessen nachzugehen, positive Emotionen zu erleben, Autonomie und Kompetenz zu erfahren, sich zu entspannen oder soziale Kontakte zu pflegen. Die Freizeitgestaltung ist deshalb eng mit der Sozialisation, der Persönlichkeitsentwicklung und der Identitätsbildung der Jugendlichen verknüpft und hat einen bedeutenden Einfluss auf ihr subjektives Wohlbefinden (Brajša-Žganec et al., 2011; Caldwell, 2005; Fegert et al., 2020).

In ihrer Freizeit können junge Menschen Aktivitäten nachgehen, die ihre Entwicklung in den vier zentralen Bereichen des Qualifizierens, Bindens, Konsumierens und Partizipierens fördern und ihnen verschiedenste Erfahrungsräume eröffnen (siehe Kapitel 2) (Quenzel & Hurrelmann, 2022). Dabei werden junge Menschen durch Gleichaltrige sozialisiert, mit denen sie ihre Freizeit verbringen, durch Personen, die Freizeitaktivitäten leiten sowie durch (digitale) Medien, die sie in ihrer Freizeit konsumieren (Harring et al., 2010; Hoffmann et al., 2017). Gleichzeitig bieten Freizeitaktivitäten jungen Menschen die Möglichkeit, sich stilistisch, medial und kulturell auszuleben und so ihre individuelle Identität zu konstruieren (Gebhardt, 2020). Ressourcenbedingte Einschränkungen bei der Freizeitgestaltung oder fehlender Zugang zu sinnvollen Freizeitaktivitäten können jedoch eine Belastung für junge Menschen darstellen, ihre Entwicklung einschränken und zu Ungleichheit führen (Eccles & Barber, 1999; Larson, 2000).

Um das Freizeitverhalten junger Menschen in Luxemburg zu erfassen, wurden die 12- bis 29-Jährigen gefragt, an wie vielen Tagen sie durchschnittlich während eines Monats verschiedenen Freizeitaktivitäten nachgehen (Albert et al., 2011; Schomaker et al., 2022; Sozio et al., 2020; Residori et al., 2025). Diese Frage nimmt die Art und Häufigkeit verschiedener Freizeitaktivitäten in den Blick und erlaubt dadurch einen Überblick über das Freizeitverhalten junger Menschen in Luxemburg.

Je nachdem, aus welcher theoretischen Perspektive und mit welchem Erkenntnisinteresse die Freizeitaktivitäten von jungen Menschen untersucht werden, werden verschiedene Kriterien genutzt, um ihr Freizeitverhalten zusammenzufassen und zu kategorisieren. So ist aus entwicklungspsychologischer Perspektive die Funktion (z. B. Errungenschaften, soziale Kontakte, Auszeit/Erholung) der Freizeitaktivitäten ausschlaggebend für deren Kategorisierung und Analyse (Passmore & French, 2001). Aus der Perspektive des Wohlbefindens ist die Art der Freizeitaktivität (z. B. [Massen-]Medien, soziale Aktivitäten, Outdooraktivitäten, Sportaktivitäten, kulturelle Aktivitäten und Hobbys) ausschlaggebend (Lloyd & Auld, 2002). Gleichzeitig ist die Differenzierung zwischen digitalen und analogen Freizeitaktivitäten zu beachten, auch wenn die Unterscheidung zwischen digital und nicht digital zunehmend an Bedeutung verliert (Jandrić & Knox, 2022; Vacchiano & Bolano, 2021). Diese verschiedenen Perspektiven werden kombiniert, um für die vorliegende Untersuchung folgende Unterteilung der Freizeitaktivitäten7 zu erstellen:

Medienbasierte Freizeitaktivitäten

Zu den am weitesten verbreiteten medienbasierten Freizeitaktivitäten junger Menschen zählen die Nutzung sozialer Medien, das Hören von Musik sowie das Surfen im Internet (vgl. Abbildung 4.17). Fast drei Viertel der jungen Menschen geben an, diesen Aktivitäten an 20 oder mehr Tagen in einem durchschnittlichen Monat nachzugehen. Im Vergleich dazu ist das Streamen von Serien und Filmen deutlich weniger verbreitet: Etwa 31 % geben an, Serien oder Filme an mindestens 20 Tagen im Monat zu streamen. Dennoch ist das Streaming inzwischen weiter verbreitet als das klassische Fernsehen (rund 24 %). Noch weniger verbreitet als das Streaming ist das Spielen am Computer oder an der Konsole: Lediglich 14 % tun dies an mindestens 20 Tagen im Monat, während 41 % angeben, nie zu spielen. Das Lesen von Zeitschriften ist mit rund 70 % junger Menschen, die dies nie tun, unter den medienbasierten Freizeitaktivitäten am wenigsten verbreitet.

