Autorinnen und Autoren von Kapitel 6

Hannes Käckmeister, Sandra Biewers GrimmLaurent Langehegermann, Christiane Meyers und Robin Samuel

Zentrale Aussagen

Junge Menschen wechseln häufig und selbstverständlich zwischen analogen und digitalen Praktiken in ihren alltagsweltlichen Kontexten (z. B. Schule, Freizeit, Busfahrt, Wartezeiten), wobei das Smartphone das zentrale Alltagsgerät ist.

Eine Grundausstattung an digitalen Geräten ist grundsätzlich gegeben, doch spezielle oder aktuellere Geräte schaffen ungleiche Nutzungsmöglichkeiten. Neben materiellem Zugang sind auch Motivation und digitale Kompetenzen entscheidend, um die Potenziale der digitalen Technologien nutzen zu können.

Prinzipiell schätzen junge Menschen die vielfältigen Möglichkeiten digitaler Technologien. Auffällig ist jedoch, dass digitale Angebote eine erhebliche Anziehungskraft ausüben, die teilweise als überwältigend wahrgenommen wird, insbesondere im Kontext sozialer Medien. Junge Menschen entwickeln Strategien zur Selbstregulation, die jedoch ein hohes Maß an Selbstdisziplin und -reflexion voraussetzen.

Junge Menschen sehen soziale Beziehungen nicht binär als entweder online oder offline, sondern als selbstverständlichen Teil eines medial durchdrungenen Alltags. Sie nutzen die Möglichkeiten, soziale Nähe bei physischer Distanz herzustellen und aufrechtzuerhalten; gleichwohl haben sie auch ein Bewusstsein dafür, dass analoge Begegnungen nicht ersetzt werden können.

Mädchen und junge Frauen berichten häufiger von negativen Online-Erfahrungen (z. B. sexualisierte Nachrichten, übergriffige Kontaktversuche, Grenzverletzungen im Gaming). Hieran zeigt sich, dass problematische Online-Interaktionen eng mit gesellschaftlichen Normen, Machtverhältnissen und Geschlechterrollen verknüpft sind.

Insgesamt zeigt sich, dass digitale Praktiken im Jugendalter vier Dynamiken folgen: Sie ersetzen analoge Routinen (z. B. Online-Kommunikation statt Treffen), erweitern bestehende Beziehungen (z. B. Online-Freundschaften), akzentuieren Gruppendynamiken (z. B. Zugehörigkeit in Chats und Gaming, Mobbing) und fragmentieren Alltagsstrukturen (z. B. durch ständigen App-Wechsel, digitale Mediennutzung in Zwischenzeiten).