Ein differenzierter Blick auf Besitz und geteilte Nutzung digitaler Endgeräte ist unerlässlich, weil sich erst aus der exklusiven Verfügbarkeit eines Geräts die Möglichkeit zu einem uneingeschränkten zeitlichen Zugang zu Lernplattformen, Videokonferenz‑Tools und hausaufgabenrelevanten Ressourcen ergibt. Die COVID-19-Pandemie hat verdeutlicht, dass Familien, in denen sich mehrere Kinder ein Laptop oder Tablet teilen mussten, deutlich häufiger Unterrichtsausfälle, verkürzte Lernzeiten und größere Lernrückstände erlebten (Huber & Helm, 2020). Internationale Vergleichsdaten belegen, dass Schülerinnen und Schüler mit eigenem Endgerät häufiger am Fernunterricht teilnahmen und geringere Kompetenzverluste aufweisen (OECD, 2021). Studien zur Digital Divide zeigen zudem, dass Erhebungen, die lediglich die bloße Haushaltsverfügbarkeit erfassen, das Ausmaß verdeckter Zugangshürden unterschätzen: Wer ein Gerät mit Geschwistern teilt, verfügt faktisch über weniger Nutzungszeit und Kontrolle (A. J. van Deursen, 2020). Eine klare Unterscheidung zwischen Eigentum und geteilter Nutzung macht somit jene jungen Menschen sichtbar, deren Lernchancen durch begrenzte Hardware‑Kapazitäten gefährdet sind und die in Krisensituationen auf schulische oder staatliche Leihprogramme angewiesen bleiben (van Lancker & Parolin, 2020).1
Die Mehrheit der jungen Menschen besitzt (95 %) oder teilt (3 %) ein Smartphone im Haushalt (vgl. Abbildung 5.1). Bei anderen mobilen Endgeräten zeigt sich, dass 64 % der jungen Menschen einen Laptop besitzen und weitere 22 % sich einen Laptop teilen, während 53 % einen Tablet-PC besitzen und weitere 18 % sich einen Tablet-PC teilen. Eine Spielkonsole besitzen rund 37 % der Jugendlichen. Weitere 29 % teilen sich eine Spielkonsole im Haushalt. Einen Desktop-PC besitzen rund 27 % der Jugendlichen, während sich knapp 22 % der Jugendlichen einen Desktop-PC im Haushalt teilen. Smartwatches besitzen knapp 32 % der Jugendlichen und diese werden nur zu 4 % geteilt, während knapp 16 % der Jugendlichen einen E-Reader besitzen, den 10 % von ihnen teilen (vgl. Abbildung 5.1).
Weibliche Jugendliche besitzen etwas häufiger Smartphones, während diese bei männlichen Jugendlichen eher geteilt genutzt werden. Männliche Jugendliche verfügen deutlich häufiger als weibliche über einen Desktop-PC und eine Spielkonsole, während es bei weiblichen Jugendlichen eher Tablet und E-Reader sind. Die vorliegenden Ergebnisse legen nahe, dass geschlechtsspezifische Sozialisationsprozesse einen Einfluss darauf haben können, dass Jungen früh an leistungs- und spielorientierte Desktop-PCs herangeführt werden, während Mädchen tendenziell eher mobil flexible Geräte nutzen, die kommunikatives Arbeiten und Lesen begünstigen (Hargittai & Shafer, 2006). Gleichzeitig verstärken marktseitige Strategien, von Produktdesign bis Werbeanregungen, die Digital Divide, indem Gaming-Konsolen und leistungsstarke PCs gezielt maskulin konnotiert und Tablets und E-Reader hingegen als weibliche „Lifestyle-Tools“ vermarktet werden (Kerras et al., 2020). Dies steht im Einklang mit den geschlechtsspezifischen Nutzungsmustern im Bereich des Gamings und der sozialen Medien, die in Abschnitt 5.3 detaillierter erläutert werden. Hingegen gibt es kaum Geschlechterunterschiede im Besitz von Laptops und Smartwatches.
Im Vergleich zu den 21- bis 29-Jährigen besitzen die 12- bis 20-Jährigen seltener ein Smartphone, einen Desktop-PC oder Laptop. Umgekehrt werden diese Geräte bei den Jüngeren überwiegend im Haushalt geteilt. Dafür besitzen die jüngeren Altersgruppen häufiger Tablets. Eine mögliche Erklärung für den höheren Tablet-Besitz dieser Altersgruppen könnte die luxemburgische Bildungsinitiative one2one sein. Im Rahmen dieser Initiative erhalten Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe gegen eine jährliche Gebühr von 50 Euro ein Tablet für schulische Zwecke. Der Besitz von E-Readern, Smartwatches und Spielkonsolen unterscheidet sich zwischen den Altersgruppen hingegen nicht wesentlich.
Insbesondere jungen Menschen mit Migrationshintergrund der ersten Generation,2 aber auch jungen Menschen mit Migrationshintergrund der zweiten Generation stehen seltener Smartphones, Tablets, Spielkonsolen, Desktop-PCs und E-Reader im Haushalt zur Verfügung als jungen Menschen ohne Migrationshintergrund.
Im Gegensatz dazu verfügen junge Menschen aus Haushalten mit höherem sozioökonomischem Status3 deutlich häufiger über eigene Laptops, Tablets, Desktop-PCs und E-Reader zur alleinigen Nutzung.
