4.4.3 Substanzkonsum

Die Jugend stellt eine prägende Zeit der Entwicklung dar, während der junge Menschen ihre Identität und ihre Haltung gegenüber gesellschaftlichen Normen (weiter)entwickeln. Diese Lebensphase ist gekennzeichnet durch ein Streben nach mehr Autonomie gegenüber der Herkunftsfamilie, eine zunehmende Bedeutung von Beziehungen zu Freunden sowie eine Neigung, neue Erfahrungen auszuprobieren und gesellschaftliche Normen infrage zu stellen oder zu verletzen (Jackson et al., 2012; Kelley et al., 2004; Leather, 2009; Quenzel & Hurrelmann, 2022). Für einen Teil der Jugendlichen geht diese Phase mit sogenanntem Risikoverhalten einher (Kelley et al., 2004; Leather, 2009; Pfeifer & Allen, 2021). Allgemein wird Risikoverhalten als „jedes bewusst oder unbewusst gesteuerte Verhalten mit einer wahrgenommenen Ungewissheit zu seinem Ausgang und/oder seinem möglichen Nutzen oder seinen möglichen Kosten für das körperliche, wirtschaftliche oder psychosoziale Wohlergehen von sich selbst oder anderen“ (Trimpop, 1994, S. 6) definiert und umfasst unter anderem den Konsum von psychoaktiven Substanzen.

Der Konsum von psychoaktiven Substanzen ist ein Risikofaktor für zahlreiche Krankheiten und Gesundheitsprobleme für alle Altersgruppen (Forouzanfar et al., 2016; Marshall, 2014). Für junge Menschen birgt der Konsum von diesen Substanzen während ihrer physischen, kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklung darüber hinaus ein verstärktes Risiko für negative Einflüsse auf ihre Gesundheit.

Vor allem junge Menschen verbinden mit dem Konsum von psychoaktiven Substanzen jedoch auch positive Effekte wie neue Erfahrungen, soziale Integration und Entspannung (Heinen, Schobel, Residori, Schulze & Samuel, 2021; Nitzko & Seiffge-Krenke, 2009). Zusätzlich kann der Konsum von Substanzen für manche jungen Menschen ein Ausdruck ihrer (Jugend-) Kultur und ihrer Individualität darstellen (Pilkington, 2007).

Diese Ambivalenz zwischen langfristiger Gesundheitsgefährdung und kurzfristiger Steigerung des subjektiven Wohlbefindens ist bezeichnend für junge Menschen und gekoppelt an ihre zentrale Entwicklungsaufgabe, Strategien zu entwickeln, die es ihnen ermöglichen, angemessen zu regenerieren und zu konsumieren (Heinen, Schobel, Residori, Schulze & Samuel, 2021; Quenzel, 2015; Quenzel & Hurrelmann, 2022). Neben der Entwicklung von Werten und Verhaltensweisen gegenüber Substanzen im Rahmen der Entwicklungsaufgabe „Regeneration“ nutzen junge Menschen Substanzen zusätzlich funktional als Hilfsmittel, um andere Entwicklungsaufgaben zu bewältigen oder mit negativen Erfahrungen im Rahmen anderer Entwicklungsaufgaben umzugehen (Hackauf & Quenzel, 2020). Obwohl für die Mehrzahl der jungen Menschen der Konsum psychoaktiver Substanzen dabei nicht im Vordergrund steht, ist es aufgrund der möglichen gesundheitlichen Folgen wichtig, dieses Thema nicht aus den Augen zu verlieren (Heinen, Schobel, Residori, Schulze & Samuel, 2021).

Im Folgenden wird der aktuelle Konsum von Zigaretten und Alkohol sowie die Lebenszeitprävalenz von Cannabis junger Menschen in Luxemburg dargestellt. Der Vergleich des Konsumverhaltens zwischen 2019 und 2024 erlaubt es, zu ergründen, wie sich der Konsum angesichts der COVID-19-Pandemie und jüngster gesetzlicher Veränderungen zum Cannabiskonsum9 entwickelt hat (Charrier et al., 2024). Die 12-bis 29-Jährigen wurden gebeten anzugeben, an wie vielen Tagen in den letzten 30 Tagen sie Alkohol, Zigaretten und Cannabis konsumiert haben. Zusätzlich wurden sie gebeten anzugeben, an wie vielen Tagen sie bisher in ihrem Leben Cannabis konsumiert haben. Die Antworten wurden dichotomisiert, das heißt, in zwei Gruppen unterteilt: „Kein Konsum“ (Konsum an 0 Tagen) sowie „Konsum“ (Konsum an 1–30 Tagen).

