Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung zeigen, dass junge Menschen in Luxemburg gesellschaftliche Veränderungen zunehmend wahr- und ernst nehmen. Seit 2019 ist ein deutlicher Anstieg von Sorgen über Krieg in Europa, Gewalt, wirtschaftliche Unsicherheit und Zuwanderung zu beobachten. Gleichzeitig nimmt das politische Interesse ab: Viele junge Menschen fühlen sich von der Politik nicht gehört, wissen nicht, wie sie Einfluss nehmen können, und begegnen Politik mit Skepsis. Klassische Formen politischer Beteiligung wie die Mitarbeit in Parteien spielen eine untergeordnete Rolle. Jedoch engagieren sich viele im sozialen Nahraum und nutzen alternative Ausdrucksformen wie Online-Posts, Unterschriftensammlungen oder Boykotts, um ihre Meinung zu äußern.
Es könnte hilfreich sein, gezielte Bildungs- und Informationskampagnen durchzuführen, um das Interesse und Bewusstsein für die Bedeutung der Politik und der politischen Teilhabe junger Menschen zu fördern. Gleichzeitig sollten junge Menschen ermutigt werden, durch traditionelles politisches und zivilgesellschaftliches Engagement politisch teilzuhaben. Andererseits gilt es, in der Gesellschaft, Politik und Regierung, alternative Möglichkeiten der Teilhabe und tatsächlichen Einflussnahme zu eröffnen, die für junge Menschen attraktiv und zugänglich sind.
Auch das soziale Umfeld spielt eine wichtige Rolle für das Erleben junger Menschen. Zwar berichten rund drei Viertel von einer hohen Unterstützung durch Familie und Freunde, doch ist diese im Vergleich zu 2019 leicht zurückgegangen. Besonders Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischem Status fühlen sich im Durchschnitt weniger unterstützt als Gleichaltrige mit mittlerem oder hohem SES. Es gilt, diesen Benachteiligten jungen Menschen und ihre Familien zusätzliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen und somit Energie und Zeit für die soziale Unterstützung freizusetzen.
In der Freizeitgestaltung dominieren digitale Medien: Soziale Netzwerke, Musik und Internetnutzung sind die häufigsten Aktivitäten. Mit zunehmendem Alter verändern sich jedoch die Freizeitgewohnheiten – Aktivitäten wie Ausgehen, Naturaufenthalte oder medienbasierte Beschäftigungen nehmen zu, während andere wie Fernsehen oder Konsolenspiele abnehmen. Auch hier zeigen sich Unterschiede nach Geschlecht, SES und Migrationshintergrund. Der zweite Teil dieses Berichtes geht intensiv und detailliert auf die Risiken und Chancen dieser digitalen Freizeitbeschäftigungen ein und zeigt Handlungsfelder und Empfehlungen auf.
Besorgniserregend ist die Entwicklung im Bereich Wohlbefinden und psychische Gesundheit. Ein Viertel der Jugendlichen weist ein niedriges Wohlbefinden auf, das sich seit 2019 zudem verschlechtert hat. Besonders betroffen sind junge Menschen mit niedrigem SES sowie junge Frauen. Auch der subjektive Gesundheitszustand variiert stark mit dem SES: Während rund ein Drittel der Jugendlichen insgesamt einen sehr guten Gesundheitszustand angibt, trifft dies nur auf etwa die Hälfte der Jugendlichen mit niedrigem SES zu. Zudem leidet etwa ein Drittel der jungen Menschen unter multiplen psychosomatischen Beschwerden – psychische Symptome treten dabei drei Mal häufiger auf als körperliche und haben seit 2019 deutlich zugenommen, insbesondere bei jungen Frauen. Konkrete Gründe für die Verschlechterung der Situation junger Frauen sind bisher nicht ausreichend erforscht und stellen einen Auftrag für die Forschung und Politik dar. Gleichzeitig gilt es, die Ungleichheiten in der Gesellschaft gezielt zu reduzieren, damit alle jungen Menschen die Möglichkeit haben, sich bei voller Gesundheit den Entwicklungsaufgaben der Jugend zu stellen und sich zu entwickeln.
Beim Konsum psychoaktiver Substanzen zeigen sich einige positive Entwicklungen: Der Alkoholkonsum der jungen Menschen ist rückläufig, ihr Cannabiskonsum hat nach der Anpassung der Gesetzeslage bisher nicht zugenommen und der Konsum von Tabak in Form herkömmlicher Zigaretten ist auf einem historisch tiefen Niveau stabil. Die zunehmende Verbreitung von alternativen Tabakprodukten wie E-Zigaretten stellt jedoch ein wesentliches Risiko für die Gesundheit junger Menschen in Luxemburg dar; dies stellt Politik und (Sucht-)Prävention vor neue Herausforderungen. Darüber hinaus sollte dem vergleichsweise höheren Anteil junger Menschen mit niedrigem SES, die Tabak und Cannabis konsumieren, verstärkt Aufmerksamkeit gewidmet werden.