In diesem Kapitel bilden qualitative Interviews, die im Rahmen der Étude qualitative sur la jeunesse (EQJ) erhoben wurden, die zentrale Methode, um tiefere Einblicke in die Perspektiven und Erfahrungen Jugendlicher im Kontext von Digitalität zu gewinnen. Die Erhebungen fanden zwischen Februar und Juni 2024 statt und umfassen insgesamt 36 Interviews – darunter 26 Erst- und zehn Zweitinterviews – mit Jugendlichen zwischen 12 und 29 Jahren. Im Zentrum stand ein exploratives und offenes Vorgehen, das die Lebenswelten Jugendlicher und junger Erwachsener in Luxemburg sichtbar machen sollte. Im Verlauf der Gespräche wurde deutlich, dass Sozialisationsprozesse zentral mit den Kontexten der künstlichen Intelligenz (KI), des Gamings sowie mit digitalem Content zusammenhängen. Diese Themen wurden in einer weiteren Phase gezielt vertieft – mithilfe von Zweitinterviews sowie der Methode des digitalen Tagebuchs. Letztere ermöglichte es den jungen Menschen an zwei Tagen – einem Wochentag und einem Wochenende – ihre Erfahrungen und Gedanken in schriftlicher oder mündlicher Form, beispielsweise per Sprachnotiz, zu dokumentieren. So ergänzten die Tagebücher die Interviews um zeitlich verdichtete, alltagsnahe Einblicke in vorgegebene Themen.
Ergänzend wurden Kurzfragebögen eingesetzt, um soziale und biografische Hintergrundinformationen der teilnehmenden Jugendlichen zu erfassen. Abgefragt wurden zudem unter anderem Angaben zur täglichen Bildschirmzeit, zum Alter beim Erhalt des ersten Smartphones sowie zur finanziellen Unterstützung (digitaler) Freizeitaktivitäten durch die Eltern. Die Erhebungen erfolgten in verschiedenen Sprachen, die von den Jugendlichen selbst gewählt wurden: Luxemburgisch, Französisch, Deutsch und Englisch. Zudem floss ein Workshop mit Vertretern aus Jugendarbeit, politischer Bildung, Vereinen und psychosozialer Schulunterstützung in die Analyse ein.
Die Stichprobe umfasst Jugendliche im Alter von 12 bis 29 Jahren. Die Altersverteilung gliedert sich wie folgt: Fünf Jugendliche waren zwischen 12 und 17 Jahre alt, 16 zwischen 18 und 24 Jahren und weitere fünf zwischen 25 und 29 Jahren. In den Erstinterviews wurden 15 männliche und elf weibliche Jugendliche befragt. An den Zweitinterviews nahmen sechs männliche und vier weibliche Jugendliche erneut teil. Die Teilnehmenden verfügten über insgesamt neun verschiedene Staatsangehörigkeiten, darunter luxemburgisch (n = 18), portugiesisch (n = 3), deutsch, russisch, guineisch, spanisch, indisch, kapverdisch und amerikanisch (jeweils n = 1). Zwei Jugendliche besaßen eine doppelte Staatsangehörigkeit (luxemburgisch-portugiesisch und portugiesisch-kapverdisch).
Die befragten Jugendlichen stammen aus sämtlichen Regionen Luxemburgs. Dabei sind sowohl ländlich geprägte als auch städtische Räume repräsentiert. Diese geografische Verteilung spiegelt die Bevölkerungsstruktur des Landes wider, mit einer stärkeren Präsenz im Süden und Zentrum, wo sich auch die größeren städtischen Räume befinden.
Die Zusammensetzung der Stichprobe weist eine vielfältige sozioprofessionelle Verteilung auf: Neben schulpflichtigen Jugendlichen (n = 10) waren auch Auszubildende (n = 7) und Universitätsstudierende (n = 5) vertreten. Zwei Jugendliche waren zudem erwerbstätig, einer in einem Freiwilligendienst und ein Jugendlicher war zum Zeitpunkt der Interviews arbeitssuchend.
Die Bildungsabschlüsse der Eltern der befragten Jugendlichen sind vielfältig, wobei das Bildungsniveau (Sekundarabschluss, niedriger als Sekundarabschluss) beider Elternteile in vielen Fällen einheitlich war: In sechs Fällen verfügten sowohl Vater als auch Mutter über einen höheren Abschluss als den Sekundarabschluss, was auf ein höheres Bildungsniveau innerhalb der Familie hindeutet. In weiteren sechs Fällen hatten beide Elternteile einen niedrigeren Abschluss als den Sekundarabschluss, während in einem Fall beide Elternteile einen Sekundarabschluss besaßen. Auffällig ist, dass sechs Jugendliche keine Angaben zu den Bildungsabschlüssen ihrer Eltern machen konnten oder wollten. Gründe hierfür sind der Tod von Elternteilen, fehlender Kontakt aufgrund von Scheidungen oder Trennungen sowie Unkenntnis über den Bildungshintergrund der Eltern.
Weiterführende Informationen zu der EQJ sind im erweiterten Methodenteil online zu finden.