Die Definition von Diener (2009, S.66) hebt hervor, dass subjektives Wohlbefinden sowohl emotionale Reaktionen auf Ereignisse als auch kognitive Urteile über Zufriedenheit und Erfüllung umfasst. Das Wohlbefinden umfasst daher sowohl affektive als auch kognitive Komponenten. Im weiteren Verlauf werden daher zwei Dimensionen des Wohlbefindens von jungen Menschen in Luxemburg beschrieben: das affektive Wohlbefinden (Freude, Glück, Angst, Neid etc.) und das kognitive Wohlbefinden (Einschätzung der eigenen Zufriedenheit und Lebensbilanzierung) (Diener, 1984). Für die Messung dieser Dimensionen des Wohlbefindens wird für das affektive Wohlbefinden auf den WHO-5-Wohlbefindens-Index8 zurückgegriffen und für das kognitive Wohlbefinden auf die Lebenszufriedenheit.
Affektives Wohlbefinden
Das affektive Wohlbefinden wurde im YSL mithilfe des WHO-5-Wohlbefindens-Index gemessen. Der Index basiert auf fünf positiv formulierten Aussagen, die den emotionalen Zustand einer Person (z. B. „Ich war froh und guter Laune“) und ihre Vitalität (z. B. „Ich habe mich energisch und aktiv gefühlt“) beschreiben. Für die folgende Auswertung wurden die Antworten der Jugendlichen in die Kategorien niedriges, mittleres und hohes Wohlbefinden eingeteilt.
Insgesamt berichten drei Viertel der jungen Menschen in Luxemburg über ein mittleres oder hohes Wohlbefinden (vgl. Abbildung 4.24). Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede hinsichtlich des Geschlechts, des Alters und des sozioökonomischen Status: Männliche Befragte berichten häufiger von einem hohen Wohlbefinden als weibliche Befragte. Hinsichtlich der Altersgruppen zeigt sich, dass 12- bis 15-Jährige deutlich häufiger ein hohes affektives Wohlbefinden aufweisen als 16- bis 29-Jährige. Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede jedoch in Bezug auf den SES: Junge Menschen mit niedrigem SES berichten deutlich häufiger von einem niedrigen affektiven Wohlbefinden (rund 37 %) als junge Menschen mit mittlerem SES (rund 23 %) oder mit hohem SES (rund 14 %). Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass das affektive Wohlbefinden besonders stark durch den subjektiven sozioökonomischen Status geprägt ist.
Im Vergleich zu 2019 hat sich das affektive Wohlbefinden junger Menschen in Luxemburg im Jahr 2024 verschlechtert und der Anteil, derjenigen, die ein niedriges affektives Wohlbefinden aufweisen, ist von 23,6 % auf 27,3 % gestiegen. Wie Abbildung 4.25 zeigt, sind weibliche Befragte von dieser Verschlechterung zwischen 2019 und 2024 stärker betroffen als männliche Befragte.
Kognitives Wohlbefinden
Das kognitive Wohlbefinden wurde im Youth Survey Luxembourg (YSL) mithilfe einer 10-stufigen Leiter zur Erfassung der allgemeinen Lebenszufriedenheit gemessen. Dabei wurden die 12- bis 29-Jährigen gebeten, ihr Leben insgesamt einzuschätzen und sich im Hinblick auf das bestmögliche (Stufe 10) und schlechtestmögliche Leben (Stufe 0) auf der Leiter zu positionieren. Werte zwischen 0 und 5 wurden als niedrige Lebenszufriedenheit, Werte zwischen 6 und 8 als mittlere Lebenszufriedenheit und Werte zwischen 9 und 10 als hohe Lebenszufriedenheit und somit als hohes kognitives Wohlbefinden kategorisiert.
