Junge Menschen durchleben in der Jugendphase viele körperliche und psychische Veränderungen und müssen psychische, körperliche und soziale Entwicklungsaufgaben bewältigen (Quenzel, 2015). Ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden beeinflussen maßgeblich den Umgang der jungen Menschen mit diesen Entwicklungsaufgaben und ihre Chancen für eine erfolgreiche Bewältigung. Junge Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen stehen dabei vor zusätzlichen Herausforderungen (Weber et al., 2007). Während frühere Betrachtungen unter Gesundheit lediglich die Abwesenheit von physischen Krankheiten verstanden, werden Gesundheit und Wohlbefinden gegenwärtig als positive und mehrdimensionale Konstrukte definiert, die physische, psychische und soziale Facetten beinhalten (siehe z. B. Hurrelmann, 2003).
Die Gesundheit und das Wohlbefinden von jungen Menschen werden von vielen Faktoren beeinflusst: Studien zeigen auf, dass gesellschaftliche strukturelle Faktoren sowohl direkt als auch indirekt die individuelle Gesundheit und das individuelle Wohlbefinden beeinflussen (Heinen et al., 2022). Neben diesen strukturellen Faktoren beeinflusst das Handeln der jungen Menschen ebenfalls ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden. Am Wohlbefinden orientiertes Handeln umfasst sämtliche Verhaltensweisen, die zur Herstellung, Erhaltung und Förderung des Wohlbefindens beitragen (Schumacher et al, 2021). Zur Steigerung des Wohlbefindens nutzen Jugendliche unterschiedliche Strategien. Ein Teil dieser Handlungen können vorübergehend Wohlbefinden herbeiführen (u. a. Rauchen, Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung), aber die Gesundheit mittel- und langfristig beeinträchtigen.
Unter gesundheitsrelevantem Handeln werden daher alle Verhaltensweisen verstanden, die einen positiven oder negativen Einfluss auf die Gesundheit ausüben; dabei sind wohlbefindenorientiertes und gesundheitsrelevantes Handeln ebenso miteinander verflochten wie Wohlbefinden und Gesundheit (Röhrle, 2023; Heinen et al, 2022). Im Folgenden werden das affektive und kognitive Wohlbefinden, die individuelle Einschätzung des Gesundheitszustandes und die psychischen und somatischen Beschwerden junger Menschen beschrieben. Des Weiteren wird der Konsum von Alkohol, Nikotin und Cannabis als Beispiel eines zwar oft wohlbefindenorientierten, aber gesundheitsrelevanten Risikoverhaltens beschrieben.