Gemäß der luxemburgischen Gesetzgebung besteht für Kinder im Alter von drei Jahren die Möglichkeit einer freiwilligen Einschulung, die als fakultative Früherziehung bzw. Education précoce bezeichnet wird. Die Schulpflicht setzt mit dem Alter von 4 Jahren ein und dauert aktuell bis zum 16. Lebensjahr. Ab dem Schuljahr 2026/2027 wird sie auf das 18. Lebensjahr erhöht. Die Grundschule ist in vier Lernzyklen unterteilt: Zyklus 1 entspricht der fakultativen Früherziehung und der Vorschule und richtet sich an Kinder zwischen 3 und 5 Jahren; die Zyklen 2 bis 4 entsprechen der Grundschule, wobei sich der Zyklus 2 an Kinder zwischen 6 und 7 Jahren richtet; Zyklus 3 ist für Kinder zwischen 8 und 9 Jahren vorgesehen und Zyklus 4 für Kinder zwischen 10 und 11 Jahren (MENJE, 2023). Am Ende des vierten Zyklus treffen die Eltern und die Klassenleitung eine gemeinsame Orientierungsentscheidung bezüglich des weiteren Bildungswegs (Orientierung in den allgemeinen Sekundarunterricht, in den klassischen Sekundarunterricht, in den europäischen Sekundarunterricht usw.) (MENJE, 2023, S. 26). Der auf die Grundschule folgende Sekundarunterricht bietet vielfältige Möglichkeiten an Bildungs- und Ausbildungsabschlüssen. Der klassische Sekundarunterricht (Enseignement secondaire classique, ESC) dauert sieben Jahre, bereitet auf ein Studium vor und schließt mit dem Diplôme de fin d’études secondaires classiques ab. Eine ähnliche Struktur weist der allgemeine Sekundarunterricht (Enseignement secondaire générale, ESG) auf, der mit dem Diplôme de fin d’études secondaires générales abschließt und ebenfalls zur Aufnahme eines Studiums oder zum Einstieg ins Berufsleben berechtigt (MENJE, 2025). Während der ESC stärker akademisch ausgerichtet ist und primär auf ein Hochschulstudium vorbereitet, zeichnet sich der ESG durch eine stärkere berufspraktische Orientierung aus und bietet neben dem Weg ins Studium auch Zugang zu zahlreichen anderen Ausbildungen.
Die berufliche Ausbildung beginnt mit dem dritten Jahr des Sekundarunterrichts und ermöglicht ca. 125 verschiedene Ausbildungen mit drei Abschlussmöglichkeiten: dem Berufsbefähigungszeugnis (Certificat de capacité professionelle, CCP), welches in der Regel drei Jahre dauert; dem Berufsbefähigungsdiplom (Diplôme d’aptitude professionelle, DAP), welches ebenfalls auf drei Jahre Ausbildung ausgelegt ist, und dem Technikerdiplom (Diplôme de technicien, DT), das nach vier Jahren zertifiziert wird.
Um einen ganzheitlichen Bildungsansatz in Bezug auf Kinder und Jugendliche zu fördern, kombiniert das luxemburgische Bildungssystem formale und non-formale Bildungsstrukturen und unterstützt die Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen Akteuren aus den non-formalen und formalen Bereichen. Der Ausbau von Betreuungseinrichtungen sowie die weitreichenden und vielfältigen außerschulischen Angebote sind wichtige Elemente der Bildungspolitik in Luxemburg, denn sie sollen auf die Entwicklung personaler und sozialer Kompetenzen abzielen und zur Steigerung des Wohlbefindens beitragen. Beispiele hierfür sind der Ausbau von Betreuungseinrichtungen (Maisons Relais), die Angebote des sozialpädagogischen Dienstes (Service socio-éducatif), die Bildung von Schülerkomitees und der Nationalen Schülerkonferenz (CNEL), die Unterstützung von Plattformen wie dem Jugendparlament oder dem obersten Jugendrat (Conseil supérieur de la jeunesse) sowie die finanzielle Bezuschussung von Jugendhäusern und Jugendorganisationen; darüber hinaus die zahlreichen Angebote und Aktivitäten des Service National de la Jeunesse (SNJ).
Die Fokussierung auf beide Bildungsbereiche (formal und non-formal) stellt für junge Menschen ausschlaggebende Faktoren in ihren Entwicklungsprozessen dar: Bildung und der Eintritt ins Arbeitsleben, verbunden mit einer regelmäßigen und kontinuierlichen Erwerbstätigkeit, sind bedeutsame Entwicklungsschritte. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2024) haben Menschen mit höherer Bildung in der Regel ein höheres Einkommen und sind weniger von Arbeitslosigkeit betroffen. Ein hoher Bildungsstand eröffnet den Zugang zu besseren Lebensbedingungen und Möglichkeiten, was nicht nur für Jugendliche selbst von Bedeutung ist, sondern auch zur wirtschaftlichen Stabilität eines Landes beiträgt.