Alkoholkonsum

Der Konsum von Alkohol ist kulturell fest verankert und ist die am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz in Luxemburg und vielen anderen Ländern auf dem europäischen Kontinent (WHO Regional Office for Europe, 2025). Im Jugendalter ist Alkoholkonsum besonders bedenklich, da ein früher Einstieg in den Alkoholkonsum die Wahrscheinlichkeit von Alkoholmissbrauch im Erwachsenenalter erhöht und mit physischen sowie funktionellen Beeinträchtigungen des Gehirns (z. B. in Bezug auf die Lernfähigkeit) in Verbindung steht (Grant et al., 2001; Lees et al., 2020; Spear, 2018).

Aufgrund dieser Risiken ist in Luxemburg die Abgabe von Alkohol an Jugendliche unter 16 Jahre gesetzlich untersagt. Diese gesetzliche Einschränkung kann mitbedingen, dass der Anteil von 12- bis 15-Jährigen, die in den letzten 30 Tagen Alkohol getrunken haben, deutlich geringer ist als der anderer Altersgruppen (vgl. Abbildung 4.33). Die Gesetzgebung zum Schutz der Jugendlichen vor Alkoholkonsum ist in den meisten EU-Mitgliedstaaten jedoch restriktiver als in Luxemburg und die Altersgrenze für den Kauf von Alkohol liegt meist bei 18 Jahren (European Union Agency for Fundamental Rights, 2018). Die im Plan d’Action Luxembourgeois contre le Mésusage de l’Alcool (PALMA) 2020–2024 diesbezüglich angestrebte Anpassung der Gesetzgebung ist bisher nicht erfolgt (Ministère de la Santé & PALMA, 2020).

Insgesamt gibt etwa die Hälfte der jungen Menschen im Alter zwischen 12 und 29 Jahren in Luxemburg an, in den vergangenen 30 Tagen Alkohol getrunken zu haben. Unterschiede bestehen nach Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund (vgl. Abbildung 4.33 und Tabellenband): Rund zwei Drittel der jungen Erwachsenen im Alter von 21 bis 29 Jahren geben an, in den letzten 30 Tagen Alkohol getrunken zu haben. Dieser Anteil ist bei den Jugendlichen deutlich geringer: Bei den 12- bis 15-Jährigen liegt der Anteil bei 6 %, bei den 16- bis 20-Jährigen bei rund 45 %. Männliche Befragte geben mit etwa 51 % etwas häufiger als weibliche Befragte (47 %) an, in den letzten 30 Tagen Alkohol getrunken zu haben. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass Personen ohne Migrationshintergrund mit rund 58 % häufiger angeben, in den letzten 30 Tagen Alkohol getrunken zu haben als Personen mit Migrationshintergrund.

Während bei der vorliegenden Untersuchung keine Unterschiede nach subjektivem SES festgestellt wurden, stellte der letzte Bericht zur Situation der Jugend in Luxemburg fest, dass die Prävalenz von Alkoholkonsum bei jungen Menschen mit größeren finanziellen Ressourcen höher ist als bei jungen Menschen mit geringen finanziellen Ressourcen (Heinen, Schobel, Residori, Schulze & Samuel, 2021). Dies könnte auf das sogenannte „Alcohol Harm Paradox“ hinweisen (Boyd et al., 2022). Dieses Paradox beschreibt, dass benachteiligte Gruppen im Vergleich zu begünstigten Gruppen häufiger alkoholbedingte Schäden erleiden, obwohl sie im Durchschnitt einen geringeren Alkoholkonsum aufweisen (Legleye et al., 2024).

