Soziale Ungleichheiten hinsichtlich zum Beispiel des soziökonomischen Status und des Geschlechts zeigen sich sowohl in der analogen als auch der digitalen Welt. Zudem haben sich das subjektive Gesundheitsgefühl und die psychische Verfassung junger Menschen in den letzten Jahren verschlechtert; auch äußern sie zunehmend Ängste im Zusammenhang mit einem Krieg in Europa.
Soziale Ungleichheiten bestehen weiter, auch wenn die digitale Welt jungen Menschen grundsätzlich große Potenziale zur Selbstverwirklichung, Bildung und gesellschaftlichen Teilhabe bietet. Ob und wie junge Menschen von diesen Chancen profitieren, ist eng an soziale Voraussetzungen geknüpft. In Luxemburg haben Kinder und Jugendliche mit ihren Familien im Vergleich zu anderen Ländern und Altersgruppen eine höhere Armutsgefährdungsquote. In den Studien hat sich gezeigt, dass ein niedriger SES mit einer geringeren Unterstützung durch Freunde und Familie, mit geringerem affektivem und kognitivem Wohlbefinden und Gesundheit, geringerem politischen Interesse, weniger Sport und Leseaktivitäten, häufigeren multiplen psychosomatischen Beschwerden sowie mit stärkerem Tabak- und Cannabiskonsum einhergeht. Dies kann Auswirkungen auf Ressourcen junger Menschen haben sowie auf ihre Perspektiven, eigene Lebensentwürfe verwirklichen zu können.
Die digitale Kluft – die sogenannte Digital Divide – zeigt sich auf drei Ebenen: Zugang, Nutzungskompetenz und Teilhabe. Auf der Ebene des Zugangs ergibt sich das Bild, dass eine digitale Grundausstattung und Internetzugang in Luxemburg nahezu flächendeckend verfügbar sind. Fast jeder Jugendliche und junge Erwachsene in Luxemburg besitzt ein Smartphone (95 %), jedoch verfügen deutlich mehr junge Menschen mit einem hohen SES über weitere Endgeräte, wie zum Beispiel einen Laptop, ein Tablet oder einen Desktop-PC (siehe z. B. Kapitel 5). Der Zugang zu Smartphones ist in Luxemburg also hoch; es zeigen sich aber durchaus soziale Ungleichheiten für andere Endgeräte, die nach SES, Geschlecht und Migrationsstatus variieren. Sozioökonomische Ungleichheiten beeinflussen zudem die Möglichkeiten, neueste Gerätetypen und -generationen anzuschaffen.
Auf der Ebene der Nutzung zeigt sich zunächst, dass digitale Geräte hauptsächlich für Video- und Musikstreaming, soziale Netzwerke und Kommunikation eingesetzt werden, während partizipative Aktivitäten (z. B. politische Teilhabe) oder Content Creation weniger verbreitet sind (siehe z. B. Kapitel 4 und 5). Die Art und Weise, wie junge Menschen mit digitalen Medien umgehen, hängt stark von den familiären Ressourcen ab: Während Jugendliche aus bildungsnahen Familien in einem förderlichen Umfeld digitale Kompetenzen aufbauen können, erleben Kinder aus benachteiligten Familien häufiger Einschränkungen, etwa durch restriktive Medienregeln oder fehlende Unterstützung. Im Bereich der Kompetenzen zeigen sich deutliche Unterschiede: So schätzen männliche Jugendliche ihre technischen und operativen Kenntnisse und auch ihre Informations- und Navigationskompetenzen höher ein als weibliche Gleichaltrige. Darüber hinaus wird erneut der Einfluss des SES sichtbar: Junge Menschen mit einem hohen SES schätzen ihre digitalen Kompetenzen in allen Bereichen deutlicher höher ein.
