Die in Abbildung 5.4 dargestellten Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich das digitale Nutzungsverhalten junger Menschen in Luxemburg entlang zweier Nutzungspole ordnet: Auf der einen Seite stehen hochfrequent genutzte Unterhaltungs- und Kommunikationsangebote, auf der anderen Seite finden sich deutlich seltener praktizierte partizipative Formate.
Video- und Musik-Streaming wird von nahezu allen Befragten mindestens wöchentlich genutzt; rund 85 % greifen sogar täglich oder mehrmals täglich auf entsprechende Angebote zurück. Damit bestätigt sich der Befund internationaler Studien, wonach audiovisuelle Streamingdienste zum „ständigen Begleiter“ insbesondere der 12- bis 20-Jährigen geworden sind (Shmael et al., 2020). Diese Angebote erfüllen zugleich emotionale, soziale und hedonistische Bedürfnisse und sind niedrigschwellig zugänglich. Diese Ergebnisse sind konsistent mit den Ergebnissen der EU-Kids-Online-Studie sowie mit Zahlen aus Großbritannien (Ofcom, 2023; Shmael et al., 2020).
Auch soziale Netzwerke und digitale Kommunikation nehmen eine zentrale Rolle im digitalen Alltag ein. Etwa 61 % der Jugendlichen nutzen Kommunikationsplattformen mindestens täglich, nahezu alle zumindest wöchentlich. Auffällig ist, dass vor allem ältere Jugendliche (21- bis 29-Jährige) sowie junge Menschen mit Migrationshintergrund besonders häufig digitale Kommunikation und Online-Recherche betreiben. Dies unterstreicht die soziale Verflechtungsfunktion digitaler Medien, wie sie in Abschnitt 5.3 vertieft diskutiert wird. Es liegt nahe, dass insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund der ersten Generation digitale Plattformen nutzen, um transnational mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben. Studien zeigen, dass diese Gruppen soziale Medien gezielt nutzen, um emotionale Nähe trotz geographischer Distanz aufrechtzuerhalten (Alam & Imran, 2015; Madianou & Miller, 2013; Nedelcu & Soysüren, 2022).
Die Informationssuche zu Themen wie Ausbildung, Arbeit, Gesundheit oder aktuellen Nachrichten gehört für rund zwei Drittel (64 %) der Jugendlichen zur wöchentlichen Nutzungspraxis. Deutlich seltener hingegen wird das Internet für Online-Einkäufe genutzt: 63 % der Befragten geben an, dies (fast) nie zu tun. Auch hier zeigen sich Unterschiede entlang von Altersgruppe und Migrationshintergrund: Junge Erwachsene (21- bis 29-Jährige) sowie junge Menschen mit Migrationshintergrund recherchieren nicht nur häufiger, sondern tätigen auch deutlich mehr Online-Käufe. Dies ist vermutlich auf gesteigerte Alltagsanforderungen (z. B. Berufseinstieg, Studienorientierung) sowie auf digitale Kompetenzzuwächse zurückzuführen (Hargittai & Dobransky, 2017).
Gerade bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund können mehrere Faktoren kumulieren, die eine instrumentelle Internetnutzung fördern. Digitale Plattformen fungieren in vielen Fällen als transnationale Informations- und Dienstleistungsinfrastruktur (Nedelcu, 2012). Sprach- und kulturbezogene Hürden im Offline-Bereich können dazu führen, dass Menschen sich online informieren oder einkaufen, da der Zugang hier erleichtert ist (Alam & Imran, 2015; Bradley et al., 2020; Bradley et al., 2017). Zudem übernehmen viele junge Menschen mit Migrationshintergrund früh Verantwortung für familiäre Übersetzungstätigkeiten oder digitale Formalitäten, was zu einer Beschleunigung des Aufbaus ihres Kompetenzprofils und ihrer Selbstwirksamkeit im Netz führen kann (Hargittai & Dobransky, 2017; Nedelcu & Soysüren, 2022).
Digitale Spiele werden sehr unterschiedlich genutzt: Während mehr als die Hälfte der Jugendlichen (55 %) angibt, nie oder fast nie zu spielen, ist rund ein Drittel (28 %) täglich oder mehrmals pro Woche aktiv. Immerhin rund 18 % spielen mindestens einmal wöchentlich. Die bloße Nutzungsfrequenz erlaubt allerdings keine Rückschlüsse auf die Qualität oder Problematisierung des Spielverhaltens. Um zwischen unproblematischem Freizeitverhalten und exzessivem bzw. dysfunktionalem Gaming zu differenzieren, sei auf die Ausführungen in Abschnitt 5.3.2 verwiesen.
Besonders deutlich zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede: Online-Gaming ist nach wie vor deutlich stärker unter männlichen Jugendlichen und in der Altersgruppe der 12- bis 20-Jährigen verbreitet – ein Befund, der mit anderen Studien übereinstimmt, die insbesondere männliche Nutzer für kompetitive Mehrspielerformate identifizieren. Weibliche Jugendliche spielen Online-Games hingegen deutlich seltener oder bevorzugen Gaming vor Ort in Gesellschaft sowie sozial eingebettete, narrative Spieltypen. Dies kann auf unterschiedliche Motivlagen und kulturelle Zuschreibungen verweisen (Lenhart, 2015).
