6.4.1 Das Netz als sozialer Begegnungsraum

Digitale Räume bieten jungen Menschen vielfältige Möglichkeiten, soziale Beziehungen über physische Distanzen, Altersgrenzen und Lebensbereiche (z. B. Freizeit, Schule, Familie, Partnerschaft) hinweg aufzubauen, zu pflegen und zu vertiefen. Die qualitativen Jugendbefragungen deuten darauf hin, dass junge Menschen flexibel zwischen verschiedenen Kommunikationskontexten wechseln, wobei sich sowohl generationen- als auch personenspezifische Unterschiede beobachten lassen. Plattformen wie Snapchat, Instagram, Telegram und Discord sind vorwiegend für den Austausch mit Freunden bestimmt. Ein 18-jähriger Interviewteilnehmer erläutert: „Meine Eltern haben zum Beispiel kein Snapchat […] ich finde halt Snapchat besser, aber alle Erwachsenen haben eher WhatsApp, also schreibe ich da, ja“ (Theo, 18 Jahre). Vor allem WhatsApp und Facebook fungieren als Schnittstelle zwischen den Generationen. Die 20-jährige Amélie etwa erzählt: „Ah ech hu Facebook. Wéinst menger Bomi.“16 Ähnlich äußert sich der 21-jährige Julien: „Ech hunn och Facebook, halt wéinst menge Grousselteren, mee ech ginn awer net drop.“17 Er nutzt Facebook primär aus familiären Gründen, betrachtet die Plattform jedoch nicht als Teil seines aktiven digitalen Alltags. Die generationenspezifische Differenz in der Plattformnutzung lässt sich unter anderem durch unterschiedliche Kommunikationsgewohnheiten und Mediensozialisationserfahrungen erklären: Junge Menschen berichten davon, dass ältere Familienmitglieder teilweise die bereits länger etablierten und als „einfach“ empfundenen Plattformen wie WhatsApp oder Facebook bevorzugen, während die Kommunikation mit Gleichaltrigen stärker trendorientiert erfolgt.

Transnationale Familiennetzwerke

In transnationalen Familiennetzwerken, also familiären Beziehungen, die sich über mehrere Länder hinweg erstrecken, nimmt digitale Kommunikation einen besonderen Stellenwert ein (Hepp et al., 2011). Luxemburg – ein Land, in dem Migration und Mobilität das gesellschaftliche Zusammenleben besonders prägen (siehe Kapitel 3) – spiegelt diese Realität wider. Im Unterkapitel 5.2 zeigt sich, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund – insbesondere diejenigen aus der ersten Generation – digitale Endgeräte vergleichsweise häufig zur Kontaktpflege nutzen. Sie bewerten diesen Nutzen dementsprechend höher. Auch die Stichprobe der Étude qualitative sur la jeunesse ist so zusammengesetzt, dass Jugendliche und junge Erwachsene aus verschiedenen Ländern, die für ihr Studium oder ihre Arbeit nach Luxemburg gezogen sind, zu ihrer Mediennutzung befragt wurden. Sie betonen, wie wichtig und unersetzbar es für sie ist, ihre Familien durch digitale Kommunikationsmittel wie WhatsApp oder Messenger zu erreichen und Videoanrufe zu tätigen, um den Kontakt aufrechtzuerhalten.

