7.6 Methoden- und Datenüberblick

In den Kapiteln 6, 7 und 8 bilden die im Rahmen der Étude qualitative sur la jeunesse (EQJ) durchgeführten qualitativen Interviews die zentrale Methode, um vertiefte Einblicke in die Perspektiven und Erfahrungen Jugendlicher im Kontext von Digitalität zu gewinnen. Die Erhebungen wurden zwischen Februar und Juni 2024 durchgeführt und umfassen insgesamt 36 Interviews mit Jugendlichen im Alter von 12 bis 29 Jahren, darunter 26 Erstinterviews und zehn Folgeinterviews (siehe Kapitel 2). Ziel der Analyse war es, die subjektiven Erfahrungen der Jugendlichen mit digitalen Medien und Technologien in unterschiedlichen Bildungszusammenhängen zu erfassen, individuelle Deutungsmuster sichtbar zu machen und zentrale forschungsrelevante Aspekte formaler, non-formaler und selbstgesteuerter Bildungspraktiken im digitalen Kontext herauszuarbeiten. Themen, die sich im Verlauf der Interviews als besonders bedeutsam erwiesen haben, wurden im Anschluss mithilfe einer digitalen Tagebuchmethode vertiefend bearbeitet. Ergänzend dazu kamen standardisierte Kurzfragebögen zum Einsatz, um soziale und biografische Hintergrundinformationen zu erfassen. Dazu gehörten Angaben zur Schulform und Jahrgangsstufe, zur Aneignung digitaler Kompetenzen sowie subjektive Einschätzungen der eigenen digitalen Fähigkeiten und jener der Eltern (erfasst mittels Selbsteinschätzungsskalen von null bis zehn). Darüber hinaus flossen ein Workshop mit Fachkräften aus Jugendarbeit, politischer Bildung, zivilgesellschaftlichen Organisationen und psychosozialer Schulunterstützung sowie zwei explorative Gruppengespräche mit vier Lehrkräften bzw. Schulleitungen in die Analyse ein.

Die Zusammensetzung der Stichprobe weist eine vielfältige sozioprofessionelle Verteilung auf: Neben schulpflichtigen Jugendlichen (n = 10) waren auch Auszubildende (n = 7) und Universitätsstudierende (n = 5) vertreten. Zwei Jugendliche waren zudem erwerbstätig, ein weiterer war in einem Freiwilligendienst und ein Jugendlicher war zum Zeitpunkt der Interviews arbeitssuchend. Von den insgesamt zehn befragten Schulpflichtigen besuchten sechs den Enseignement secondaire classique (ESC), also einen klassischen Sekundarschulzweig, und vier den Enseignement secondaire général (ESG), also eine Klasse des allgemeinen Sekundarschulzweigs. Die schulische Ausrichtung reichte dabei von den klassischen Gymnasialklassen über spezialisierte Klassen mit sportlicher Profilierung (z. B. Sportklasse) bis hin zu Klassen der unterstützenden Bildungsgänge mit besonderem Förderbedarf (z. B. Voie de préparation/sogenannte „Poly“-Klassen). Die sich in Ausbildung befindenden Jugendlichen verteilten sich auf berufsbildende oder berufsvorbereitende Ausbildungsgänge, wie die COIP-Klasse (Classe d’orientation et d’initiation professionnelle, eine vorbereitende Orientierungsklasse), oder den Ausbildungsgang Technicien en mécanique (TCME). Einige Jugendliche absolvierten eine duale Ausbildung mit Lehrvertrag im Betrieb, die auf den handwerklich oder dienstleistungsorientierten Abschluss Diplôme d’aptitude professionnelle (DAP) hinführt. Die gewählten Fachrichtungen waren dabei breit gefächert und reichten von handwerklichen Berufen wie Fliesenleger, Parkettverleger oder Mechatroniker bis hin zu dienstleistungsorientierten Tätigkeiten wie Bademeister oder Erzieher. Die fünf interviewten Studierenden an der Universität Luxemburg kamen überwiegend aus dem Ausland, teils auch aus außereuropäischen Ländern, und waren für ihr Studium nach Luxemburg gezogen.

Auch die Bildungsabschlüsse der Eltern der befragten Jugendlichen zeigen eine hohe Diversität. In vielen Fällen wiesen beide Elternteile ein vergleichbares Bildungsniveau auf. In sechs Interviews wurde ein höherer Bildungsabschluss beider Elternteile (über Sekundarabschluss) berichtet, was auf ein eher bildungsnahes familiäres Umfeld hindeutet. In weiteren sechs Fällen verfügten beide Eltern über einen Abschluss unterhalb des Sekundarabschlusses, in einem Fall lag bei beiden ein Sekundarabschluss vor. Auffällig war, dass sechs Jugendliche keine Angaben zum Bildungshintergrund ihrer Eltern machten. Als Gründe hierfür wurde unter anderem der Tod eines Elternteils, fehlender Kontakt infolge familiärer Trennung oder auch Unwissenheit genannt.

Weiterführende Informationen zu der Étude qualitative sur la jeunesse sind im erweiterten Methodenteil online zu finden.