Die Erstellung eigener Inhalte sowie die politische Beteiligung im Netz bleiben marginal. Rund 86 % der Befragten geben an, (fast) nie eigene Online-Inhalte zu produzieren; ein ähnlich hoher Anteil beteiligt sich nicht an digitalen Petitionen, Kampagnen oder Diskussionen. Damit bestätigt sich ein Trend, der bereits in früheren europäischen Studien beobachtet wurde (Külling-Knecht et al., 2024; Shmael et al., 2020). Bemerkenswert ist, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich häufig eigene Inhalte erstellen und sich online politisch beteiligen. Dieses Ergebnis lässt sich durch die Nutzung digitaler Öffentlichkeiten zur Sichtbarmachung kultureller Zugehörigkeit und transnationaler Erfahrungen erklären (Nedelcu, 2012; Rzadtki, 2022). Soziale Medien bieten zugleich niedrigschwellige Ausdrucks- und Beteiligungsformate, die insbesondere von Jugendlichen genutzt werden, die in klassischen Repräsentationsräumen unterrepräsentiert sind (Hargittai & Walejko, 2008; Jenkins et al., 2015).
Abschließend wird die Suche nach sexuellen Inhalten im Internet thematisiert. Der Anteil der Jugendlichen, die angeben, täglich oder häufiger nach sexuellen Inhalten zu suchen, liegt bei etwa 9 % (vgl. Abbildung 5.5). Weitere 14 % der Jugendlichen geben an, mindestens einmal pro Woche nach sexuellen Inhalten zu suchen, während 78 % dies nie oder selten tun. Unterschiede lassen sich bei den Altersgruppen feststellen. So geben die 16- bis 20-Jährigen häufiger an, sexuelle Inhalte im Internet zu suchen, als die 12- bis 15-Jährigen. Bei der jüngsten Altersgruppe gaben etwa 8 % an, mindestens einmal pro Woche sexuelle Inhalte zu suchen, während es bei den älteren Altersgruppen etwa 25 % sind. Es ist zu beachten, dass bei diesem sensiblen Thema Effekte sozialer Erwünschtheit und Scham eine Rolle spielen können, so dass insbesondere bei jüngeren Jugendlichen eine tendenzielle Dunkelziffer nicht ausgeschlossen werden kann (Tourangeau & Yan, 2007).
Auch zwischen den Geschlechtern lassen sich große Unterschiede beobachten. Männliche Jugendliche suchen demnach deutlich häufiger täglich oder häufiger im Internet nach sexuellen Inhalten als weibliche Jugendliche, wobei 63 % der männlichen Jugendlichen angeben, nie oder nur selten nach entsprechenden Inhalten zu suchen, während es bei den weiblichen Jugendlichen knapp 93 % sind. Hinsichtlich des sozioökonomischen Status und des Migrationshintergrundes zeigen sich hingegen keine Unterschiede.
Die internationale Befundlage zeigt deutlich, dass Geschlecht und Alter als wesentliche, länderübergreifende Prädiktoren für das gezielte Aufsuchen pornografischer Inhalte fungieren (Beyens et al., 2015; Flood, 2007). Die in Luxemburg beobachteten Differenzen stellen demnach kein isoliertes Phänomen dar, sondern fügen sich in ein international konsistentes Muster des gezielten Aufsuchens sexueller Inhalte unter Jugendlichen ein (Peter & Valkenburg, 2016).
Im digitalen Zeitalter ist der Konsum von Pornografie zu einem Massenphänomen geworden, da pornografische Inhalte allgegenwärtig und häufig kostenlos verfügbar sind, und somit auch Kinder und Jugendliche vermehrt damit in Berührung kommen. Trotz der in Luxemburg geltenden Jugendschutzbestimmungen (Code pénal, Art. 383 ff.) belegen empirische Befunde (BEE SECURE, 2023b), dass ein erheblicher Teil der Jugendlichen weiterhin solchen Inhalten ausgesetzt ist.
Wie sich dieser Konsum auf sexuelle Normen, Körperwahrnehmung und Beziehungsverständnis auswirken kann, wird in der Forschung unterschiedlich akzentuiert diskutiert (Döring, 2009; Peter & Valkenburg, 2016). Wie sich dieser Konsum auf sexuelle Normen, Körperwahrnehmung und Beziehungsverständnis auswirken kann, wird in der Forschung unterschiedlich akzentuiert diskutiert (Döring, 2009; Peter & Valkenburg, 2016). Einerseits wird befürchtet, dass eine frühe und unreflektierte Rezeption von Pornografie zu verzerrten Vorstellungen von Sexualität führen kann, andererseits wird zugleich die Bedeutung einer fundierten Sexualaufklärung und der Vermittlung digitaler Kompetenzen betont, um einen bewussten Umgang mit solchen Inhalten zu fördern.
Dies unterstreicht die dringende Notwendigkeit einer umfassenden Sexual- und Medienerziehung sowie effektiver elterlicher Kontrollmechanismen, um einen verantwortungsvollen Umgang mit pornografischen Inhalten zu fördern (Badura et al., 2024; Children’s Commissioner, 2023; Wilson, 2014).