10.3.1 Impulse für Diskussions- und Handlungsansätze

Das Erfahrungsspektrum junger Menschen erweitert sich und differenziert sich durch die digitale Welt immer stärker aus. Somit wird es schwieriger und anspruchsvoller, sich in dieser zunehmend komplexer werdenden Welt zurechtzufinden und es braucht gezielte Unterstützung bei der Aufgabe, die vielfältigen Einflüsse einzuordnen, zu bewerten, zu selektieren und sie zur eigenen Identitätsfindung sinnvoll nutzbar machen zu können. Hier gilt es, niedrigschwellige und interessengeleitete Angebote zur kritischen Auseinandersetzung mit Trends sowie mit Körper- und Rollenbildern für junge Menschen anzubieten, kritische Reflexionsfähigkeiten zu fördern und zu stärken, die Jugendlichen in Bezug auf komplexe Selektionsprozesse zu unterstützen und Ressourcen zu schaffen, um Überforderung entgegenzuwirken.

Aktuell dominieren im öffentlichen Diskurs häufig defizitorientierte und verallgemeinernde Sichtweisen auf digitale Praktiken Jugendlicher, etwa in Bezug auf Bildschirmzeit, Gaming oder soziale Medien. Diese Bewertungen bleiben jedoch oft abstrakt und generisch und richten den Blick weniger auf die ebenfalls existierenden Potenziale digitaler Medien für Bildung, Kreativität und Teilhabe. Dies erfordert neue, dialogorientierte und partizipative Konzepte einer generationenübergreifenden Medienbildung. Im Jugendbericht zeigt sich zudem, dass unterschiedliche Plattformpräferenzen – etwa zwischen Jüngeren und Älteren oder zwischen verschiedenen sozialen Milieus und Familienkonstellationen – zu differenzierten Praktiken und Jugendkulturen führen. Handlungskonzepte sollten diese Vielfalt berücksichtigen, statt von „der Jugend“ als homogener Gruppe auszugehen.

Peerbezogene Dynamiken verdienen mehr Aufmerksamkeit in medienpädagogischen Angeboten. Dazu gehört die Förderung von Reflexionskompetenz in Bezug auf Gruppennormen und digitale Praktiken, die Sensibilisierung für Ausgrenzungsmechanismen sowie die Stärkung individueller Entscheidungsfähigkeit in Bezug auf Mediennutzung. Schulische und außerschulische Bildungskontexte können gezielt Räume schaffen, in denen Jugendliche digitale Zugehörigkeit selbstbestimmt und kritisch ausprobieren und reflektieren können.