7.4 Selbstgesteuertes Lernen: digitale Bildungsprozesse jenseits institutioneller Kontexte

Bereits in den vorangegangenen Kapiteln wurde sichtbar, dass Bildung im digitalen Zeitalter zunehmend ihre Bindung an feste Orte und vorgegebene Zeiten verliert. Jugendliche bewegen sich heute in einer Wissenslandschaft, die jederzeit und nahezu unbegrenzt zugänglich ist. Über digitale Plattformen, spezialisierte Lern-Apps oder digitale Foren eröffnen sich ihnen Räume des Lernens, die nicht institutionell vorstrukturiert sind – sondern situativ, flexibel und eigenverantwortlich gestaltet werden können. In diesem Wandel rückt das selbstgesteuerte Lernen stärker in den Fokus: Lernprozesse, die aus eigener Initiative entstehen, an persönlichen Interessen anknüpfen und zeitlich sowie inhaltlich individuell gesteuert werden (Kerres, 2024). Digitale Angebote liefern dabei nicht nur eine große Auswahl an Informationen, sondern helfen auch dabei, sich zurechtzufinden, Inhalte zu wiederholen, besser zu verstehen und – in manchen Fällen – das eigene Wissen zu überprüfen. Jugendliche recherchieren gezielt, vergleichen Quellen, gestalten Lernrhythmen und verknüpfen das Gelernte mit ihren Alltagswelten. So entstehen Bildungsprozesse, die sich zunehmend von klassischen Schulsettings lösen, ohne sich ihnen zwangsläufig entgegenzustellen.

Welche Inhalte sprechen Jugendliche in digitalen Bildungsräumen an? Welche Motive und Interessen leiten ihre Aneignungspraxen? Und welche Faktoren begünstigen oder erschweren diese eigenverantwortlichen Lernwege? Das folgende Kapitel nimmt diese Fragen auf und zeigt anhand der Interviewaussagen, wie die Jugendlichen digitale Lernumgebungen nutzen, gestalten und reflektieren.