In diesem Unterkapitel werden die Meinungen und Nutzungsmuster der befragten Jugendlichen in Luxemburg zum Thema KI dargestellt.70 Die allermeisten haben sich bereits mit KI beschäftigt, entweder durch eigene Nutzung oder weil sie davon gehört haben. Meistens wurde ChatGPT erwähnt – ein KI-basierter Chatbot, der über das Handy oder den PC genutzt wird. Die Meinungen und Erfahrungen gehen hierbei auseinander, was im Laufe dieses Unterkapitels ausgearbeitet wird.
Lucas (21 Jahre) beschreibt KI als „unnötig praktisch“ und betont: „Wenn es [KI] nicht gäbe, würde die Welt meiner Meinung nach nicht untergehen.“ Im aktuellen Diskurs, in dem KI generell als Hilfe oder Tool vermarktet wird, fällt diese Aussage auf. Denn KI wird zunehmend in verschiedene Anwendungen integriert, oft auch ohne ausdrücklichen Wunsch der Nutzenden. Snapchat bietet zum Beispiel seit April 2023 ein „My AI“-Feature, welches der 15-jährige Tom als „gruselig“ empfindet:
Fir meng Flamen […] maachen ech moies e Roundsnap u jiddwereen. […] My AI ass, a muss do dra sinn, keng Anung wisou. An da kréien ech geschriwwen: „Oh faszinant dein Zug!“ An dann ass et keen Zuch, dann ass et e Bus. Dann denken ech mir och ëmmer sou: O wow.71
Die Diskussion um KI erlebte in Luxemburg, wie auch weltweit, besonders seit Ende 2022 einen sprunghaften Anstieg – nach der Veröffentlichung von ChatGPT. Der Bildungsminister Claude Meisch kündigte 2024 an, KI-Kompetenz als eines von vier Hauptzielen der nationalen Digitalstrategie sécher.digital zu verankern (MENJE, 2024). Parallel dazu wurden Fortbildungen für Lehrpersonen und KI-Workshops mit Jugendlichen ins Leben gerufen (z. B. RoboLab).72 Diese fördern kritische Reflexion, kreativen Umgang mit Tools wie ChatGPT, Gemini oder Midjourney sowie ein Bewusstsein für ethische Fragen (Bias, Urheberrecht).
In diesem Unterkapitel wird der Begriff „künstliche Intelligenz“ spezifisch für Software und Modelle verwendet, die auf der Transformer-Architektur basieren. Dazu gehören Large Language Models (LLM) und generative KI, die Texteingaben nutzen, um Bilder, Videos oder Audio zu erstellen. Die Diskussion umfasst die praktischen Anwendungen dieser Technologien im Alltag Jugendlicher (8.4.1) sowie die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen im Kontext der Digital Divide und der Selbstverwirklichung (8.4.2). Ebenfalls thematisiert werden die von den Jugendlichen wahrgenommenen Kehrseiten und Risiken, wie Fragen der Ethik, des Datenschutzes oder der Verlässlichkeit von KI-generierten Informationen (8.4.3). Darüber hinaus wird auf einige der in den vorherigen Unterkapiteln angesprochenen Themen – etwa Nachrichtenkonsum – erneut Bezug genommen und diese durch die Linse der KI betrachtet. Diese Reflexionen zeigen, wie Jugendliche und junge Erwachsene in Luxemburg KI als Teil ihrer Lebensrealität wahrnehmen: zwischen Neugier auf die Möglichkeiten und Bedenken gegenüber potenziellen Risiken.
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Die Interviews fanden zwischen Februar und Juni 2024 statt. Dieser Erhebungszeitraum ist relevant, da sich die KI-Technologie rasant entwickelt. So waren beispielsweise generative Modelle zur Video- und Musikproduktion (z. B. Sora, Veo, Suno, Udio) zum Zeitpunkt der ersten Hälfte der Interviews noch nicht öffentlich verfügbar und konnten daher nur von den später befragten Jugendlichen kommentiert werden. Mit Ausnahme von zwei Teilnehmenden basieren die geschilderten Erfahrungen zudem auf der Nutzung frei zugänglicher, unbezahlter KI-Versionen.
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„Für meine Flammen […] mache ich morgens einen Roundsnap an alle. […] My AI ist drin und muss auch drin sein, keine Ahnung warum. Und dann schreiben sie mir: ‚Oh faszinierend, dein Zug!‘ Und dann ist es kein Zug, dann ist es ein Bus. Dann denke ich mir auch immer so: ‚Oh wow.‘“
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https://airobolab.uni.lu/.