Teilhabemöglichkeiten und die damit verbundenen Chancen und Risiken auf der dritten Ebene der Digital Divide sind ungleich verteilt. Weibliche Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren sowie Jugendliche mit niedrigem SES sind am stärksten von unerwünschten sexuellen Anfragen betroffen. Auch im Gaming-Bereich lassen sich geschlechtsspezifische Benachteiligungen ausmachen. Sie deuten darauf hin, dass die „Erträge“ des digitalen Raums sozial ungleich verteilt sind und bestehende Ungleichheiten – bedingt durch das Geschlecht oder den SES – im digitalen Raum reproduziert werden. Trotz bestehender Ungleichheiten zeigen die Studien auch Beispiele, die verdeutlichen, wie junge Menschen aus sozial benachteiligten Lebensverhältnissen im Sinne kompensatorischer Bildungsstrategien die Potenziale digitaler Räume aktiv und zielgerichtet für sich nutzen können. So gelingt es einzelnen jungen Menschen, digitale Medien trotz struktureller Barrieren als Ressource für Bildung, Selbstverwirklichung und berufliche Perspektiventwicklung zu erschließen, indem sie intrinsisch motiviert handeln und soziale und digitale Ressourcen mobilisieren.
In der Gesamtschau dieser drei Ebenen zeigt sich, dass Teilhabechancen nicht allein vom Zugang zu digitalen Technologien abhängen, sondern ebenso von Kompetenzen, Nutzungsverhalten und Lernerträgen. Ungleichheitsdimensionen sind eng miteinander verschränkt und verstärken sich tendenziell gegenseitig. So wirken sich finanzielle, kulturelle und soziale Ressourcen der Eltern unmittelbar auf Ausstattung, Kompetenzen (Eltern und Kinder) sowie auf Erziehungsstile und Lernumgebungen aus – entweder förderlich oder einschränkend. In diesem Zusammenhang spielen die digitalen Kompetenzen der Eltern eine wichtige Rolle: Sie erleichtern es, die rasanten Entwicklungen im digitalen Raum zu verstehen und Kinder dabei zu begleiten (siehe z. B. Kapitel 9).
Die psychische Gesundheit Jugendlicher steht zunehmend unter Druck (siehe z. B. Kapitel 4). Viele junge Menschen berichten von einem Rückgang ihres Wohlbefindens und einem schlechten Gesundheitsgefühl. Dabei spielt der sozioökonomische Hintergrund eine große Rolle: Jugendliche aus finanziell benachteiligten Haushalten berichten seltener von einem sehr guten Gesundheitszustand und häufiger von psychosomatischen Beschwerden. Auch der Zugang zu emotionaler und sozialer Unterstützung, der einen wichtigen Schutzfaktor darstellt – etwa durch Familie oder Freunde – ist ungleich verteilt.
Parallel dazu haben Ängste vor globalen Krisen zugenommen. Etwa vier von fünf Jugendlichen äußern Sorgen über Krieg in Europa, ihre Gesundheit, Klimakrise, wirtschaftliche Instabilität oder Terrorismus (siehe z. B. Kapitel 4). Diese Ängste können ein Gefühl der Ohnmacht erzeugen, das durch den ständigen Zugang zu krisenhaften Informationen über digitale Medien noch verstärkt wird. Viele junge Menschen informieren sich nicht mehr über klassische Nachrichtenseiten, sondern über soziale Medien oder Influencer – was das Risiko für einseitige oder verzerrte Informationen erhöhen kann.
Ein besonders auffälliges Ergebnis der aktuellen Studien betrifft Geschlechterunterschiede. Junge Frauen berichten deutlich häufiger von psychosomatischen Beschwerden als männliche Jugendliche. Rund 46 % der Mädchen klagen über multiple psychosomatische Symptome – im Vergleich zu etwa 27 % der Jungen. Auch das allgemeine Wohlbefinden und der subjektive Gesundheitszustand sind bei jungen Frauen signifikant niedriger. Diese Differenzen haben sich in den letzten Jahren weiter verschärft. Hinzu kommt: Mädchen bewerten tendenziell die familiäre Unterstützung als geringer und sind stärker von digitalen Risiken wie sexuellen Belästigungen betroffen. In Kombination mit geringerer gesellschaftlicher Sichtbarkeit und weniger Rückhalt im sozialen Umfeld positionieren sich Mädchen – trotz Gleichstellungsbemühungen – weiterhin als besonders vulnerable Gruppe.