Im Rahmen der First-Level Digital Divide, also der Zugangsebene, die den physischen Anschluss an Kommunikationsnetze umfasst, ist der Zugang zum Internet eine zentrale Voraussetzung für digitale Teilhabe (van Dijk, 2020). Dabei ist nicht nur entscheidend, ob ein Zugang besteht, sondern auch, wie dieser gestaltet ist. Grundsätzlich lassen sich drei zentrale Verbindungstypen unterscheiden: Öffentliche WLAN-Netzwerke sind häufig unverschlüsselt oder nur rudimentär gesichert. Sie erfordern kein individuelles Passwort und ermöglichen potenziellen Angreifern dadurch den Zugriff (Sniffing) auf übertragene Daten. Diese Netzwerke sind besonders anfällig für sogenannte „Man-in-the-Middle“-Angriffe, bei denen die Kommunikation zwischen Nutzenden und Zielservern abgefangen und manipuliert werden kann (R. Anderson, 2020; BEE SECURE, 2023a). Private WLAN-Verbindungen sind dagegen in der Regel durch individuelle Zugangsdaten geschützt und bieten bei entsprechender Konfiguration (z. B. WPA3-Verschlüsselung) einen deutlich höheren Schutz. Die tatsächliche Sicherheit hängt jedoch stark von der Nutzerpraxis (z. B. Passwortwahl, Durchführung von Firmware-Updates) und der Netzarchitektur ab (A. van Deursen & Helsper, 2015). Mobile Netzwerke (z. B. 4G/5G) gelten derzeit als vergleichsweise sicher. Sie nutzen standardisierte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und sind schwerer abzufangen oder zu kompromittieren als WLANs (Cosquer et al., 2022). Insbesondere 5G-Technologien bieten zudem geringe Latenzzeiten und hohe Datenübertragungsraten, wodurch sie derzeit die technisch leistungsfähigste mobile Zugangstechnologie darstellen (International Telecommunication Union [ITU], 2021).
Neben der Sicherheit spielen auch die Stabilität und die Geschwindigkeit der Verbindung eine wichtige Rolle. Private Festnetzanschlüsse, insbesondere Glasfaserverbindungen, bieten im internationalen Vergleich eine hohe Übertragungsqualität und gelten als besonders zuverlässig (OECD, 2021). Öffentliche WLANs hingegen sind häufig durch hohe Nutzerzahlen überlastet und unterliegen technischen Drosselungen. Auch mobile Datenverbindungen können abhängig von der Netzabdeckung und dem Tarif stark schwanken. Ein pauschaler Rückschluss, dass private Internetverbindungen grundsätzlich besser für Bildung geeignet seien, greift jedoch zu kurz. Entscheidend ist nicht allein die Zugangstechnologie, sondern deren konkrete Ausgestaltung im Alltag: Netzabdeckung, Tarifbeschränkungen, Haushaltskontext und Geräteverfügbarkeit spielen eine ebenso große Rolle wie technische Standards (Hargittai & Hinnant, 2008; Helsper et al., 2021). Gerade im Kontext digitaler Bildung sind stabile, sichere und leistungsfähige Verbindungen essenziell, da Videoformate, kollaborative Plattformen und interaktive Lernumgebungen hohe Anforderungen an Bandbreite und Konnektivität stellen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Jugendliche mit instabilen oder unsicheren Verbindungen häufiger von digitalen Bildungsangeboten ausgeschlossen sind oder diese nur eingeschränkt nutzen können (Görzig & Olafsson, 2013; Köller et al., 2022; Ren & Zhu, 2024; Yeh & Tsai, 2022).
Im Rahmen des Youth Survey Luxembourg 2024 gaben über 90 % der jungen Menschen4 in Luxemburg an, einen privaten Festnetzanschluss zu Hause zu haben. Etwa 4 % der Jugendlichen greifen primär über mobile Datenverbindungen auf das Internet zu, weitere 2 % nutzen öffentliche WLANs. Weitere 4 % der Befragten gaben an, über keinen eigenen Internetzugang im Haushalt zu verfügen.
Soziale Unterschiede zeigen sich dabei insbesondere entlang des Migrationshintergrunds: Während nur 2 % der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund keinen Internetzugang zu Hause haben, sind es bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund 4 bis 5 %. Zudem nutzen rund 94 % der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund einen Festnetzanschluss, bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund der ersten Generation sind es nur 87 %. Diese greifen signifikant häufiger auf öffentliche WLANs zurück, was mit höheren Risiken und einer geringeren Nutzungsqualität verbunden sein kann (A. van Deursen & van Dijk, 2019).
Diese Befunde verdeutlichen, dass auch in Luxemburg die First-Level Digital Divide noch nicht vollständig überwunden ist. Trotz einer hohen technischen Grundversorgung bestehen strukturelle Unterschiede in der Qualität und Sicherheit des Internetzugangs, die mit sozioökonomischen und migrationsbezogenen Ungleichheiten verknüpft sind. Sie können bestehende soziale Disparitäten im Bereich digitaler Bildung und Teilhabe weiter verfestigen (Calderón Gómez, 2019; van Dijk, 2020).
Zusammenfassend zeigt Unterkapitel 5.2, dass junge Menschen in Luxemburg weitgehend Zugang zu digitalen Geräten und zum Internet haben, dieser Zugang jedoch durch soziale Faktoren wie Geschlecht, Alter, sozioökonomischer Status und Migrationshintergrund geprägt ist. Während Smartphones nahezu universell verfügbar sind, bestehen deutliche Unterschiede beim Besitz von Laptops, Desktop-PCs und Tablets. Besonders junge Menschen aus sozioökonomisch schwächeren Haushalten sowie solche mit Migrationshintergrund haben einen geringeren Zugang zu diesen für Bildung und Beruf wichtigen Geräten. Die Analysen verdeutlichen, dass die Verfügbarkeit und der exklusive Zugang zu digitalen Geräten wesentlich für eine effektive Teilnahme am digitalen und gesellschaftlichen Leben sind und soziale Ungleichheiten verstärken oder verringern können. Insgesamt wird deutlich, dass trotz hoher technischer Versorgungslage digitale Teilhabechancen ungleich verteilt bleiben.