4.4.2 Gesundheitszustand und Beschwerden

Zusätzlich zu dem Wohlbefinden junger Menschen in Luxemburg wird dargestellt, wie die jungen Menschen ihren allgemeinen Gesundheitszustand einschätzen und unter welchen psychosomatischen Beschwerden sie leiden.

Subjektiver Gesundheitszustand

Der Gesundheitszustand junger Menschen kann darauf Einfluss nehmen, wie sie Entwicklungsaufgaben bewältigen; somit können gesundheitliche Beeinträchtigungen für die Betroffenen zusätzliche Herausforderungen darstellen (Quenzel, 2015) Weber et al., 2007). Junge Menschen sind im Vergleich zu höheren Altersgruppen weniger häufig von gesundheitlichen Problemen betroffen und bewerten ihren Gesundheitszustand positiver. Studien zeigen jedoch, dass der subjektiv bewertete Gesundheitszustand auch bei jungen Menschen den objektiv messbaren Gesundheitszustand gut widerspiegelt (RKI, 2008).

Zur Erhebung des subjektiven Gesundheitszustandes wurden die jungen Menschen gefragt, ob sie ihren Gesundheitszustand als „sehr gut“, „gut“, „mittelmäßig“, „schlecht“ oder „sehr schlecht“ beschreiben würden.

Etwa ein Drittel der jungen Menschen in Luxemburg bewertet den eigenen allgemeinen Gesundheitszustand als „sehr gut“ (vgl. Abbildung 4.28). Weibliche Befragte geben deutlich seltener an, bei sehr guter Gesundheit zu sein als männliche Befragte. Auch altersabhängig zeigen sich klare Differenzen: Mit steigendem Alter nimmt der Anteil derjenigen, die ihre Gesundheit als sehr gut einschätzen, kontinuierlich ab. Während etwa die Hälfte der 12- bis 16-Jährigen angibt, sich bei sehr guter Gesundheit zu befinden, sinkt dieser Wert bei den 16- bis 25-Jährigen auf rund ein Drittel und bei den 26- bis 29-Jährigen weiter auf rund 27 %.

Der subjektive sozioökonomische Status hat ebenfalls einen starken Einfluss auf die subjektive Bewertung des Gesundheitszustands, die mit steigendem subjektivem SES deutlich positiver ausfällt. Personen mit niedrigem SES bewerten mit rund 23 % ihren Gesundheitszustand seltener als sehr gut als Personen mit mittlerem SES (37 %) und Personen mit hohem SES (55 %). Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass der sozioökonomische Status eine zentrale Rolle bei der subjektiven Bewertung des eigenen Gesundheitszustands einnimmt und junge Menschen aus sozial benachteiligten Verhältnissen gesundheitlich schlechter gestellt sind.

Wie Abbildung 4.29 verdeutlicht, hat der Anteil der jungen Menschen, die ihren subjektiven Gesundheitszustand mit sehr gut bewerten, von 2019 bis 2024 abgenommen. Von dieser Verschlechterung des subjektiven Gesundheitszustandes sind Frauen und 16- bis 20-Jährige besonders stark betroffen.

Psychosomatische Beschwerden

Der allgemeine Gesundheitszustand ist im Jugendalter weniger häufig als in anderen Lebensphasen durch schwere Krankheiten beeinflusst. Nichtsdestotrotz schränken auch im Jugendalter gesundheitliche Beschwerden den Alltag und die Entwicklung ein. Daher werden im Folgenden die Gesundheitsbeschwerden junger Menschen in Luxemburg anhand der psychosomatischen Symptome, unter denen sie leiden, beschrieben. Insbesondere die COVID-19-Pandemie hat zu einem Anstieg der Aufmerksamkeit für die psychische Gesundheit von jungen Menschen geführt (Benton et al., 2021).

Um die psychosomatischen Symptome der Jugendlichen zu erheben, wurden auf die HBSC Symptom Checklist (HBSC-SCL) zurückgegriffen. Durch ihren Einsatz kann eruiert werden, wie häufig die Befragten in den vergangenen sechs Monaten von acht spezifischen Gesundheitsbeschwerden betroffen waren, wobei ein Teil der Beschwerden die somatische Gesundheit (Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen und Schwindel) und ein Teil die psychische Gesundheit (Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit, Nervosität und Einschlafschwierigkeiten) betrifft. Ein besonderes Augenmerk wird auf die jungen Menschen gerichtet, die unter multiplen psychosomatischen Beschwerden leiden. Unter multiplen Beschwerden versteht man mindestens zwei Beschwerden, die jeweils mehrmals pro Woche auftreten.

Etwa ein Drittel der jungen Menschen in Luxemburg berichtet, unter mindestens zwei psychosomatischen Beschwerden zu leiden, die alle mehrmals pro Woche auftreten (vgl. Abbildung 4.30). Die Prävalenz solcher multiplen Beschwerden variiert dabei deutlich in Abhängigkeit von Geschlecht, Alter und sozioökonomischem Status (SES).

Besonders ausgeprägt ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Während rund 46 % der weiblichen Befragten angeben, regelmäßig von mehreren gesundheitlichen Beschwerden betroffen zu sein, sind es bei den männlichen Befragten lediglich 27 %. Auch im Altersverlauf zeigen sich Differenzen: Junge Erwachsene im Alter von 16 bis 20 Jahren berichten häufiger von multiplen psychosomatischen Beschwerden als 12- bis 15-Jährige.

Ein ähnlich starker Einfluss wie das Geschlecht geht vom sozioökonomischen Status aus. Mit steigendem subjektivem SES sinkt die Häufigkeit multipler psychosomatischer Beschwerden deutlich: Während fast die Hälfte der jungen Menschen mit niedrigem SES angibt, unter mehreren gesundheitlichen Beschwerden zu leiden, sind es bei den jungen Menschen mit hohem SES lediglich 30 %.

Betrachtet man die Prävalenz von somatischen und psychischen multiplen Beschwerden getrennt (wie in Abbildung 4.31 dargestellt), wird ersichtlich, dass multiple psychische Beschwerden deutlich häufiger auftreten als multiple somatische Beschwerden. Während etwa 28 % der jungen Menschen in Luxemburg an multiplen psychischen Beschwerden leiden, liegt die Prävalenz für multiple somatische Beschwerden bei rund 10 %. Die Unterschiede nach Geschlecht, Alter und SES sind jedoch für beide Formen von multiplen Beschwerden ähnlich.

Während sich die Prävalenz von multiplen somatischen Beschwerden seit 2019 nicht verändert hat, ist die Prävalenz von multiplen psychischen Beschwerden von rund 23 % im Jahr 2019 auf 30 % im Jahr 2024 gestiegen (vgl. Abbildung 4.32). Dies wird ebenfalls international beobachtet (Bevilacqua et al., 2023). Weibliche Befragte haben mit einer Erhöhung der Häufigkeit von multiplen psychischen Beschwerden von etwa 28 % im Jahr 2019 auf 36 % im Jahr 2024 eine stärkere Verschlechterung der psychischen Gesundheit erlebt als männliche Befragte (von etwa 17 % auf 23 %). Auch Personen mit mittlerem SES haben einen stärkeren Anstieg erlebt als Personen mit niedrigem oder hohem SES.