Damit sind Freizeitaktivitäten in Verbindung mit digitalen Medien deutlich weiter verbreitet als Freizeitaktivitäten in Verbindung mit traditionellen Medien. Der zweite Teil dieses Jugendberichtes geht im Detail auf die Rolle digitaler Medien im Leben junger Menschen ein. So werden in Kapitel 5 und 6 die Nutzung, die Kompetenzen sowie die Risiken und Chancen digitaler Medien für junge Menschen beleuchtet. Die Themen soziale Medien und Gaming werden insbesondere in den Kapiteln 5 und 7 vertiefend untersucht.

Es zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede in der Auswahl und Häufigkeit medienbezogener Aktivitäten: Während männliche Befragte häufiger am Computer oder an der Konsole spielen und auch häufiger Zeitschriften lesen, nutzen weibliche Befragte häufiger soziale Medien, hören häufiger Musik und streamen häufiger Serien oder Filme (siehe Tabellenband).

Auch im Altersverlauf lassen sich deutliche Unterschiede beobachten: Die Altersgruppe der 12- bis 15-Jährigen nutzt die Mehrheit der medienbasierten Freizeitaktivitäten (fünf von sieben untersuchten Aktivitäten) weniger häufig als ältere Altersgruppen. Die Nutzungshäufigkeit dieser medienbasierten Freizeitangebote nimmt mit zunehmendem Alter zu und erreicht – je nach Aktivität – bei den 16- bis 20-Jährigen oder den 21- bis 25-Jährigen ihren Höchstwert. Eine gegenläufige Tendenz zeigt sich jedoch beim Fernsehen und beim Spielen am Computer oder an der Konsole: Beide Aktivitäten sind unter den 12- bis 15-Jährigen am weitesten verbreitet und ihre Häufigkeit nimmt mit dem Alter ab (siehe Tabellenband).

Bei der Häufigkeit medienbasierter Freizeitaktivitäten wurden keine Unterschiede in Bezug auf den sozioökonomischen Status beobachtet, jedoch zeigten sich klare Differenzen hinsichtlich des Migrationshintergrunds. So geben junge Menschen ohne Migrationshintergrund häufiger an, im Internet zu surfen oder fernzusehen als junge Menschen mit Migrationshintergrund. Personen, die selbst eingewandert sind, berichten weniger häufig von Aktivitäten wie dem Spielen an der Konsole oder am Computer, dem Fernsehen, dem Streamen von Serien oder Filmen sowie dem Surfen im Internet. Diese Befunde stehen vermutlich in engem Zusammenhang mit dem in Kapitel 5 beschriebenen eingeschränkten Zugang zu digitalen Geräten: Junge Menschen mit Migrationshintergrund verfügen seltener über Laptops, Spielkonsolen, Desktop-PCs und E-Reader zur alleinigen Nutzung. Dies schränkt ihren Zugang zu medienbasierten Freizeitaktivitäten strukturell ein.

Zwischen 2019 und 2024 zeichnet sich eine Abnahme der Häufigkeit von Freizeitaktivitäten ab, die mit traditionellen Medien in Verbindung stehen. Sowohl das Fernsehen als auch das Lesen von Zeitschriften sind im Jahr 2024 unter jungen Menschen in Luxemburg weniger weit verbreitet als im Jahr 2019 (vgl. Abbildung 4.18 und Tabellenband). Im Gegensatz dazu hat die Häufigkeit des Spielens am Computer oder an der Konsole unter jungen Menschen in Luxemburg zugenommen (vgl. Abbildung 4.19). Der Anteil der jungen Menschen, die an sechs bis 19 Tagen im Monat spielen, ist von rund 15 % im Jahr 2019 auf 20 % im Jahr 2024 gestiegen, während der Anteil derjenigen, die angeben, nie zu spielen, von etwa der Hälfte im Jahr 2019 auf rund 46 % im Jahr 2024 gesunken ist.

Im letzten Bericht zur Situation der Jugend in Luxemburg wurde festgestellt, dass es während der COVID-19-Pandemie zu einer deutlichen Zunahme der Häufigkeit aller medienbasierten Freizeitaktivitäten junger Menschen in Luxemburg gekommen ist (Heinen, Schobel, Residori, Schulze & Samuel, 2021). Die vorliegenden Ergebnisse zeigen jedoch, dass diese deutliche Zunahme nach der COVID-19-Pandemie nicht angehalten hat (siehe Tabellenband).