Im Vergleich zu 2019 (69,5 %) ist der Anteil der 16- bis 29-Jährigen, die angeben, in den letzten 30 Tagen Alkohol getrunken zu haben, im Jahr 2024 (59,8 %) gesunken (vgl. Abbildung 4.34). Die Verringerung des Alkoholkonsums fällt dabei für alle Bevölkerungsgruppen ähnlich stark aus. Diese Abnahme des Alkoholkonsums bei jungen Erwachsenen wurde in Luxemburg und im Ausland bereits kurz nach der COVID-19-Pandemie beobachtet und scheint sich seitdem nicht fortzusetzen, sondern zu stabilisieren (Bulut et al., 2022; Zolopa et al., 2022). Diese Abnahme des Alkoholkonsums ist jedoch kein gänzlich neues Phänomen, das ausschließlich mit der COVID-19-Pandemie in Verbindung steht, sondern setzt einen Trend fort, den die HBSC-Studie Luxemburg bereits seit 2010 beobachtet (Health Behaviour in School-aged Children Luxembourg Study, 2023a).

Die hier beschriebene Prävalenz des Alkoholkonsums unter den 12- bis 20-Jährigen scheint etwas niedriger als die Prävalenz, die die HBSC-Studie 2022 in Schulen in Luxemburg beobachtet hat (Catunda et al., 2023). Der internationale Vergleich der HBSC-Daten aus dem Jahr 2022 zeigt, wie viele 15-Jährige in den letzten 30 Tagen Alkohol konsumiert haben (Charrier et al., 2024). Luxemburg befindet sich dabei am unteren Ende der teilnehmenden Länder, und der Anteil konsumierender Jugendlicher ist deutlich niedriger als in den Nachbarländern (vgl. Abbildung 4.35). Der durchschnittliche Wert für weibliche und männliche Jugendliche liegt in der internationalen HBSC-Studie bei 38 % für Mädchen und 36 % für Jungen. Dies zeigt, dass Luxemburg dem geschlechterspezifischen Konsumtrend in anderen Ländern nicht folgt, sondern im Durchschnitt einen geringeren Alkoholkonsum bei Mädchen im Vergleich zu Jungen aufweist.

Tabakkonsum

Die europäische Region weist laut Weltgesundheitsorganisation weltweit die höchste Verbreitung von Tabakkonsum auf, und der Tabakkonsum liegt in Luxemburg im Vergleich zu den Ländern dieser Region nur knapp unter dem Durchschnitt (WHO Regional Office for Europe, 2025). Gleichzeitig identifiziert die Global-Burden-of-Disease-2021-Studie Rauchen nach Bluthochdruck als zweitwichtigsten Risikofaktor für verlorene gesunde Lebensjahre (Disability-Adjusted Life Years – DALYs) (Institute for Health Metrics and Evaluation & University of Washington, 2024).

Ähnlich wie in den meisten EU-Mitgliedstaaten ist daher in Luxemburg der Verkauf von Tabakprodukten an unter 18-Jährige gesetzlich untersagt (European Union Agency for Fundamental Rights, 2018). Da Verhaltensweisen wie das Rauchen häufig im Jugendalter ausprobiert und verfestigt werden, stellt gerade diese Lebensphase eine entscheidende Phase für die Prävention von Rauchen und gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums dar (World Health Organisation, 2021). Seit den frühen 2010er-Jahren verbreiten sich neue Nikotin- und Tabakprodukte wie E-Zigaretten, erhitzter Tabak und Nikotinbeutel und erfreuen sich besonders bei Jugendlichen wachsender Beliebtheit (World Health Organisation, 2021). Dabei zeigen aktuelle Meta-Studien, dass E-Zigaretten in ähnlichem Maße wie herkömmliche Zigaretten gesundheitsschädlich sind und abhängig machen (Glantz et al., 2024).

In Luxemburg gibt rund ein Fünftel der 12- bis 29-Jährigen an, in den vergangenen 30 Tagen Tabak in Form von herkömmlichen Zigaretten geraucht zu haben. Deutliche Unterschiede bestehen nach Alter und sozioökonomischem Hintergrund (vgl. Abbildung 4.36): Während über ein Viertel der jungen Erwachsenen im Alter von 21 bis 29 Jahren angeben, in den letzten 30 Tagen geraucht zu haben, ist dieser Anteil bei Jugendlichen mit 3 % der 12- bis 15-Jährigen und 16 % der 16- bis 20-Jährigen deutlich geringer. Junge Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status geben mit 27,5 % häufiger an, in den letzten 30 Tagen geraucht zu haben als junge Menschen mit mittlerem oder hohem sozioökonomischem Status.

