3.4.4 Hohe und weiter steigende Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich zur Gesamtarbeitslosigkeit

Für Jugendliche ist es bedeutsam, am Arbeitsleben teilhaben zu können. In Luxemburg zeigt sich jedoch, dass ein Teil der jungen Menschen derzeit keinen Zugang zum Arbeitsmarkt findet (vgl. Abbildung 3.9): 21,6 % der 15- bis 24-Jährigen waren 2024 von Arbeitslosigkeit betroffen (Eurostat, 2025k). Dieser Wert ist über drei Mal so hoch wie der der Gesamtarbeitslosigkeit (6,4 %). Ein Vergleich mit den benachbarten Ländern zeigt, dass diese in geringerem Maße von Jugendarbeitslosigkeit betroffen sind.  Die hohe Jugendarbeitslosenquote in Luxemburg könnte in Zusammenhang mit der hohen Konkurrenzsituation auf dem luxemburgischen Arbeitsmarkt stehen. Das höhere Lohnniveau in Luxemburg im Vergleich zu den Nachbarstaaten führt zu einer verstärkten Konkurrenzsituation mit Arbeitssuchenden insbesondere aus Deutschland, Frankreich und Belgien, was den Zugang zur Arbeitswelt für Jugendliche und junge Erwachsene in Luxemburg erschweren könnte; dabei kann die grenzüberschreitende Arbeitsmobilität auch mit Herausforderungen verbunden sein (vgl. Gutfleisch & Samuel, 2022). Ein weiterer Erklärungsansatz für die vergleichsweise hohe Jugendarbeitslosigkeit liegt in deren Berechnung. Die Jugendarbeitslosenquote bezeichnet den Anteil Arbeitsloser an der jungen Erwerbsbevölkerung. Arbeitslos ist, wer keine Arbeit hat, arbeitsfähig ist und Arbeit sucht. Längere Ausbildung und Studium haben statistische Konsequenzen für die Berechnung der Jugendarbeitslosenquote, da Schüler, Studierende und Auszubildende, die nicht aktiv eine Arbeit suchen, nicht zur Erwerbsbevölkerung zählen. Aufgrund der langen Bildungswege und hohen Tertiärquote erscheint die Quote in Luxemburg daher hoch im Vergleich mit anderen Ländern.

Um die Situation junger Menschen in den Bereichen der Bildung und Beschäftigung umfassend abzubilden, kann die NEET-Quote als zusätzlicher Indikator herangezogen werden (so in Kapitel 3.4.5). Sie bemisst den Anteil junger Menschen, die weder arbeiten noch in Ausbildung sind an der gesamten jungen Bevölkerung. Bei der Berechnung der NEET-Quote umfasst die Referenzpopulation also alle jungen Menschen. Bei der NEET-Quote liegt Luxemburg unter dem Durchschnitt der EU-27-Staaten.

Eine Analyse der Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit der letzten zehn Jahre zeigt, dass sich die Zahlen für Luxemburg und den Durchschnitt der EU-27-Staaten zwischen 2014 und 2018 nur geringfügig unterscheiden (vgl. Abbildung 3.10). Während die Zahlen in Luxemburg zunächst niedriger waren, liegen sie seit 2019 jedoch über dem Durchschnittswert der EU-27-Staaten und erreichen im Jahr 2020 – dem Jahr der COVID-Pandemie – mit 23,2 % ihren Höhepunkt. Im Jahr 2021 reduzierte sich dieser Wert, stieg in den folgenden Jahren bis 2024 jedoch wieder konti­nuierlich auf 21,6 % an. Die Durchschnittsjugendarbeitslosigkeit der EU-27-Staaten ist dagegen nach 2021 weiter gesunken bzw. konstant geblieben.