Der Zugang zu digitalen Geräten über Bildungseinrichtungen ist eine wesentliche Säule der digitalen Teilhabe junger Menschen in Luxemburg. Im Kontext der Digitalisierung und der sich daraus ergebenden Bildungsanforderungen gewinnt die Bereitstellung von Tablets und Laptops durch Bildungseinrichtungen an Relevanz. Um zu erheben, inwieweit solche Geräte institutionell zur Verfügung gestellt werden, wurde jungen Menschen in Luxemburg die folgende Frage gestellt: „Wurde einer der Laptops und/oder eines der Tablets, die du erwähnt hast, von deiner Schule/Universität zur Verfügung gestellt?“ Die Abbildung 5.2 veranschaulicht den Anteil der von Bildungseinrichtungen bereitgestellten Laptops und Tablets, die von jungen Menschen im Haushalt genutzt werden. Des Weiteren wird hinsichtlich der Art des Verleihens – mit oder ohne Einschränkungen in der Nutzungsweise seitens der Einrichtungen – unterschieden.
Insgesamt gaben etwa 44 % der Befragten an, ihr Tablet oder Laptop durch die Bildungseinrichtung zur Verfügung gestellt bekommen zu haben. Der Großteil dieser jungen Menschen gab an, uneingeschränkten Zugang zu einem digitalen Endgerät über die Schule zu haben, während sich ein kleiner Teil nicht sicher war, ob es Einschränkungen gibt.
Deutliche Unterschiede zeigen sich hinsichtlich des Alters der jungen Menschen. So berichten jüngere Altersgruppen (12- bis 20-Jährige) wesentlich häufiger, dass ihnen Tablets und Laptops von Bildungseinrichtungen bereitgestellt wurden. Dies ist hauptsächlich auf Initiativen wie das luxemburgische one2one-Programm zurückzuführen, das Schülerinnen und Schülern gegen eine geringe Gebühr Tablets zur Verfügung stellt.
Mit Blick auf den sozioökonomischen Status (SES) wird deutlich, dass junge Menschen aus Haushalten mit einem niedrigeren oder mittleren SES häufiger angeben, Geräte durch Bildungseinrichtungen zur Verfügung gestellt bekommen zu haben. Im Hinblick auf die Befunde zur Ausstattung der Haushalte mit digitalen Endgeräten wird deutlich, dass die Angebote der Bildungseinrichtungen sozioökonomische Ungleichheiten zwar kompensieren, dies jedoch noch nicht vollständig gelingt.
Hinsichtlich des Migrationshintergrunds sowie des Geschlechts lassen sich keine Unterschiede in der Nutzung dieser Verleihangebote beobachten.
Zusammenfassend zeigt die Bestandsaufnahme, dass der Zugang zu digitalen Endgeräten in Luxemburg insgesamt zwar hoch, jedoch von einer deutlichen sozialen Ungleichverteilung geprägt ist. Während Smartphones nahezu flächendeckend verfügbar sind, unterscheiden sich insbesondere der Besitz und die Bereitstellung von Lern- und Arbeitsgeräten wie Desktop-PCs und Tablets nach Geschlecht, Alter, Migrationsstatus und subjektivem SES. Die schulische Bereitstellung digitaler Geräte – etwa im Rahmen des one2one-Programms – erreicht dabei zwar jüngere Altersgruppen vergleichsweise effektiv, kann jedoch bestehende Ungleichheiten nicht vollständig ausgleichen. Um die digitale Teilhabe aller jungen Menschen zu ermöglichen, sind gezielte Maßnahmen notwendig, die insbesondere sozioökonomisch benachteiligte junge Menschen und solche mit Migrationshintergrund stärker adressieren.
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Zu beachten ist, dass in der Befragung die Verfügbarkeit zur Nutzung und nicht der Besitz erhoben wurde. Während die Verfügbarkeit bei den älteren Altersgruppen oft de facto Eigentum bedeutet, handelt es sich bei den jüngeren Altersgruppen meist um Geräte im Besitz der Kinder, aber im Eigentum der Eltern. Diese Unterscheidung ist wichtig, um Alters- und Haushaltsunterschiede richtig interpretieren zu können (vgl. van Dijk, 2005).
- 2
In Luxemburg bezieht sich der Migrationshintergrund der ersten Generation auf junge Menschen, die selbst im Ausland geboren wurden, während der Migrationshintergrund der zweiten Generation Personen umfasst, deren Eltern im Ausland geboren wurden. Die begriffliche und empirische Fassung von Migration ist mit vielfältigen theoretischen Vorannahmen und methodischen Herausforderungen verbunden; deshalb wird der Begriff in Kapitel 4 vertiefend erläutert. Der Migrationshintergrund wird in den Abbildungen nicht ausgewiesen, da diese lediglich bivariate Zusammenhänge zeigen. Er wird stattdessen separat in ein multivariates Regressionsmodell mit Kontrolle des sozioökonomischen Status einbezogen. Demzufolge beruhen alle im Text genannten signifikanten Effekte auf diesem Modell.
- 3
In der vorliegenden Studie wird der sozioökonomische Status stets als der subjektiv empfundene sozioökonomische Status der Familie der jungen Menschen definiert (siehe Kapitel 4).