Insgesamt hat sich der Tabakkonsum der 16- bis 29-Jährigen zwischen 2019 und 2024 nicht verändert. Eine interessante Beobachtung zeigt sich jedoch, wenn die Entwicklung zwischen 2019 und 2024 nach sozioökonomischem Status getrennt betrachtet wird. Hier scheint sich für junge Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status ein Rückgang des Tabakkonsums anzudeuten, während sich für junge Menschen mit hohem sozioökonomischen Status eine Zunahme zeigt (siehe Tabellenband). Die Stabilisierung des Tabakkonsums junger Menschen, die anhand der YSL-Daten beobachtet wird, zeigt sich auch in der HBSC-Studie Luxemburg (Health Behaviour in School-aged Children Luxembourg Study, 2023b). Der internationale Vergleich der HBSC-Daten aus dem Jahr 2022 zu dem Anteil der 15-jährigen Rauchenden zeigt Luxemburg im Mittelfeld der teilnehmenden Länder mit einem Tabakkonsum nahe dem Durchschnitt von 15 % (Charrier et al., 2024).

Sowohl die nationale als auch die internationale HBSC-Studie kommen zu dem Schluss, dass das Rauchen von E-Zigaretten unter Jugendlichen in Luxemburg mittlerweile genauso weit, wenn nicht sogar weiter verbreitet ist als das Rauchen von traditionellen Zigaretten (Catunda et al., 2023; Charrier et al., 2024): So liegt der Anteil der Schüler, die im Jahr 2022 bei der HBSC-Studie angaben, in den letzten 30 Tagen E-Zigaretten konsumiert zu haben, bei 2,2 % der 11- bis 12-Jährigen, 12,8 % der 13- bis 14-Jährigen, 18,3 % der 15- bis 16-Jährigen und 22,9 % der 17 bis 18-Jährigen (Catunda et al., 2023). Der internationale Vergleich der HBSC-Daten aus dem Jahr 2022 zu dem Anteil der 15-Jährigen, die in den letzten 30 Tagen E-Zigaretten konsumiert haben, zeigt Luxemburg im Mittelfeld der teilnehmenden Länder (Charrier et al., 2024). In Luxemburg gaben 20 % der 15-jährigen Mädchen und 14 % der 15-jährigen Jungen an, in den letzten 30 Tagen E-Zigaretten geraucht zu haben. Dies liegt nahe an dem durchschnittlichen Wert der teilnehmenden Länder, der für die 15-Jährigen in der internationalen HBSC-Studie bei 21 % für Mädchen und 18 % für Jungen liegt (Charrier et al., 2024).

Dieser weit verbreitete Konsum alternativer Tabakprodukte unter Jugendlichen birgt ein großes Risikopotenzial für deren (zukünftige) Gesundheit und stellt große Herausforderungen an die Gesetzgebung und die Akteure der Prävention von Tabakkonsum und tabakbedingter Gesundheitsfolgen.

Cannabiskonsum

Der jährliche Drogenbericht des Point Focal Luxembourgeois de l’Agence de l’Union Européene sur les Drogues kommt zu dem Schluss: „Cannabis stands out as the most commonly used drug at national level“10 (Berndt et al., 2025, S. 16). Im internationalen Vergleich der selbstberichteten Häufigkeiten von Cannabiskonsum liegt Luxemburg im unteren Mittelfeld von 27 europäischen Ländern (European Union Drugs Agency, 2025). Ein internationaler Vergleich des Anteils von Cannabis-Abbauprodukten im Abwasser von 17 europäischen Ländern positioniert Luxemburg jedoch an vierter Stelle und deutet damit auf eine vergleichsweise weite Verbreitung des Cannabiskonsums in Luxemburg hin (Berndt et al., 2025).

