Das Thema (Cyber-)Mobbing, auch Cyberbullying genannt, hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen, da die digitale Welt neue Formen von Mobbing und Gewalt unter Jugendlichen ermöglicht. Mobbing ist dabei eine besondere Form der Gewalt, bei der ein Machtungleichgewicht zwischen Opfern und Tätern besteht. Darunter werden negative physische oder verbale Handlungen gefasst, die mit der Absicht zu schädigen ausgeübt werden und über einen längeren Zeitraum wiederholt werden (vgl. Craig & Pepler, 1998; D. Olweus, 1994). Dieses Kapitel beleuchtet die Erfahrungen von Jugendlichen in Luxemburg mit Mobbing, sowohl online als auch offline, und untersucht dessen Verbreitung. Zusätzlich wird auf die Literatur und Ergebnisse von luxemburgischen Studien zu Risikofaktoren und möglichen Folgen eingegangen. Die internationale HBSC-Studie 2021/2022 zeigt, dass Mobbing unter Schülern ein weit verbreitetes Problem ist, das in verschiedenen Ländern auftritt und sowohl das psychische Wohlbefinden als auch die schulischen Leistungen von Jugendlichen erheblich beeinträchtigen kann (Cosma et al., 2024).
Cybermobbing, eine besondere Form des Mobbings, die über digitale Plattformen stattfindet, stellt für Betroffene und deren Umfeld eine zusätzliche Herausforderung dar, da es für Außenstehende unsichtbar bleibt und unabhängig von räumlichen und zeitlichen Grenzen auftreten kann. Damit ist gemeint, dass die Angriffe häufig im Verborgenen stattfinden, zum Beispiel in privaten Chats, über Direktnachrichten oder auf Profilen mit eingeschränkter Sichtbarkeit, und daher von Lehrkräften, Eltern oder Gleichaltrigen oft nicht bemerkt werden können. Neben der Anonymität sind auch die größere Reichweite und die Sichtbarkeit zu erwähnen, welche dazu führen, dass Mobbing-Angriffe schnell eine breite Öffentlichkeit erreichen und somit erheblichen Schaden für die Betroffenen verursachen können. Zudem besteht eine gewisse Persistenz der Posts, die nur schwer entfernt werden können. Dies erhöht den Leidensdruck der Betroffenen zusätzlich, da beleidigende oder herabwürdigende Inhalte oft lange Zeit online verfügbar bleiben und immer wieder auftauchen können. Als Cybermobbing wird im Folgenden die Veröffentlichung von böswilligen Nachrichten, E-Mails, SMS oder Pinnwandeinträgen11, die Erstellung von Internetseiten, um sich über eine Person lustig zu machen, oder das unerlaubte Einstellen oder Versenden unvorteilhafter Fotos von jemandem bezeichnet (Kowalski et al., 2014).
Jugendliche sind häufig sowohl mit analogen als auch digitalen Formen des Mobbings konfrontiert, was die Notwendigkeit unterstreicht, beide Phänomene gemeinsam zu betrachten. Zusätzlich ist es wichtig, sowohl Viktimisierung als auch die Täterschaft von Jugendlichen bei Mobbing in den Blick zu nehmen. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass Viktimisierung und Täterschaft häufig verflochten sind. In diesem Unterkapitel wird untersucht, wie sich diese Formen des Mobbings in Schulen in Luxemburg manifestieren, welche sozialen Gruppen besonders betroffen sind und welche präventiven Ansätze entwickelt werden können, um das Wohlbefinden und die Sicherheit der Jugendlichen zu fördern.
Mobbing in der Schule
Die Ergebnisse zeigen, dass etwa 12 % der Jugendlichen in den letzten Monaten zum Zeitpunkt der Befragung mindestens einmal andere Jugendliche in der Schule gemobbt haben. Etwa 22 % der Jugendlichen geben an, in der Schule gemobbt worden zu sein (vgl. Abbildung 5.16).
Hinsichtlich des Geschlechts zeigt sich, dass männliche Jugendliche deutlich häufiger angeben, Mitschülerinnen und Mitschüler gemobbt zu haben, während weibliche Jugendliche etwas häufiger angeben, in der Schule gemobbt worden zu sein.
Hinsichtlich des Alters12 zeigt sich, dass die 12- bis 15-Jährigen am häufigsten angeben, in den letzten Monaten mindestens einmal von Mitschülerinnen und Mitschülern gemobbt worden zu sein. Dieses Bild spiegelt sich auch im Anteil der Jugendlichen wider, die angeben, in den letzten Monaten mindestens einmal in der Schule jemanden gemobbt zu haben.
