3.3 Luxemburg, eine vielfältige Gesellschaft

Neben der Altersverteilung haben die Migrations- und Nationalitätenstruktur eines Landes einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung und das Leben junger Menschen, von denen viele selbst Teil transnationaler Familiennetzwerke sind. Diese Faktoren beeinflussen nicht nur die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, sondern auch kulturelle Identitäten, Lebensrealitäten und Integrationserfahrungen junger Menschen.

Zum 1. Januar 2025 belief sich die Bevölkerungszahl Luxemburgs auf 681 973 Gebietsansässige, von denen 361 247 die luxemburgische Staatsangehörigkeit hatten (52,97 %) und 320 726 Personen (47,03 %) eine nicht luxemburgische Nationalität aufwiesen (ihr Anteil lag 2015 bei 45,90 %). Die Gebietsansässigen mit portugiesischer Staatsangehörigkeit bilden die größte Gruppe unter den Personen ohne luxemburgische Staatsangehörigkeit und machen etwa 13,1 % (89 671 Personen) der Gesamtbevölkerung aus (STATEC, 2025a). Gemäß der Angabe von „luxembourg.public.lu“ (2025) sind gegenwärtig Menschen mit 170 verschiedenen Nationalitäten in Luxemburg ansässig.

Im Vergleich zum EU-Durschnitt wies Luxemburg im Jahr 2024 mit 51 % den EU-weit höchsten Anteil nicht im selben Land geborener Personen an der Gesamtbevölkerung auf. Davon waren 32,9 % in einem anderem EU-Mitgliedsstaat geboren und 18,1 % in einem Staat außerhalb der EU. Zum Vergleich: In Deutschland waren 2024 insgesamt 20,2 % der Bevölkerung nicht im selben Land geboren (davon 7,6 % anderswo in der EU und 12,6 % außerhalb der EU), in Belgien betrug der Anteil 19,7 % (davon 8 % anderswo in der EU und 11,6 % außerhalb der EU) und in Frankreich 13,6 % (davon 2,9 % anderswo in der EU und 10,8 % außerhalb der EU).

Der Anteil der Bevölkerung mit und ohne luxemburgische Nationalität variiert zwischen den Altersgruppen (vgl. Abbildung 3.3). Bei der Betrachtung der 15- bis 24-Jährigen zeigt sich, dass der Anteil der Bevölkerung mit luxemburgischer Nationalität mit rund zwei Dritteln deutlich höher ist als der Anteil der Personen ohne luxemburgische Nationalität, während bei den 25- bis 29-Jährigen nur ein geringer Unterschied zu beobachten ist. Bei den unter 15-Jährigen zeigt sich mit 59,6 % ein deutlich höherer Anteil an Jugendlichen mit luxemburgischer Nationalität.

Eine genauere Betrachtung der Entwicklung der Nationalitätenstruktur der unter 15-Jährigen von 2016 bis 2025 zeigt einen kontinuierlichen Anstieg des Anteils von Jugendlichen mit luxemburgischer Nationalität (vgl. Abbildung 3.4). Eine mögliche Erklärung für diese Entwicklung ist das Gesetz über die luxemburgische Staatsangehörigkeit vom 23. Oktober 20082 (Loi du 23 octobre 2008 sur la nationalité luxembourgeoise). Mit diesem Gesetz trat zum 01. Januar 2009 das Prinzip der doppelten Staatsangehörigkeit in Kraft. Zum 01. April 2017 trat ein weiteres Gesetz in Kraft, das Voraussetzungen zum Erwerb der luxemburgischen Staatsangehörigkeit änderte und nun u. a. die Einbürgerung von im Ausland ansässigen Personen erleichtert. Der zeitversetzte Effekt der doppelten Staatsangehörigkeit, die Eltern seit 2009 erwerben können und die ihren Kindern ab der Geburt automatisch die luxemburgische Staatsangehörigkeit verleiht, könnte somit den steigenden Anteil junger Menschen mit luxemburgischer Nationalität erklären.

Die Bevölkerungsstruktur eines Landes kann sich in vielfältiger Weise auf junge Menschen auswirken. Eine heterogene Struktur kann die kulturelle Diversität eines Landes fördern und somit zu einem facettenreichen sozialen und kulturellen Miteinander beitragen. Junge Menschen, die in kulturell vielfältigen Gesellschaften aufwachsen, entwickeln oft eine höhere interkulturelle Kompetenz und Toleranz. Untersuchungen, wie etwa die des Deutschen Jugendinstituts (2010), belegen, dass Jugendliche in solchen Umfeldern von einem breiteren Spektrum an Erfahrungen und sozialen Netzwerken profitieren.

Dennoch erleben junge Menschen in Vielfaltsgesellschaften oft dann strukturelle Ungleichheiten und erschwerte Zugangsbedingungen, wenn ihnen Sprachbarrieren den Zugang zu Bildung erschweren. Diesbezüglich verweist etwa eine Studie zum „Stand der Integration von Eingewanderten in Deutschland“ (OECD, 2024) auf signifikante Unterschiede in den Bildungsergebnissen zwischen Jugendlichen mit Geburtsort in und außerhalb des Landes und setzt sie mit ihren Sprachkompetenzen in Beziehung (vgl. S. 22 f.). In Bezug auf Luxemburg ist das Zusammenspiel von Sprachkompetenzen und Bildungsaussichten im Bildungsbericht 2021 untersucht worden. Darin wurde als Ursache für Sprachbarrieren weniger der Geburtsort selbst als vielmehr die im Elternhaus primär gesprochene Sprache angenommen. Es zeigte sich, dass Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Familien und mit einer anderen Erstsprache als Deutsch oder Luxemburgisch vergleichsweise schlechtere Testleistungen im Deutsch-Leseverstehen und in Mathematik aufweisen (Hadjar & Backes, 2021).


  • 2

    Grand-Duché de Luxembourg (2008, 23. Oktober). Loi du 23 octobre 2008 sur la nationalité luxembourgeoise, Mémorial A Nr. 213/2008.