Ein Beispiel ist der 20-jährige Mamadou. Er ist in einem frankophonen westafrikanischen Land aufgewachsen und für seine Ausbildung nach Luxemburg gezogen. Er berichtet, täglich mindestens eine Stunde mit seiner Mutter über WhatsApp oder Messenger zu telefonieren. Der Anruf sei kostengünstiger als internationale Anrufe über einen Mobilfunkanbieter. Er erklärt: „On parle toujours en Messenger […] plus qu’une heure, deux heures […] avec ma mère“18 (Mamadou, 20 Jahre). Ein weiteres Beispiel ist Mariana (27 Jahre), die als Jugendliche mit ihren Eltern aus Portugal nach Luxemburg gezogen ist. In ihrer Kindheit spielten ihre Großeltern eine bedeutende Rolle in ihrer Erziehung, und auch heute noch lebt ein großer Teil ihrer Familie in Portugal. Die Kommunikation mit ihnen erfolgt über WhatsApp-Gruppen, in denen persönliche und lockere Gespräche stattfinden. Mariana beschreibt, dass regelmäßig Fotos in der Gruppe geteilt werden, auf die vielfältige Reaktionen der übrigen Familienmitglieder folgen (z. B. durch Emojis oder Text). Ähnlich wie Mamadou und Mariana ist auch Emma (22 Jahre) nach Luxemburg zugezogen, allerdings bereits in ihrer frühen Kindheit, denn sie wuchs bei einer Pflegemutter in Luxemburg auf. Ihre leibliche Familie lernte sie erst als Teenager kennen. Die Kommunikation über soziale Medien, insbesondere Facebook und Instagram, hat eine große Bedeutung in ihrem Leben. Sie erzählt: „Da haben wir Nummern ausgetauscht, Facebook ausgetauscht, wie das dann so ist, und in diesem Punkt finde ich die sozialen Medien sehr interessant, dass man von so weit kommunizieren kann und auch für diese Sache ist mir das Handy sehr wichtig auch“ (Emma, 22 Jahre). In ihren digitalen Tagebucheinträgen wird deutlich, dass der Kontakt mit ihrer Familie im fernen Ausland nicht nur sporadisch ist, sondern zu einem wichtigen Teil ihres Alltags geworden ist. So beschreibt sie, wie sie über Instagram mit ihrer biologischen Schwester kommuniziert, die sie nach ihrem Befinden fragt und ihr auch mitteilt, dass es ihrer Mutter nicht gut geht: Instagram hab ich genutzt, um mit meiner biologischen Schwester zu kommunizieren, sie hat mich angeschrieben, wie es mir ging. Und was noch […] Ja, und hat dann mir auch erzählt, dass es unserer Mama nicht so gut geht“ (Emma, 22 Jahre).

Freundschaften

Digitale Medien sind nicht nur wichtige Kommunikationsmittel innerhalb der Familie, sondern spielen auch eine zentrale Rolle in Freundschaften. Auffällig ist die Häufigkeit und Vielfalt der online geschlossenen Freundschaften. Carmen zum Beispiel hat im Alter von 12 Jahren ihre beste Freundin über Twitter (heute X) kennengelernt. Die beiden Mädchen pflegten ihre Freundschaft über vier Jahre hinweg hauptsächlich über WhatsApp und regelmäßige Videocalls, bevor sie mit 16 Jahren erstmals die Möglichkeit hatten, sich persönlich zu treffen – und zwar unter der Aufsicht von Carmens älterem Bruder. Diese Entwicklung zeigt, dass Freundschaften, die im digitalen Raum entstanden sind, auch im realen Leben fortgeführt und gepflegt werden können. Ein weiteres Beispiel ist Mariana, 27 Jahre alt. Sie unterhält ihren hauptsächlichen Freundeskreis mit Personen in Südafrika, die sie über das Spiel League of Legends kennengelernt hat. Anders als bei Carmen sind sich die Freunde noch nie in der Offline-Welt begegnet. Sie treffen sich fast täglich, spielen miteinander und tauschen sich über Alltagsthemen aus.

Auch Freunde, die sich bereits kennen – beispielsweise aus der Schule, dem Jugendhaus oder der Ausbildung – nutzen digitale Medien, um miteinander zu kommunizieren und zu interagieren. Eine wiederkehrende Kommunikationsform ist der beiläufige und über den Tag verteilte Austausch informeller Kurznachrichten und humorvoller Inhalte. Insbesondere das Versenden von als lustig empfundenen Videos, Memes oder kurzen Reels – also kurzen Videos, die auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder Facebook geteilt werden – dient als niedrigschwellige Möglichkeit, die keine direkte Reaktion erfordert, aber das Gefühl sozialer Nähe aufrechterhält. Amélie beschreibt diesen Austausch folgendermaßen: „Meeschtens nëmme witzeg Saachen. Also sou süss Déiere vläicht mat menge Kusinne mee meeschtens sou witzeg Saachen.“19