Bezüglich des sozioökonomischen Status gibt es keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Häufigkeit, mit der Jugendliche andere Kinder mobben. Allerdings zeigt sich, dass Jugendliche aus ökonomisch schwächeren Haushalten überdurchschnittlich häufig angeben, selbst von Mobbing betroffen zu sein.
Im internationalen Vergleich der HBSC-Studie zeigt sich, dass etwa 4 % der 15-jährigen Jugendlichen in Luxemburg angeben, in den letzten Monaten vor der Befragung mindestens zwei oder drei Mal andere Schülerinnen und Schüler gemobbt zu haben. Dieser Wert liegt leicht unter dem internationalen HBSC-Durchschnitt von 7 %. Auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Während 6 % der männlichen Jugendlichen aus Luxemburg in der HBSC-Studie angeben, in der Schule gemobbt zu haben, sind es bei den weiblichen Jugendlichen aus Luxemburg nur 2 %.
Auch hinsichtlich der Mobbing-Erfahrungen liegt Luxemburg unter dem internationalen Durchschnitt. Rund 7 % der 15-Jährigen in Luxemburg geben an, in den letzten Monaten mindestens zwei- oder dreimal in der Schule gemobbt worden zu sein, während der internationale Durchschnitt bei etwa 9 % liegt (Cosma et al., 2024). Auffällig ist auch hier der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Während laut der HBSC-Studien in Luxemburg 6 % der männlichen Jugendlichen angeben, in der Schule gemobbt worden zu sein, sind es bei den weiblichen Jugendlichen 8 %.
Cybermobbing in der Schule
Cybermobbing ist nicht einfach eine Erweiterung des traditionellen Mobbings, sondern hat eine eigene Dynamik: Es findet häufig anonym, dauerhaft (persistent) und für eine breite Öffentlichkeit sichtbar statt. Diese Merkmale können den Leidensdruck der Betroffenen erhöhen und führen dazu, dass Cybermobbing von Jugendlichen als besonders belastend empfunden wird (Kowalski et al., 2014). Abbildung 5.17 stellt das Cybermobbing-Verhalten und die Cybermobbing-Erfahrungen der Schüler (Grund- und Sekundarschulen) in Luxemburg dar. Die Ergebnisse zeigen, dass etwa 6 % der Jugendlichen in den letzten Monaten vor der Befragung schon einmal andere Jugendliche online gemobbt haben. Knapp 10 % der Jugendlichen geben an, selbst online gemobbt worden zu sein. In Bezug auf das Geschlecht, das Alter13, den sozioökonomischen Status und den Migrationshintergrund zeigen sich hinsichtlich des Cybermobbing-Verhaltens und der Cybermobbing-Erfahrungen keine statistisch signifikanten Unterschiede. Die internationale Vergleichsstudie HBSC zeigt, dass Luxemburg bei der Verbreitung von Cybermobbing im Mittelfeld liegt. So gaben rund 12 % der 15-Jährigen an, in den letzten Monaten mindestens einmal jemanden über das Internet gemobbt zu haben. Auffällig ist auch hier der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Während 17 % der männlichen Jugendlichen aus Luxemburg angaben, jemanden im Internet gemobbt zu haben, waren es nur 6 % der weiblichen Jugendlichen aus Luxemburg.
Hinsichtlich der Cybermobbing-Erfahrungen der 15-Jährigen zeigt die HBSC-Studie, dass die Jugendlichen in Luxemburg, wie schon bei den Mobbing-Erfahrungen in der Schule, unterdurchschnittlich betroffen sind. So gaben rund 12 % der 15-Jährigen an, in den letzten Monaten mindestens ein Mal über das Internet gemobbt worden zu sein. Der internationale Durchschnitt der HBSC-Studie liegt bei 14 %.
Die jüngsten Forschungsergebnisse einer deutschen Studie legen dar, dass Cybermobbing unter Jugendlichen derzeit in einem niedrigen einstelligen Prozentbereich auftritt und berichtet wird. Gleichzeitig wird jedoch festgestellt, dass Jugendliche, die sich selbst als divers geschlechtlich identifizieren, wesentlich häufiger von Cybermobbing-Erfahrungen berichten, nämlich in einem Umfang von 11 % (Fischer & Bilz, 2024).
