7.5 Zusammenfassung

Die empirischen Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass sich institutionelle Bildungsräume im digitalen Zeitalter grundlegend verändern. Zentrale Merkmale dieser Veränderung sind ein Nebeneinander und Ineinandergreifen analoger und digitaler Lehr- und Lernformen, eine zunehmende Flexibilisierung sowie eine Veränderung der Rollen und Subjektpositionen im Bildungsprozess. Unterricht und Bildungsprozesse finden nicht mehr ausschließlich im zeitlich und räumlich klar abgegrenzten schulischen Rahmen statt, sondern durchdringen, vermittelt durch digitale Technologien, vielfältige Lebensbereiche junger Menschen. Dabei ist Bildung weder zeitlich auf den Stundenplan noch räumlich auf das Klassenzimmer beschränkt, sondern dehnt sich auf Schulwege, Pausen, Hausaufgabenzeiten und die Kommunikation mit Lehrkräften aus; sie impliziert zudem den Austausch mit neuen Akteuren wie Influencern, Content Creators oder KI-gestützten Tools. Auch außerschulische und hybride Lern- und Kommunikationsformen gewinnen an Bedeutung. Bildung ist dabei mehr als eine Frage von Inhalten und Kompetenzen, sie ist auch eine Frage von Bezügen und Beziehung (Kerres, 2024). Dabei ist zunehmend von Bedeutung, über welche Netzwerke und Kontakte Jugendliche verfügen und wie sie diese für ihre (Bildungs-)Interessen nutzen, auch welche Lehrer sie unterrichten, wie technikaffin Freunde sind und in welchem Umfang sie zu Hause mit digitalen Ressourcen ausgestattet und unterstützt werden (Kramer & Müller, 2022; van Dijk, 2020).

Diese neue digitale Bildungskultur zeichnete sich zudem durch eine kreative digitale Nutzungsweise und die Fähigkeit aus, kreativ und offen auf neue Möglichkeiten zuzugehen und neue Fragen zu stellen (Jandrić et al., 2018; Knox, 2019). Dies erscheint besonders wichtig angesichts der Omnipräsenz von schnellen Antworten und einer allgemeinen Verfügbarkeit von Wissen im Internet. Dabei geht es auch um die Fähigkeit, kritisch einzuschätzen, wie dieses digital verfügbare Wissen zu beurteilen ist. Da sich der digitale Wandel in der Gesellschaft und im Bildungssystem nicht wieder zurückdrehen lässt, geht es auch um die Motivation und Offenheit, sich neuen Bildungsinhalten und Technologien zu öffnen. Wer sich diesen verschließt oder keinen Zugang zu ihnen findet, erfährt früher oder später bildungsbezogene Nachteile (van Dijk, 2020).

Die non-formale Bildung zeigt in diesem Kontext besondere Stärken. In der Jugendarbeit etwa wird Digitalität sowohl zur Organisation als auch als pädagogisches Medium genutzt, gleichzeitig aber auch reflektiert. Fachkräfte schaffen Räume, in denen Jugendliche sowohl digitale Kompetenzen erwerben als auch analoge, soziale Erfahrungen machen können. Besonders Jugendliche mit begrenzten sozialen Ressourcen profitieren von diesen Angeboten. Die Studie verweist hier auf das Potenzial postdigitaler Jugendarbeit (Jandrić et al., 2018), die digitale und analoge Welt nicht mehr trennt, sondern integrativ bearbeitet. Abschließend lässt sich festhalten: Bildung im digitalen Zeitalter ist geprägt durch Hybridität, Flexibilität und Individualisierung. Um das Potenzial des selbstgesteuerten Lernens auszuschöpfen, braucht es pädagogische Konzepte, die nicht nur technische Zugänge ermöglichen, sondern auch soziale Unterstützung, Orientierung und kritisches Denken fördern. Schulen und non-formale Bildungseinrichtungen sollten in enger Verzahnung arbeiten und Lernräume schaffen, die sowohl digitalen Schutz als auch pädagogische Offenheit bieten. Die Förderung digitaler Mündigkeit und reflexiver Medienkompetenz (Redecker, 2017) wird dabei zur Schlüsselaufgabe. Nur so kann Bildung im Sinne nachhaltigen Lernens gestaltet werden, als Lebensbegleitung in einer von Digitalität geprägten Welt.