6.2.3 Einordnung der Ergebnisse

Während das Smartphone das wichtigste Alltagsgerät ist, zeigt die Vielfalt an digitalen Geräten (z. B. Tablets, Laptops, Smartwatches), Anwendungsbereichen (z. B. Kommunikation, Wissenserwerb) und Nutzungszeiten (z. B. Morgenroutinen, Pausenfüller), dass digitale Mediennutzung kontextabhängig ist: Wie und für welche Zwecke junge Menschen digitale Medien nutzen, hängt stark von ihrer Lebenssituation, ihrem Alter, ihrer Bildung und sozialen Zugehörigkeit ab. Selbst dieselbe Plattform (z. B. WhatsApp) kann sehr unterschiedlich verwendet werden, und während Facebook, Snapchat, BeReal oder MyGuichet für einige junge Menschen wichtige digitale Plattformen darstellen, z. B. um mit Freunden zu kommunizieren, Trends zu folgen oder administrative Prozesse digital zu erledigen, können dieselben Plattformen für andere, je nach sozialem Umfeld und Alter, eine geringere oder gar keine Rolle spielen. Die Vielfalt und Offenheit der Nutzungsmöglichkeiten haben zur Folge, dass individuelle Gestaltungsspielräume zunehmen. Ein Beispiel hierfür ist Beatriz, die über kostenfreie Lern-Apps Sprachkenntnisse erwerben konnte, insbesondere im Englischen, die es ihr ermöglichten, zu ihren Mitschülern aufzuschließen und ihren Rückstand in Fremdsprachen auszugleichen. Gleichzeitig reichen soziale Ungleichheiten in den digitalen Raum hinein, weil nicht alle Jugendlichen auf dieselben finanziellen, technischen und kulturellen Ressourcen zurückgreifen können.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass der Zugangsbegriff ausdifferenziert und ausgeweitet werden muss, um soziale Ungleichheiten im digitalen Zeitalter erfassen zu können. Ausdifferenziert, weil sich zunächst zeigt, dass die allermeisten jungen Menschen zwar über eine digitale Grundausstattung und Internetzugang verfügen. Unterschiedliche Gerätetypen (z. B. 3-D-Drucker) sowie die immer neuesten Generationen (z. B. das neueste iPhone) eröffnen jedoch spezifische Nutzungsmöglichkeiten, die nicht allen Jugendlichen gleichermaßen zugänglich sind (vgl. van Deursen & van Dijk, 2019). Darüber hinaus schaffen sie distinktive Vorteile gegenüber Gleichaltrigen, die über eine solche Ausstattung nicht verfügen. In diesem Sinne sind sie Träger symbolischer Macht, indem sie soziale Unterschiede markieren und reproduzieren, vergleichbar mit Markenkleidung oder Sprachstil (Bourdieu, 1983). Der Zugangsbegriff muss darüber hinaus ausgeweitet werden, um neben dem materiellen Zugang auch motivationale Aspekte sowie digitale Kompetenzen zu umfassen (van Dijk, 2020, S. 14). Erst in diesem Zusammenspiel wird deutlich, dass einige Jugendliche trotz ungleicher Ausgangsbedingungen durch intrinsische und zielgerichtete Motivation (z. B. Berufsziel erreichen, Sprachdefizite ausgleichen) es schaffen, im Kontext einer Third-Level Digital Divide (van Dijk, 2020) positive Erträge im digitalen Raum zu erzielen.