In Luxemburg wird das Thema Bildschirmzeit von Politik, Fachpraxis und Eltern intensiv diskutiert. Die jährlichen Umfragen von BEE SECURE im Rahmen des „Radar“ zeigen, dass Bildschirmzeit ein zentrales Thema für Eltern sowie Bildungs- und Lehrpersonal darstellt. Besonders in der Altersgruppe der 12- bis 16-Jährigen wird die hohe Bildschirmzeit als das größte mit digitalen Medien verbundene Risiko eingestuft (BEE SECURE, 2025, S. 21).
Ein zentrales Instrument, um diesem Risiko zu begegnen, ist der Aktionsplan sécher.digital des luxemburgischen Ministeriums für Bildung, Kinder und Jugendliche (MENJE). Er legt einen besonderen Fokus auf die Förderung einer gesunden Screen-Life-Balance für Kinder und Jugendliche und empfiehlt einen regulierten Umgang mit sozialen Medien. Als Begründung werden potenzielle Risiken wie negative Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl, Suchtrisiken, Stress, emotionale Überlastung sowie Schlaf- und Konzentrationsstörungen angeführt (MENJE, 2024, S. 3). Analoge Aktivitäten sollen forciert werden (MENJE, 2025a).
Dass „Zeit“ weit mehr als eine individuelle Herausforderung ist, sondern als gesellschaftliches Querschnittsthema betrachtet werden muss, verdeutlicht die September-Ausgabe 2024 der luxemburgischen Zeitschrift Forum7. Sie widmet sich dem Phänomen Zeit aus verschiedenen Perspektiven, indem sie u. a. die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf das menschliche Zeitempfinden in den Blick nimmt. Das Ergebnis: Der effiziente Einsatz von KI kann zwar Zeit sparen und sich somit positiv auf das Verhältnis zur Zeit auswirken, birgt aber zugleich Risiken für das Zeitverhältnis insgesamt, etwa durch komprimierte und verzerrte Darstellungen von historischen Ereignissen (Ewers, 2024). Ein weiterer Beitrag widmet sich der Bedeutung von Zeit und Langeweile bei der Nutzung von Smartphones.
Er weist auf ein verändertes Zeiterleben hin, indem (intensive) Smartphone-Nutzung zu Zeitverzerrung und Zeitverlust führen kann; und wirft die offene Frage auf, ob im Kontext der Allgegenwärtigkeit von Smartphones verlernt wurde, Langeweile auszuhalten (König, 2024).
Auch auf europäischer Ebene ist der Themenkomplex Jugend und Bildschirmzeit von Relevanz, wie etwa im Rahmen der ersten Evaluationsstudie zur europäischen Strategie für ein besseres Internet für Kinder (BIK+) ersichtlich wird (Verdoodt et al., 2025, S. 6). Dort zeigt sich, dass junge Menschen ihre Zeit im digitalen Raum zunehmend selbst reflektieren, insbesondere im Hinblick auf das schwierige Ausbalancieren zwischen Online-Aktivitäten und anderen Verpflichtungen wie Hausaufgaben oder Zeit mit Familie und Freunden.
Wie blicken junge Menschen in Luxemburg auf dieses Thema? Neben den qualitativen Interviews liefern digitale Tagebücher wertvolle Einblicke in die Art und Weise, wie Zeit im digitalen Zeitalter subjektiv empfunden wird. Sie sind nicht nur für die gesellschaftliche Debatte von Bedeutung, sondern auch für die Gestaltung von medienpädagogischen Angeboten, die Jugendliche darin unterstützen können, ihre digitalen Aktivitäten selbstbestimmt und reflektiert zu steuern.
Dazu werden zwei Dimensionen in diesem Unterkapitel genauer in den Blick genommen: Zunächst geht es um die Frage, wie junge Menschen ihre eigene Zeit empfinden und bewerten. Danach richtet sich der Blick darauf, wie spezifische Anforderungen, die damit einhergehen, bewältigt werden. Abschließend werden zentrale Ergebnisse in ihren gesellschaftlichen Kontext eingeordnet und anhand ausgewählter Theorien diskutiert.