Zudem wird die digitale Welt genutzt, um gemeinsame Aktivitäten in den digitalen Raum zu verlagern. Insbesondere Online-Spiele wie Brawl Stars oder Fortnite – kompetitive, Team-basierte Multiplayer-Spiele – liegen im Trend (siehe Kapitel 8). Auch Streaming-Plattformen können Bestandteil des digitalen Beisammenseins sein. Lucas, 21 Jahre, beschreibt, dass er Teleparty (früher Netflix Party) nutzt, um mit mehreren Freunden gleichzeitig Filme oder Serien zu streamen. Parallel dazu verwendet seine Freundesgruppe Discord, eine Plattform für Sprach- und Textchat, um sich während des Films zu unterhalten – quasi wie bei einem gemeinsamen Filmabend, nur eben digital:

Ich kenne sie [meine Lebensfreunde] schon Ewigkeiten und was wir auch machen, ist, wenn wir nutzen, es gibt eine Applikation über Chrome, die heißt Teleparty. […] Das heißt, ich kann dann über Netflix streamen, […] jeder, der Netflix hat, kann sich dann da einloggen und mitschauen. Das heißt, wir schauen dann Filme manchmal zusammen. Lucas, 21 Jahre

Auf diese Weise werden gemeinsame digitale Räume geschaffen, die an das physische Zusammensein anknüpfen.

Partnerschaften

Auch Partnerschaften können online entstehen. Das empirische Material liefert hierfür vielfältige Beispiele. Tom, 15 Jahre alt, und Elias, 23 Jahre, haben ihre ersten Freundinnen über Tinder kennengelernt. Tom erzählt, dass sie zunächst über die App miteinander ins Gespräch gekommen sind und dann Kontaktdaten ausgetauscht haben, um ihre Gespräche zunächst über Snapchat fortzusetzen. Schließlich trafen sie sich persönlich. Emma, 22 Jahre, nutzte Badoo, eine Kombination aus sozialem Netzwerk und Dating-App, um neue Menschen kennenzulernen.

In den Jugendinterviews zeigt sich, dass nicht nur klassische Dating-Apps genutzt werden, um mit anderen Personen Kontakt aufzubauen; teilweise werden auch soziale Netzwerke wie Instagram genutzt. Ein Vorteil, der immer wieder genannt wird: Bereits bestehende Profile geben einen Einblick in Interessen, soziale Netzwerke, geteilte Inhalte und Aussehen, was Kontaktaufnahmen erleichtert. Aus diesen Gründen nutzen Lucas und Julien, beide 21 Jahre alt, Instagram als eine Art Dating-Plattform. Julien berichtet, dass er über Instagram mehr Erfolg hatte, Mädchen zu treffen, die ihn interessierten, als über traditionelle Apps wie Tinder oder Badoo.

Beziehungen entstehen jedoch nicht nur im digitalen Raum, sondern werden ganz zentral auch dort geführt (Woinoff & Kistler, 2021, S. 319). Exemplarisch lässt sich das Beispiel von Gabriel anführen. Der 23-Jährige und seine Freundin leben in getrennten Wohnungen. Sein typischer Tagesablauf beginnt mit einem Video- und Weck-Anruf seiner Freundin: „Dann wird eine Viertelstunde telefoniert und danach wird aufgestanden“ (Gabriel, 23 Jahre).

Parasoziale Interaktionen

In den vielfältigen Online-Begegnungen hat das Phänomen parasozialer Interaktionen an Bedeutung gewonnen. Dabei handelt es sich um einseitige, emotionale Bindungen, die junge Menschen zu Medienakteuren aufbauen können; beispielsweise Chatbots, prominente Persönlichkeiten oder Influencer. Sie vermitteln das Gefühl von sozialer Nähe, obwohl a priori keine wechselseitige Beziehung besteht (Wegener, 2008, S. 194). Ein Beispiel ist der 12-jährige Theo. Er folgt MrBeast, einem US-amerikanischen YouTuber, der durch aufwendig produzierte Challenges und virale Stunts bekannt wurde. Seine Videos erreichen weltweit ein Millionenpublikum, besonders unter Jugendlichen. Theo folgt im regelmäßig und ist besonders von den Challenges angetan:

Seine Videos kosten fünf Millionen Euro […] das ist einfach anders als andere YouTuber. Also, er macht dann zum Beispiel Challenges: Kann man einen Zug stoppen? […] dann kriegt der seine Kreditkarte zum Beispiel und kann alles kaufen, um den Zug zu stoppen, und wenn er ihn stoppt, dann kriegt der eine Million […] da kann keiner mithalten und das ist einfach spektakulär. Theo, 12 Jahre

Der 18-jährige Liam folgt dem YouTuber Benx, der vor allem durch Minecraft-Videos bekannt wurde. Über ein monatliches Abonnement ist er Mitglied der Fan-Community und hat Zugang zu einer WhatsApp-Gruppe, in der die Fans mit ihrem Idol chatten können. Durch die Möglichkeit der direkten Interaktion mit Benx wird die parasoziale Bindung durch digitale Interaktionsräume (hier: WhatsApp-Gruppe) erweitert.

Der Kontakt mit fremden Personen

Ein weiteres Phänomen ist der Kontakt mit fremden Personen. Dieser wird teilweise selbst initiiert, häufig aus Neugierde und Experimentierfreudigkeit. Der 15-jährige Tom wollte es „einfach mal ausprobieren“. Er führt aus, dass er die Video-Chat-App Omegle (heute ometv) genutzt hat, um per Videochat mit zufällig zugewiesenen Fremden aus der ganzen Welt zu sprechen. Die App ermöglichte es, durch einfaches Swipen schnell von einer Person zur nächsten zu wechseln, wodurch er mit ganz unterschiedlichen Menschen in Kontakt kam. Emma, 22 Jahre, berichtet von ähnlichen Erfahrungen auf Instagram. Sie beschreibt, dass sie schlichtweg dort den Profilvorschlägen folgte: „Dann wurden mir da Leute vorgeschlagen und dann habe ich einfach draufgeklickt und ja, habe ich auch mit denen geschrieben.“ Es werden jedoch auch Fälle beschrieben, in denen Jugendliche gegen ihren Willen von fremden Personen angeschrieben werden. Obwohl die betroffenen Jugendlichen ihr Bedürfnis nach Schutz vor unerwünschter Kontaktaufnahme klar ansprechen, werden Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Medien insgesamt wenig reflektiert. Die Möglichkeit, Kontotyp und Nachrichteneinstellungen so anzupassen, dass lediglich ein ausgewählter Personenkreis Nachrichten senden kann, scheint eher wenig bekannt zu sein. Ein Beispiel ist die 14-jährige Sophie. Auf die Frage, ob ihr Instagram-Account öffentlich sei, antwortet sie: „Ech menge jo. Also ech mengen ech hunn deen ni, also privat gemaach. Mee […] Also vu que dass ech jo näischt posten, ass dat jo elo net dramatesch mengen ech“20 (Sophie, 14 Jahre).

Herausforderungen und Risiken des digitalen Begegnungsraums

Während digitale Räume viele Chancen für neue Beziehungen bieten, bergen sie auch Risiken. In den Interviews wird wiederholt die Problematik von Fake-Profilen thematisiert. Die Möglichkeit, sich hinter einer digitalen Identität zu verbergen, erschwert es, echte von falschen Absichten zu unterscheiden, und erhöht die Risiken, die mit digitalen Begegnungen einhergehen. Fake-Profile stehen oft im Zusammenhang mit Gefährdungen wie Cybermobbing, Cybergrooming, Hate Speech und Catfishing – einem Phänomen, bei dem es zu Diskrepanzen zwischen digitalen und realen Identitäten kommt (Brüggen et al., 2019, S. 100). Noah (20 Jahre) erzählt, dass er besonders vorsichtig geworden sei: „Ich bin da sehr, sehr vorsichtig eben wegen vielen Fakes und man weiß ja nie, hinter einem Bild kann man sich verstecken, wenn man jemand vor sich hat, kann man sich nicht verstecken“ (Noah, 20 Jahre). So beginnt der anfängliche Austausch mit Fremden bei einigen unverfänglich und freundlich, kann sich jedoch schnell in eine unerwünschte Richtung entwickeln. Das zeigt das Beispiel von Isabelle. Die 23-Jährige berichtet aus ihrer Erfahrung:

Das war aber auf Snapchat, und da, also er war ehrlich gesagt ganz nett. Er hat auch zuerst mal ein Foto von sich geschickt. […] Da hat er irgendwie gemeint, ja, willst du nicht sehen, was du kriegst. Ich hab gesagt, ich hab nicht verstanden, was er gemeint hat. Und dann hat er angefangen, mir Dickpics zu schicken. Isabelle, 23 Jahre

Das Versenden von sexuell freizügigen Bildbotschaften, wie zum Beispiel von sogenannten Dickpics, also ungefragt versandten Bildern männlicher Genitalien, ist eine spezifische Form von Sexting, die häufig – wie in diesem Fall – ohne Zustimmung der empfangenden Person erfolgt (Brüggen et al., 2019, S. 145). Hieraus ergibt sich ein bedeutendes Gefährdungspotenzial für junge Menschen. Diejenigen, die in den Interviews berichten, von Sexting betroffen (gewesen) zu sein, sind vor allem weibliche Jugendliche. Internationale Forschungsergebnisse bestätigen, dass Sexting in einem Kontext geschlechtsspezifischer Normen und sozialer Erwartungen stattfindet. Ringrose et al. (2013) zeigen, dass Mädchen häufig stärker unter Druck gesetzt werden, intime Bilder zu versenden, während Jungen für vergleichbares Verhalten weniger sozial sanktioniert werden.

Wenn intime Bilder oder Nachrichten ohne Zustimmung weiterverbreitet werden und zur Bloßstellung, Erpressung oder Beschämung der betroffenen Person dienen, kann Sexting eine Form von Cybermobbing darstellen. Dabei handelt es sich um ein „Verhalten von Individuen oder Gruppen, die wiederholt aggressive Botschaften mittels digitaler Medien übermitteln, die darauf gerichtet sind, anderen Schaden zuzufügen“ (Pfetsch et al., 2014, S. 24). Die HBSC-Studie zeigt für Luxemburg, dass Mobbing-Erfahrungen im digitalen Raum besonders häufig auftreten. Neben jüngeren Jugendlichen zwischen 11 und 14 Jahren, die stärker betroffen sind als ältere Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren, sind auch Mädchen tendenziell stärker betroffen (Catunda et al., 2023, S. 26). Charakteristisch für den digitalen Raum ist „die Möglichkeit, dass mittels digitaler Medien aggressive Botschaften potenziell anonym, zu jeder Zeit und unabhängig vom Ort vor einem potenziell großen Publikum veröffentlicht werden“ (Brüggen et al., 2019, S. 88). In den qualitativen Jugendbefragungen stellte Cybermobbing zwar kein zentrales Thema dar, wurde jedoch von einigen jungen Menschen angesprochen, die selbst in der Vergangenheit betroffen gewesen sind oder die in ihrem Umfeld mit solchen Vorfällen konfrontiert worden sind. Ein Beispiel ist der 20-jährige Noah. Er erzählt von einer Situation, in der ein junges Mädchen im Netz so stark gemobbt wurde, bis sie sich das Leben nahm. Er berichtet von empfundener Hilflosigkeit und kritisiert die mangelnde institutionelle Unterstützung, beispielsweise an Schulen.


  • 16

    „Ach, ich habe Facebook. Wegen meiner Oma.“

  • 17

    „Ich habe auch Facebook, eben wegen meiner Großeltern, aber ich gehe da nicht wirklich drauf.“

  • 18

    „Wir sprechen immer über Messenger […] länger als eine Stunde, zwei Stunden […] mit meiner Mutter.“

  • 19

    „Meistens nur lustige Sachen. Also so süße Tiere vielleicht mit meinen Cousins, aber meistens eben lustige Sachen.“

  • 20

    „Ich denke schon. Also ich glaube, ich habe den [Account] nie privat gemacht. Aber […] also da ich ja nichts poste, ist das jetzt nicht so dramatisch, denke ich.“