Auszeiten und Sport

Unter dem Titel „Auszeiten und Sport“ werden in diesem Kapitel Freizeitaktivitäten zusammengefasst, die unterschiedlich geprägt sind und im Leben der jungen Menschen verschiedene Funktionen in unterschiedlichem Ausmaß erfüllen (Passmore und French, 2001).

Die bevorzugte Form der Erholung unter jungen Menschen ist das sogenannte „Chillen“ (vgl. Abbildung 4.20). Zwei von fünf jungen Menschen geben an, dass sie mindestens an 20 Tagen in einem durchschnittlichen Monat chillen. Im Vergleich dazu stellt das Spazierengehen eine weniger häufige, jedoch regelmäßig ausgeübte Freizeitaktivität dar: Etwa 60 % der Jugendlichen gehen an 3 bis 19 Tagen pro Monat spazieren. Das Lesen von Büchern in der Freizeit ist dagegen weniger verbreitet: Ein Viertel der jungen Menschen liest nie Bücher. Hinsichtlich der sportlichen Aktivität zeigen die Ergebnisse in gegensätzliche Richtungen: Während 16,5 % der jungen Menschen an mindestens 20 Tagen im Monat intensiv Sport treiben, geben 17,9 % an, niemals intensiv Sport zu treiben. Noch geringer ausgeprägt ist die Beschäftigung mit kreativen Hobbys wie Basteln, Malen oder handwerklichen Tätigkeiten. Lediglich die Hälfte der jungen Menschen widmet sich mindestens einmal im Monat solchen kreativen Tätigkeiten. Innerhalb der Auszeit-Aktivitäten wird das aktive Musizieren am seltensten genannt; dennoch berichtet rund ein Viertel der jungen Menschen, mindestens einmal im Monat Musik zu machen. Zwischen den Jahren 2019 und 2024 wurden bei den Freizeitaktivitäten, die hier unter dem Titel „Auszeiten und Sport“ zusammengefasst wurden, keine relevanten Veränderungen beobachtet (siehe Tabellenband).

Es zeigen sich jedoch deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede: Während männliche Befragte häufiger angeben, in ihrer Freizeit intensiv Sport zu treiben, beschäftigen sich weibliche Jugendliche häufiger mit kreativen Aktivitäten wie Basteln, Malen oder Gestalten. Weibliche Befragte berichten zudem etwas häufiger als männliche Befragte, spazieren zu gehen, Zeit in der Natur zu verbringen oder Bücher zu lesen (siehe Tabellenband).

Auch altersabhängig verändert sich das Freizeitverhalten deutlich: Junge Erwachsene berichten tendenziell seltener, zu chillen, intensiv Sport zu treiben, Bücher zu lesen oder Musik zu machen. Demgegenüber nimmt die Häufigkeit von Spaziergängen und dem Aufenthalt in der Natur mit zunehmendem Alter zu (siehe Tabellenband).

Darüber hinaus bestehen Unterschiede in der Freizeitgestaltung hinsichtlich des sozioökonomischen Status sowie des Migrationshintergrundes. Junge Menschen mit höherem SES geben an, häufiger zu chillen, Sport zu treiben und Bücher zu lesen als junge Menschen mit niedrigerem SES (siehe Tabellenband).

Soziale Freizeitaktivitäten

Bei den Freizeitaktivitäten, die hier in der Kategorie „Soziale Freizeitaktivitäten“ zusammengefasst werden, stehen der persönliche Kontakt mit anderen Personen und der soziale Austausch im Vordergrund (Lloyd & Auld, 2002). Es sollte jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass junge Menschen darüber hinaus ihre sozialen Kontakte bei vielen weiteren Freizeitaktivitäten pflegen. So treffen sie beispielsweise Menschen, während sie Sport treiben, oder tauschen sich über soziale Medien aus.

