7.3.4 Einordnung der Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass Digitalität in der non-formalen Bildung ein integraler Bestandteil alltäglicher Lern- und Lebensvollzüge ist. In den analysierten Beispielen wird deutlich, wie analoge und digitale Praktiken ineinandergreifen und sich gegenseitig beeinflussen. Diese Verschränkung lässt sich als Ausdruck einer postdigitalen Realität verstehen, ein Konzept, das im Anschluss an Jandrić (2018) sowie Brüggen und Rösch (2025) eine Neubestimmung der Beziehung zwischen analogen und digitalen Bildungsformen vorschlägt. In diesem Sinne eröffnet sich eine postdigitale Jugendarbeit, die hybride Bildungssettings nicht als Ausnahme, sondern als Normalform versteht und aktiv gestaltet. Digitalität strukturiert hierbei grundlegende Bereiche der non-formalen Bildung, etwa durch die Nutzung von Messenger-Diensten, Webseiten oder digitalen Kalendern zur Koordination und Organisation. Gleichzeitig fließen digitale Medien in pädagogische Angebote ein: Apps, Videos oder interaktive Plattformen werden eingesetzt, um analoge Aktivitäten zu erweitern, neue Lernzugänge zu schaffen oder kreative Ausdrucksformen zu ermöglichen. Die Auseinandersetzung mit digitalen Medien fördert dabei sowohl technische als auch reflexive Kompetenzen. Jugendliche entwickeln Fähigkeiten im praktischen Umgang mit digitalen Werkzeugen, reflektieren ihre mediale Selbstpräsentation und diskutieren mit den Fachkräften über die für sie relevanten Themen wie Privatsphäre, Wirklichkeitsdarstellungen oder die Dynamiken sozialer Netzwerke.

Darüber hinaus wird deutlich, dass non-formale Bildungsangebote wichtige Ausgleichsräume darstellen: Viele Jugendliche äußern das Bedürfnis, sich zeitweise vom ständigen Online-Sein und dem damit verbundenen Erwartungsdruck zu distanzieren, und suchen gezielt nach unmittelbaren, körperlich erlebbaren und sozial eingebetteten Erfahrungen. Fachkräfte greifen dieses Bedürfnis auf, indem sie Freiräume durch medienfreie Zeiten, analoge Gruppenaktivitäten oder Erlebnisse in physischen Räumen schaffen, die eine bewusste Distanz zum Digitalen ermöglichen.

Ein weiteres Ergebnis betrifft die besondere Aufmerksamkeit der Jugendarbeit für die Herausforderungen, mit denen vor allem jüngere oder sozial benachteiligte Jugendliche im digitalen Alltag konfrontiert sind. Wie Spanhel (2017, S. 4ff.) betont, stehen den „offenen und vielfältigen Lernräumen“ der digitalen Welt erhebliche Anforderungen gegenüber, etwa an Orientierungswissen, Beziehungsfähigkeit und einem stabilen Selbstbild. Die Daten deuten darauf hin, dass es einigen Jugendlichen (noch) an verlässlichen Orientierungsstrukturen oder Kompetenzen zur kritischen Reflexion digitaler Inhalte fehlt. Dies führt mitunter zu unbedachten Veröffentlichungen sensibler Informationen, unreflektierter Übernahme algorithmisch gesteuerter Inhalte oder einer Unterschätzung von Risiken wie Datenschutzproblemen und Cybermobbing. Hier zeigt sich die präventive Bedeutung non-formaler Bildungsarbeit: Sie kann zwar keine lückenlose Schutzfunktion übernehmen, eröffnet aber durch vertrauensvolle Beziehungen, dialogische Gespräche und alltagsnahe Bildungsangebote Räume, in denen insbesondere junge Menschen mit geringeren digitalen und sozialen Ressourcen Orientierung finden und Kompetenzen im Umgang mit digitalen Herausforderungen entwickeln. Wie Kutscher und Seelmeyer (2017) hervorheben, kann Jugendarbeit damit ein Ort medienbezogener Selbstbildung und psychosozialer Resilienzförderung sein, vor allem für Jugendliche, die im familiären oder institutionellen Umfeld weniger Unterstützung erfahren.