Insgesamt berichten 22 % der jungen Menschen von einer niedrigen Lebenszufriedenheit. Etwa zwei Drittel weisen eine mittlere und rund 13 % eine hohe Lebenszufriedenheit auf (vgl. Abbildung 4.26). Dabei wurden Unterschiede nach Alter und sozioökonomischem Status festgestellt, jedoch nicht nach Geschlecht: Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren berichten mit 14,3 % weniger häufig von einer niedrigeren Lebenszufriedenheit als 16- bis 29-Jährige. Gleichzeitig nimmt der Anteil, jener jungen Menschen, die eine hohe Lebenszufriedenheit aufweisen, mit steigendem Alter kontinuierlich ab: Bei den 12- bis 15-Jährigen beträgt er rund 22 %, sinkt bei den 16- bis 20-Jährigen auf 14 %, bei den 21- bis 25-Jährigen auf 10 % und erreicht bei den 26- bis 29-Jährigen mit 8 % den niedrigsten Wert.
Noch stärker als durch das Alter wird das kognitive Wohlbefinden jedoch durch den subjektiven sozioökonomischen Status beeinflusst: Junge Menschen aus Haushalten mit niedrigem SES berichten mit rund 47 % erheblich häufiger von einer niedrigen Lebenszufriedenheit als junge Menschen mit mittlerem SES (16 %) und mit hohem SES (8 %). Ähnlich deutliche Unterschiede zeigen sich bei der hohen Lebenszufriedenheit: Lediglich 4 % der jungen Menschen mit niedrigem SES berichten von einem hohen kognitiven Wohlbefinden. Dieser Anteil liegt deutlich unter jenem von jungen Menschen mit mittlerem (13,7 %) und hohem SES (28,2 %).
Im Vergleich zu 2019 hat sich das kognitive Wohlbefinden der weiblichen Befragten in Luxemburg im Jahr 2024 verschlechtert, während sich das kognitive Wohlbefinden der männlichen Befragten kaum verändert hat. Wie Abbildung 4.27 zeigt, ist der Anteil der weiblichen Befragten, die von einer niedrigen Lebenszufriedenheit berichten, von rund 19 % auf 23 % gestiegen.
Das kognitive Wohlbefinden junger Menschen in Luxemburg ist damit im Durchschnitt etwas geringer als das affektive Wohlbefinden. Während etwa ein Viertel der 12- bis 29-Jährigen ein hohes affektives Wohlbefinden aufweisen, sind es nur rund 13 % für das kognitive Wohlbefinden. Junge Menschen bewerten ihr Leben also etwas schlechter, als sie es empfinden. Sowohl das affektive als auch kognitive Wohlbefinden junger Menschen in Luxemburg hat sich seit dem Jahr 2019 verringert und diese Verschlechterung betrifft weibliche Befragte stärker als männliche Befragte.
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Der WHO-5-Wohlbefindens-Index misst das affektive Wohlbefinden auf einer Skala von 0 bis 100, wobei 0 für das niedrigstmögliche und 100 für das höchstmögliche Wohlbefinden steht. Der Index basiert auf fünf positiv formulierten Aussagen: „Ich war froh und in guter Laune“, „Ich habe mich ruhig und entspannt gefühlt“, „Ich habe mich aktiv und energisch gefühlt“, „Ich habe mich beim Aufwachen frisch und ausgeruht gefühlt“ und „Mein Alltag war voller Dinge, die mich interessieren“. Die Befragten geben an, inwieweit diese Aussagen in letzter Zeit auf sie zugetroffen haben, wobei die Antwortskalen von „zu keinem Zeitpunkt“ bis „die ganze Zeit“ reichen. Für die folgende Auswertung wurde ein niedriges affektives Wohlbefinden im Wertebereich von 0 bis 36 angesetzt, basierend auf einer Empfehlung von Allgaier et al. (2012). Als mittleres Wohlbefinden wurde der Bereich 37 bis 71 definiert, während der Wertebereich von 72 bis 100 als hohes affektives Wohlbefinden bewertet wurde.