Die Digitalisierung hat das soziale Miteinander tiefgreifend verändert. Das Internet hat sich zu einem sozialen Begegnungsraum entwickelt, der das soziale Netzwerk junger Menschen erweitert und vielfältige Beziehungsformen hervorbringt – von losen digitalen Bekanntschaften über themenspezifische Communitys bis hin zu intensiven Freundschaften und Liebesbeziehungen. So entstehen neue Beziehungsdynamiken, die traditionelle soziale Beziehungen luxemburgischer Jugendlicher ergänzen und verändern (Décieux et al., 2019). Dieser Themenkomplex wird in Luxemburg aus verschiedenen Perspektiven diskutiert.
In einem Workshop, der in Kooperation zwischen dem MENJE und der Universität Luxemburg im Januar 2024 organisiert wurde, kamen Vertreter aus verschiedenen Bereichen aus dem Jugendsektor zusammen, um sowohl Potenziale als auch Herausforderungen digitaler sozialer Beziehungen für die Fachpraxis zu identifizieren. Während einige den digitalen Wandel als Bereicherung betrachteten, weil die digitale Vernetzung Kontakte über Grenzen hinweg erleichtert und den Austausch zwischen Kulturen fördern kann, warnten andere vor negativen Folgen wie Vereinsamung, Oberflächlichkeit oder dem Verlust „echter“ sozialer Interaktionen. Auch wurde darauf hingewiesen, dass Jugendliche aus sozial schwächeren Familien teilweise weniger Kompetenzen hätten, um das eigene Nutzungsverhalten zu reflektieren und bestehende Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.
Im Rahmen eines Aktionsplans stellt das MENJE zudem verschiedene Maßnahmen vor, die darauf abzielen, soziale Interaktionen auch außerhalb des Internets zu stärken (MENJE, 2025c). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Jugendliche selbst den digitalen Raum als sozialen Beziehungsraum betrachten: Wie werden digitale Räume genutzt, um bestehende Kontakte zu pflegen und Personen kennenzulernen, und was bedeutet es, wenn digitale Begegnungen in die analoge Welt übergehen? Diese Fragen leiten in das erste Unterkapitel ein. Im Anschluss geht es um die Frage, wie sich im Zuge digitaler Kommunikation die Wahrnehmung von Nähe und Distanz verändert: Hat Kopräsenz, also das physische Zusammensein, für Jugendliche überhaupt noch eine Bedeutung? Ein weiteres Unterkapitel widmet sich der gestärkten Rolle von Gleichaltrigen im digitalen Alltag, bevor zentrale Ergebnisse abschließend in ihren gesellschaftlichen Zusammenhang gesetzt und diskutiert werden.