5.3.1 Dimensionen digitaler Kompetenzen

Der Begriff „digitale Kompetenz” ist theoretisch vielschichtig und empirisch nicht einheitlich operationalisiert. Während einige Ansätze, wie der der OECD, darunter primär technisch-funktionale Fertigkeiten im Umgang mit Geräten und Software fassen, betonen andere Konzepte wie die Digital Literacy-Perspektive auch kritisch-reflexive und kreative Dimensionen, die mit digitaler Mediennutzung einhergehen (Spante et al., 2018). Weitere Modelle, wie das DigComp-Rahmenwerk der Europäischen Kommission (Carretero et al., 2017), unterscheiden zusätzlich zwischen Problemlösen, Sicherheitsbewusstsein und Kommunikation in digitalen Räumen. Eine umfassende Erfassung digitaler Kompetenz setzt somit stets theoretische Schwerpunktsetzungen und Abgrenzungen voraus.

Vor dem Hintergrund dieser Vielfalt an Konzepten wurde eine pragmatische und zugleich theoriegeleitete Operationalisierung gewählt. Deshalb befasst sich dieser Abschnitt mit den verschiedenen Arten von digitalen Kompetenzen, die in der Fachliteratur als wesentlich für eine erfolgreiche Teilnahme an der heutigen digitalen Welt identifiziert werden. Die folgende Kategorisierung lehnt sich eng an das Digital Skills Framework (Helsper et al., 2021) und die europaweite Studie EU Kids Online 2020 (Shmael et al., 2020) an. Die in diesen Arbeiten identifizierten Kompetenzbereiche wurden für den vorliegenden Bericht übernommen und bilden die Grundlage für die folgende Einteilung:

  • Technische und operative Kompetenzen: Diese Kompetenzen umfassen die Fähigkeit, digitale Geräte und Anwendungen effizient zu nutzen und zu verwalten. Dazu zählen das Verständnis von Hard- und Software sowie die Fähigkeit, grundlegende technische Probleme zu lösen.
  • Informations- und Navigationskompetenzen: Diese Kompetenzen betreffen die effiziente Suche, Bewertung und Nutzung von Informationen im Internet. Dies beinhaltet die Navigation im Internet, die Nutzung von Suchmaschinen und die Fähigkeit, glaubwürdige von unglaubwürdigen Quellen zu unterscheiden.
  • Content Creation: Content-Produktion bzw. Erstellung von Inhalten beschreibt die Fähigkeit, digitale Inhalte wie Texte, Bilder, Audio und Videos zu erstellen. Dies umfasst auch den Einsatz verschiedener Software-Tools, um Inhalte zu bearbeiten, zu gestalten und auf digitalen Plattformen zu veröffentlichen.

Diese Einteilung erlaubt eine differenzierte Analyse sowohl funktionaler Basisfertigkeiten als auch kreativer und kognitiver Anforderungen, ohne den Anspruch auf eine vollständige Erfassung aller denkbaren Facetten digitaler Kompetenz zu erheben. Sie orientiert sich an etablierten internationalen Standards (u. a. EU Kids Online) und wurde an den luxemburgischen Kontext angepasst, um einerseits die Vergleichbarkeit mit anderen Studien zu gewährleisten und andererseits die spezifischen digitalen Lebenswelten junger Menschen in Luxemburg adäquat abzubilden.

Im Folgenden wird beschrieben, wie verbreitet diese verschiedenen digitalen Kompetenzen unter den jungen Menschen in Luxemburg sind, und ob Unterschiede zwischen bestimmten sozialen Gruppen bestehen.