Cannabiskonsum kann unter anderem schwächere schulische Leistungen, Stimmungsschwankungen, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie ausgeprägte psychiatrische Symptome bedingen (Chan et al., 2024; Hall et al., 2020; Hindley et al., 2020). Studien belegen, dass Cannabiskonsum bei Jugendlichen insbesondere aufgrund der nicht abgeschlossenen neurologischen Entwicklung mehr Schaden anrichtet als bei Erwachsenen (Albaugh et al., 2021; Volkow et al., 2014). Daher ist es umso bedenklicher, dass 2019 der Anteil der Cannabiskonsumierenden in der Altersgruppe der 15- bis 18-Jährigen höher war als in der Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen oder der 15- bis 64-Jährigen (Berndt et al., 2025). Die positiven Auswirkungen, die gerade junge Menschen beim Cannabiskonsum verfolgen, umfassen viele Aspekte und reichen von Genuss und Gruppenzugehörigkeit über die Steigerung des Wohlbefindens bis hin zur Problembewältigung (Simons et al., 1998).

Im Jahr 2023 wurde das Gesetz zum Verkauf von Arzneistoffen und zu der Bekämpfung von Drogenmissbrauch in Luxemburg angepasst,11 um den Freizeitkonsum von Cannabis zu legalisieren. Das Gesetz erlaubt den Konsum, Anbau und Besitz von Cannabis oder Cannabisprodukten bis zu drei Gramm durch eine volljährige Person an ihrem Wohnsitz unter bestimmten Bedingungen. Die Abgabe von Cannabis an Minderjährige sowie der Konsum in deren Gegenwart bleibt jedoch verboten und wird mit Freiheits- und/oder Geldstrafen geahndet (Police Lëtzebuerg, 2025). Eine Studie der Luxemburger Regierung zwei Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes unter Volljährigen ergab, dass 15,9 % der Cannabiskonsumierenden nach Inkrafttreten des Gesetzes das erste Mal Cannabis konsumiert hatten, 4,5 % der Cannabiskonsumierenden ihren Konsum erhöht hatten und 11,2 % es für wahrscheinlich hielten, dass sie ihren Konsum erhöhen (Direction de la Santé, 2025). Es ist daher unabdingbar, zu untersuchen, ob es durch diese Gesetzesänderung und den damit verbundenen gesellschaftlichen Diskurs zu einer Veränderung des Cannabiskonsums junger Erwachsener in Luxemburg gekommen ist.

In Luxemburg geben rund 8 % der 12- bis 29-Jährigen an, in den letzten 30 Tagen Cannabis konsumiert zu haben. Unterschiede bestehen nach Alter, sozioökonomischem Hintergrund und Geschlecht (vgl. Abbildung 4.37): Der Anteil der Cannabiskonsumierenden ist in der Altersgruppe der 12- bis 15-Jährigen erwartungsgemäß mit 1 % am niedrigsten, steigt jedoch mit dem Alter bis auf 13 % in der Altersgruppe der 21- bis 25-Jährigen, um danach wieder leicht zu fallen. Junge Menschen mit niedrigem SES geben mit rund 12 % häufiger an, in den letzten 30 Tagen Cannabis konsumiert zu haben als junge Menschen mit mittlerem oder hohem SES (etwa 8 %). Ebenso geben männliche Befragte mit etwa 10 % häufiger als weibliche Befragte mit 6 % an, in den letzten 30 Tagen Cannabis konsumiert zu haben.

Im Vergleich zu 2019 hat sich der Cannabiskonsum junger Menschen in Luxemburg im Jahr 2024 nicht wesentlich verändert. Lediglich für die 16- bis 20-Jährigen lässt sich ein Rückgang des Anteils junger Erwachsener feststellen, die angeben, in den letzten 30 Tagen Cannabis konsumiert zu haben – von rund 13 % im Jahr 2019 auf 7 % im Jahr 2024 (siehe Tabellenband). Da die Gesetzesänderung jedoch erst ein Jahr vor der Datenerhebung des YSL 2024 in Kraft getreten ist, lässt sich anhand dieser Ergebnisse nicht ausschließen, dass die Gesetzänderung und der damit verbundene gesellschaftliche Diskurs langfristig zu Änderungen im Cannabiskonsum junger Menschen in Luxemburg führt.

Zur internationalen Einordnung dieser Ergebnisse wird auf die Resultate der internationalen HBSC-Studie zurückgegriffen. Hierbei wird sowohl der Konsum von Cannabis in den letzten 30 Tagen als auch die Lebenszeitprävalenz des Cannabiskonsums12 der 15-Jährigen berücksichtigt: Für beide Indikatoren zeigt der internationale Vergleich der HBSC-Daten aus dem Jahr 2022, dass die Anteile für Luxemburg deutlich über dem Durchschnitt der Länder, die an der HBSC-Studie teilnehmen, liegen. Luxemburg liegt dabei auf dem fünften beziehungsweise sechsten Rang der teilnehmenden Länder (Charrier et al., 2024). Abbildung 4.38 zeigt die Lebenszeitprävalenz des Cannabiskonsums der 15-Jährigen in Luxemburg im Vergleich zu den Nachbarländern und dem Durchschnitt der teilnehmenden Länder.