Das Treffen von Freunden ist die häufigste soziale Freizeitaktivität junger Menschen (vgl. Abbildung 4.21). Die meisten tun dies regelmäßig, jedoch nicht sehr oft. Lediglich rund 13 % der jungen Menschen treffen ihre Freunde in ihrer Freizeit an mindestens 20 Tagen im Monat, während mehr als ein Viertel dies an zwei oder weniger Tagen im Monat tut. Bei dem traditionellen „Ausgehen“ besuchen junge Menschen häufiger Gastwirtschaften als Discos oder Partys. Rund 13 % besuchen häufiger als fünf Tage im Monat und damit im Schnitt mehr als einmal pro Woche eine Gastwirtschaft. Für den Besuch von Discos und Partys liegt dieser Anteil bei rund 6 %. Mehr als die Hälfte der jungen Menschen besucht nie Gastwirtschaften, Discos oder Partys. Der Besuch eines Jugendclubs oder Jugendhauses gehört für jeweils rund 9 % der jungen Menschen zur Freizeitgestaltung.

Zwischen den Geschlechtern zeigen sich Unterschiede in der Häufigkeit, mit der Freunde getroffen und Jugendhäuser besucht werden: Beides tun männliche Befragte etwas häufiger als weibliche Befragte. Beim Besuch von Gastwirtschaften, Discos oder Partys werden hingegen keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern festgestellt (siehe Tabellenband).

Auch hinsichtlich des sozioökonomischen Status sowie des Migrationshintergrunds bestehen Unterschiede in der Freizeitgestaltung. Junge Menschen mit niedrigem SES treffen weniger häufig als junge Menschen mit höherem SES ihre Freunde und besuchen weniger häufig Gastwirtschaften, Discos und Partys. Junge Menschen ohne Migrationshintergrund treffen ihre Freunde etwas häufiger als jene mit Migrationshintergrund (siehe Tabellenband).

Die deutlichsten Unterschiede bestehen bei den sozialen Freizeitaktivitäten nach dem Alter der jungen Menschen. Gastwirtschafts-, Disco- und Partybesuche sind bei 12- bis 15-Jährigen am wenigsten verbreitet und nehmen bis zum Alter von 25 Jahren deutlich zu. Neben anderen Faktoren wird dies durch die gesetzlichen Bestimmungen in Luxemburg beeinflusst, die Minderjährigen unter 16 Jahren den Besuch einer Gastwirtschaft oder Disco nur in Begleitung einer erwachsenen Person erlauben. Gastwirtschaftsbesuche sind bei 26- bis 29-Jährigen ähnlich beliebt wie bei 21- bis 25-Jährigen. Besuche von Discos und Partys sind bei der ältesten Altersgruppe jedoch weniger verbreitet als bei 21- bis 25-Jährigen. Im Gegensatz dazu nimmt die Häufigkeit, mit der junge Menschen ihre Freunde treffen und Jugendclubs oder -häuser besuchen, mit steigendem Alter stetig ab (siehe Tabellenband).

Während der COVID-19-Pandemie kam es bei jungen Menschen in Luxemburg zu einer deutlichen Abnahme der Häufigkeit sozialer Freizeitaktivitäten (Heinen et al., 2021). Auch im Zeitraum von 2019 bis 2024 ist ein Rückgang dieser Aktivitäten zu beobachten (vgl. Abbildungen 4.22 und 4.23 sowie Tabellenband). Sowohl die Häufigkeit, mit der junge Menschen Freunde treffen, als auch die Besuche von Gaststätten, Diskotheken und Partys haben zwischen 2019 und 2024 abgenommen. Der Anteil junger Menschen, die an weniger als sechs Tagen pro Monat Freunde treffen, stieg von rund 42 % im Jahr 2019 auf über die Hälfte im Jahr 2024. Auch der Anteil derjenigen, die nie Gaststätten, Discos oder Partys besuchen, ist im selben Zeitraum gestiegen. Insgesamt bleibt somit die Häufigkeit sozialer Freizeitaktivitäten nach der COVID-19-Pandemie dauerhaft niedriger als vor der Pandemie.


  • 7

    Neben den hier aufgelisteten Charakteristiken haben Aspekte wie die Einstellung zur Freizeitgestaltung, das Wissen darüber, die individuellen und strukturellen Ressourcen, die zur Freizeitgestaltung zur Verfügung stehen, die Umwelt während der Freizeit sowie die Zufriedenheit mit der Freizeitgestaltung ebenfalls einen Einfluss auf die Wahrnehmung und die Auswirkungen der Freizeitaktivitäten (Lloyd und Auld, 2002). Eine empirische Darstellung dieser Aspekte würde jedoch den Rahmen dieses Berichts sprengen. Darüber hinaus ist anzumerken, dass sich Freizeitaktivitäten nur selten eindeutig und exklusiv einer Funktion oder Art zu zuordnen lassen.