Nachdem im vorangegangenen Abschnitt der physische Zugang zu digitalen Geräten und dem Internet beleuchtet wurde, ein Aspekt, der häufig als First-Level Digital Divide bezeichnet wird, wendet sich dieses Unterkapitel nun der nächsten entscheidenden Ebene zu. Denn wie die Forschung zeigt, reicht der Zugang zu Technologien allein nicht aus, um digitale Teilhabe zu gewährleisten. Vielmehr treten Unterschiede in den Fähigkeiten und der tatsächlichen Nutzung in den Vordergrund, die als Second-Level Digital Divide diskutiert werden (van Dijk, 2020). Auch wenn der Zugang für junge Menschen in Luxemburg in vielen Fällen gegeben ist, sind es gerade die digitalen Kompetenzen, die maßgeblich darüber entscheiden, ob und wie junge Menschen die Chancen der digitalen Welt nutzen und deren Herausforderungen bewältigen können.
Die digitalen Kompetenzen der jungen Menschen stehen im Mittelpunkt dieses Unterkapitels. Oftmals wird in der öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte von einer homogenen Verteilung der digitalen Kompetenzen innerhalb der jungen Generation ausgegangen. Dies führt zur verbreiteten Annahme, dass alle jungen Menschen als sogenannte „Digital Natives“5 gleichermaßen versiert im Umgang mit digitalen Technologien sind. Diese Annahme kann jedoch bestehende soziale Unterschiede verdecken (Calderón Gómez, 2019).
In diesem Unterkapitel wird daher ein differenzierter Blick auf die digitalen Fähigkeiten der jungen Menschen geworfen, um festzustellen, in welchen Bereichen Unterschiede und Ungleichheiten bestehen und welche Faktoren diese beeinflussen. Digitale Kompetenzen sind wesentlich für die Teilhabe an der modernen Wirtschaft und Gesellschaft. Der Zugang zu diesen Kompetenzen bestimmt maßgeblich, inwieweit junge Menschen in der Lage sind, technologische Chancen zu nutzen und Herausforderungen zu bewältigen. Es wird beleuchtet, welche spezifischen digitalen Kompetenzen existieren, wie verbreitet sie unter den jungen Menschen in Luxemburg sind und wie verschiedene soziale Gruppen in ihren Kompetenzen und ihrem Umgang mit der digitalen Welt voneinander abweichen.
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Der Begriff „Digital Natives“ bezeichnet ursprünglich jene Kohorten, die ab etwa 1980 geboren wurden und von früh an mit digitalen Technologien aufgewachsen sind (Prensky, 2001). Diese Zuschreibung trifft im weiteren Sinne auf die heutige Generation der 12- bis 29-Jährigen zu, auch wenn innerhalb dieser Altersgruppe erhebliche Unterschiede in Bezug auf Sozialisationsbedingungen bestehen. Während die älteren Jahrgänge (geb. ca. 1995–2005) noch in eine digital werdende Welt hineingewachsen sind, gilt die jüngere Kohorte (ab ca. 2010) als Teil der sogenannten „Generation Alpha“, die vollständig in einer durchdigitalisierten, vernetzten und zunehmend KI-durchdrungenen Umwelt sozialisiert wird (Dimock (2019). In medienpädagogischen und bildungstheoretischen Debatten wird deshalb zunehmend von Post-Digital Natives oder AI Natives gesprochen, um auf die veränderte Qualität digitaler Sozialisation hinzuweisen – geprägt durch algorithmisch strukturierte Plattformlogiken, generative künstliche Intelligenz und allgegenwärtige Datenökosysteme (Das [2012]; Mertala et al. [2024]; Zaremohzzabieh et al. [2024]).