Zusammenfassend lässt sich beobachten, dass die Verbreitung der herkömmlichen Formen des Konsums psychoaktiver Substanzen unter jungen Menschen in Luxemburg stabil oder rückläufig ist. Der ausbleibende Rückgang des Tabak- und Cannabiskonsums junger Menschen und dessen vergleichsweise weite Verbreitung unter jungen Menschen mit niedrigem sozioökonomischen Status sowie die rapide Verbreitung alternativer Konsumformen für Tabak und Nikotin machen jedoch die Aufrechterhaltung und den Ausbau bestehender Präventionsmaßnahmen erforderlich. Dabei sollte auf evidenzbasierte, zielgruppenspezifische, geschlechtersensible, entwicklungsangemessene und ethisch vertretbare Präventionsmaßnahmen geachtet werden, die internationalen Standards entsprechen (Charrier et al., 2024). Ein kontinuierliches und weiterausgebautes Monitoring des Substanzkonsums und -verhaltens junger Menschen in Luxemburg kann dazu beitragen, Schwerpunkte für die (Sucht-)Prävention zu identifizieren und die Wirksamkeit von Maßnahmen zu bewerten.

Betrachtet man, wie oben erläutert, den Konsum psychoaktiver Substanzen als Teil der zentralen Entwicklungsaufgabe, Strategien des Regenerierens und Konsumierens auszubilden und als Hilfsmittel zur Bewältigung von anderen Entwicklungsaufgaben, erschließt sich, warum ganzheitliche und emanzipatorische Konzepte der (Sucht-)Prävention vermehrt umgesetzt werden sollten (Michaelis et al., 2022). Diese Ansätze zielen unter anderem darauf ab, durch Wissensvermittlung und eine ganzheitliche Förderung der psychischen Gesundheit und Resilienz, junge Menschen zu befähigen, frei von (psychischem) Leidensdruck einen reflektierten Umgang mit psychoaktiven Substanzen zu entwickeln (Michaelis et al., 2022). Insbesondere junge Menschen sollten von den Akteuren der (Sucht-)Prävention in diesem Sinne unterstützt und begleitet werden (Origer, 2022).

Gleichzeitig sollten neue Erkenntnisse und Entwicklungen zu psychoaktiven Substanzen aufmerksam betrachtet und die bestehende Gesetzgebung entsprechend angepasst werden. Insbesondere für die alternativen Tabakprodukte wie E-Zigaretten sollten weitere Anstrengungen unternommen werden, die Verfügbarkeit, Attraktivität, Suchtgefahr und Toxizität für junge Menschen zu reduzieren (Charrier et al., 2024). Ebenso könnte die im Plan d’Action Luxembourgeois contre le Mésusage de l’Alcool (PALMA) 2020–2024 angestrebte Anpassung der Gesetzgebung zum Schutz der Jugendlichen vor Alkoholkonsum umgesetzt werden (Ministère de la Santé & PALMA, 2020).


  • 9

    Version consolidée applicable au 21/07/2023: Loi du 19 février 1973 concernant la vente de substances médicamenteuses et la lutte contre la toxicomania, https://legilux.public.lu/eli/etat/leg/loi/1973/02/19/n1/consolide/20230721.

  • 10

    Übersetzung der Autorin: „Cannabis sticht auf nationaler Ebene als meistgenutzte Droge hervor.“

  • 11

    Version consolidée applicable au 21/07/2023: Loi du 19 février 1973 concernant la vente de substances médicamenteuses et la lutte contre la toxicomania, https://legilux.public.lu/eli/etat/leg/loi/1973/02/19/n1/consolide/20230721.

  • 12

    Die Lebenszeitprävalenz des Cannabiskonsums bezeichnet den Anteil der Personen, die angeben, in ihrem Leben mindestens einmal Cannabis konsumiert zu haben.