Die zeitliche Entwicklung zeigt, dass die Häufigkeit von (Cyber-)Mobbing unter Jugendlichen in den letzten Jahren nicht eindeutig zurückgegangen ist. Laut der internationalen HBSC-Studie hat sich der Anteil der Jugendlichen, die von Mobbing-Erfahrungen in der Schule oder im Internet berichten, in vielen Ländern kaum verändert (Cosma et al., 2024). Es ist jedoch wichtig, hervorzuheben, dass analoges Mobbing, also Mobbing, das direkt im schulischen oder sozialen Umfeld stattfindet, nach wie vor weiter verbreitet ist als Cybermobbing. Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass klassische Mobbingformen nach wie vor häufiger auftreten und Jugendliche stärker belasten können, da sie in direkter sozialer Interaktion und häufig im Beisein Gleichaltriger stattfinden (Cosma et al., 2024; Kowalski et al., 2014; Dan Olweus & Limber, 2018). Obwohl Cybermobbing durch seine spezifischen Eigenschaften wie Anonymität und dauerhafte Verfügbarkeit besonders belastend sein kann, bleibt analoges Mobbing aufgrund der unmittelbaren Face-to-Face-Konfrontation und der regelmäßigen Wiederholung ein weiterhin relevantes Phänomen (Cosma et al., 2024).
Eine zentrale Erkenntnis im Umgang mit (Cyber-)Mobbing ist die fließende Grenze zwischen den Rollen von Tätern und Opfern. Eine kürzlich in Luxemburg durchgeführte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Täter- und Opferrollen häufig miteinander verschränkt sind (OEJQS, 2025). So geben viele Jugendliche, die selbst Mobbing erleben, an, auch andere gemobbt zu haben. Dieses Phänomen, bei dem Betroffene sowohl Opfer- als auch Täterrollen einnehmen, wird in der Forschung als Bully-Victim-Dynamik bezeichnet (Salmivalli, 2010; Walters, 2021). Diese Überlagerung von Täterschaft und Opferschaft deutet darauf hin, dass Mobbingprozesse häufig tief in sozialen Gruppen verwurzelt sind und weniger auf das isolierte Handeln einzelner Akteure zurückzuführen sind. Gerade im Cybermobbing, wo oft eine vermeintliche Anonymität angenommen wird, zeigt sich, dass die Täter in der Regel keine Fremden sind, sondern Schulfreunde oder Bekannte aus dem erweiterten sozialen Umfeld. Darüber hinaus manifestiert sich Cybermobbing nicht ausschließlich in Beleidigungen oder Ausgrenzung, sondern auch durch das unerwünschte Versenden oder Teilen sexueller Inhalte und Anfragen (Leemis et al., 2019). Diese Handlungen sind explizit als sexualisierte Gewalt im digitalen Raum einzustufen (Böhmer & Steffgen, 2020; Walters, 2021). Solche Formen digitaler Übergriffigkeit verdeutlichen, dass Cybermobbing in komplexe Machtverhältnisse und soziale Dynamiken eingebunden ist. Dies erfordert eine differenzierte und zielgerichtete pädagogische sowie präventive Auseinandersetzung. Erfolgversprechende Strategien umfassen hierbei sowohl die Sensibilisierung und Schulung von Lehrkräften als auch die direkte Arbeit mit Schülerinnen und Schülern. Letztere zielt darauf ab, prosoziales Verhalten zu fördern und klare Verhaltensregeln gegen Mobbing zu etablieren. Für die Nachhaltigkeit dieser Bemühungen ist darüber hinaus die aktive Einbeziehung der Eltern entscheidend. Solche mehrdimensionalen Ansätze tragen der Komplexität von Mobbing Rechnung, indem sie sowohl individuelle als auch gruppendynamische Faktoren adressieren und somit die zuvor genannten Aspekte einer zielgerichteten Auseinandersetzung aufgreifen (Hinduja, 2024; Salmivalli, 2010; Smith & Slonje, 2010).
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Pinnwandeinträge: Kurze Status- oder Medienbeiträge, die Nutzende auf der eigenen oder fremden Wall (Pinnwand) sozialer Netzwerke veröffentlichen;
sie sind i. d. R. öffentlich oder für Kontakte sichtbar, können kommentiert und geliked werden und dienen der asynchronen, nachvollziehbaren Kommunikation für alle, die sich auf der Plattform bewegen. - 12
Zu beachten ist, dass sich die Auswertungen ausschließlich auf Schülerinnen und Schüler der Primar- und Sekundarstufe beziehen; die Altersgruppe der 26- bis 29-Jährigen wurde aufgrund sehr geringer Fallzahlen nicht berücksichtigt.
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Zu beachten ist, dass sich die Auswertungen ausschließlich auf Schülerinnen und Schüler der Primar- und Sekundarstufe beziehen; die Altersgruppe der 26- bis 29-Jährigen wurde aufgrund sehr geringer Fallzahlen nicht berücksichtigt.